Spendenaktion: 100 Lichter fürs Frauenhaus
Idar-Oberstein · "Die aktuelle Spendenaktion fürs Idar-Obersteiner Frauenhaus hat sich ein schönes Lichter-Motto gegeben. Die Mitarbeiterinnen selbst haben die Aktion ins Leben gerufen.
Idar-Oberstein. Das Frauenhaus in Idar-Oberstein bietet von Gewalt betroffenen und bedrohten Frauen und deren Kindern einen Zufluchtsort, Fachberatung, Unterstützung im Umgang mit Behörden, Hilfe bei der Wohnungsfindung und vieles mehr.
"Durch unterstützende und stärkende Angebote für die betroffenen Kinder leisten wir wertvolle Präventionsarbeit", sind nicht nur die Mitarbeiterinnen und Betroffene, sondern auch viele andere Einrichtungen in der Region überzeugt. Das Frauenhaus wird finanziell unterstützt durch Zuschüsse von Land, Kreis und Stadt. Diese Zuschüsse sind jedoch nicht kostendeckend. "So müssen wir jedes Jahr eigene Mittel in Spendenform beschaffen", erläutert Mitarbeiterin Karla Quint.
Verlust von Vertrauen
In den Räumen der Buchhandlung Schulz-Ebrecht werden alle eingehenden Spenden an einem Tannenbaum sichtbar. Beim Einverständnis zur Veröffentlichung des Namens mit dem Spendenbetrag schreiben die Sponsoren ihren Namen unter "Verwendungszweck" auf den Überweisungsträger. Ohne Namensnennung wird der eingehende Spendenbetrag mit "anonym" gekennzeichnet. Das Frauenhausteam hofft, dass spätestens an Weihnachten mindestens 100 Spendenlichter den Baum schmücken und die wichtige Arbeit im gewohnten Umfang fortgesetzt werden kann. Und dabei kommt dem Umgang mit Kindern eine bedeutende Rolle zu. Karla Quint berichtet: "Frauenhäuser sind auch Kinderhäuser. Kinder, die mit ihren Müttern ins Frauenhaus flüchten, haben psychische und physische Gewalt direkt und indirekt miterlebt. Die instabilen Familienverhältnisse, Unsicherheit, Gewaltausbrüche der Erwachsenen und daraus resultierende Ängste und Schuldgefühle, die Ohnmacht, sich und die Mutter nicht schützen zu können, haben meistens Verhaltensauffälligkeiten zur Folge - einige Kinder sind traumatisiert."
Der Schritt der Mutter, ins Frauenhaus zu gehen, bedeute für die Kinder auch den Verlust ihres vertrauten sozialen Umfeldes. Dies könne für die Kinder sehr schmerzhaft sein. Die Mitarbeiterin erlebt es immer wieder: Kinder bringen ihre eigene Lebensgeschichte mit ins Frauenhaus. Diese ist zwar eng mit der Geschichte ihrer Mutter verbunden, aber nicht identisch mit dieser. Die Kinder haben eine andere, eine eigene Beziehung zum Misshandler. Es ist nicht ihr Partner, sondern ihr (Stief-)Vater, Freund der Mutter oder eine andere nahestehende Person. Betroffene Kinder haben die Gewalt gegen die Mutter miterlebt.
Oft wurden sie als Druckmittel eingesetzt, um die Mutter zu demütigen und einzuschüchtern. Nicht selten wurden Kinder selbst direkte Opfer von körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt. Besonders Mädchen können in einer solchen Familiensituation doppelt belastet sein, weil sie sich als doppelt abhängig erfahren: zum einen als von den Eltern abhängiges Kind und zum anderen durch die Identifizierung mit der abhängigen, scheinbar hilflosen Mutter. Jungen können eher unter Loyalitätskonflikten leiden, wenn sie sich mit dem gewalttätigen Vater identifizieren und sich verantwortlich für die Mutter fühlen.
Es gelte daher, intensive und fachlich kompetente Begleitung und Unterstützung für die individuellen Belange der Mütter und Kinder anzubieten. vm
Spendenkonto: Kreissparkasse Birkenfeld BLZ 562 500 30, Kontonummer 260 50, Stichwort: "Lichter Frauenhaus"; Infos unter Telefon 06781/1522 (Frauenhaus)