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Sparkasse 2.0 - Aldi 2.0 - Fiktion?

Sparkasse Gaby Schwall, Lieser

Zu den Schließungen der Sparkassenfilialen und -servicestellen schrieb uns diese Leserin:
Februar 2017 - die Sparkassenfilialen Mülheim und Lieser sind geschlossen, kein Drama, fahre nach Kues zur Hauptstelle, aber auf dem Parkplatz herrscht Chaos und großer Andrang. Ich entscheide mich erstmal für den Einkauf bei Aldi. Hier begrüßt mich ein Schild "Beim Bezahlen können Sie bis zu 200 Euro in bar abheben." So weit ist es schon.

Fiktion:

Februar 2018 - im Aldi-Eingangsbereich neben den Pfandautomaten steht ein Bank-Terminal, ich kann Geld abheben, Überweisungen tätigen und Kontoauszüge ausdrucken. Es geht noch besser: Nach meinem Einkauf bezahle ich mit der Karte, und die freundliche Mitarbeiterin weist mich diskret darauf hin, dass mein Kontostand über meinem Monatsbedarf (berechnet anhand meiner monatlichen Ausgaben im Jahresdurchschnitt) liegt und bietet mir an, mein Guthaben auf einen Aldi-Festgeldkonto, natürlich verzinst, anzulegen. Pin eingeben, fertig. Das ist Kundenservice. Für den Fall, dass sich mein Konto im Minus bewegt, bietet sie mir sehr diskret ein Aldi-Überziehungskredit an. Natürlich zinsfrei und ohne Bearbeitungsgebühren, wenn ich monatlich die Umsätze bei Aldi weiterhin tätige, meinem Jahresdurchschnitt entsprechend. Pin eingeben - fertig. Hier fühle ich mich nicht als Bittsteller, denn viele Bankangestellte haben es noch immer nicht kapiert, dass ihre Gehälter nur von Zinsen und Bearbeitungsgebühren der Kreditnehmer bezahlt werden.
März 2019 - Die Hauptstellen der Sparkasse Mittelmosel sind alle geschlossen, Aldi kauft die großen Prachtbauten aus der Insolvenz zum kleinen Preis, und dort entstehen neue Aldi-Filialen mit Finanzzentren für Unternehmer und Immobilienkredite.
Mittlerweile stehen die ehemaligen Sparkassenangestellten Schlange bei der Aldi-Personalabteilung und hoffen auf eine Einstellung entsprechend ihrer Qualifikation. Mit Zahlen können sie umgehen, aber damit haben sie nicht gerechnet. Die Herren der Chefetage werden in den Ruhestand versetzt, denn aufgrund ihres Rufs als "kundenunfreundliche Entscheider" haben sie bei den großen Dienstleistern der Zukunft keine Chance.
Fazit: So und nicht anders wird die Entwicklung auf dem Dienstleistungssektor aussehen. Bald gibt es keine Metzgereien, keine Bäckereien, keinen Einzelhandel, kein Bargeld mehr, und das ist alles von oben so gewollt. Kontrolliert und manipuliert bis ins kleinste Detail. Big brother is watching you.
Gaby Schwall, Lieser