Spezialisten im Urwald

BERNKASTEL-KUES. Die Appelle haben gefruchtet. Die Drieschenverordnung wird mit Hochdruck umgesetzt. Dabei tun sich besonders die Mitarbeiter des DRK-Sozialwerks hervor.

Wenn Weinberge über Jahre hinweg brach liegen, entstehen fast schon Verhältnisse, die an einen Urwald erinnern. Um dort noch durchzukommen, ist erheblicher Kraftaufwand notwendig. Sich überhaupt in dieses Gewirr aus Gestrüpp, Dornen, Büschen und kleinen Bäumen hineinzuwagen, erfordert schon Mut. Und wenn die Temperaturen dann noch sommerliche Werte annehmen und so manches Insekt zum Flug animiert wird, wird die Tortur noch größer. In vielen brach liegenden Weinbergen kann ein Pistenbully die Rodung übernehmen. Doch es gibt auch viele schwer zugängliche Geländeabschnitte, wo gute Wege fehlen und auch Wendemöglichkeiten nicht gegeben sind. Dort wird per Hand gerodet. Und dann kommen oft die Spezialisten - so muss man sie mittlerweile nennen - des Cusanus-Hofgutes (DRK-Sozialwerk). 480 Menschen mit Behinderungen arbeiten auf dem Kueser Plateau in verschiedensten Bereichen - unter anderem in den Abteilungen "Landschaftspflege" und "Weinbau". Die einen pflegen zum Beispiel Gärten und Anlagen, die anderen bearbeiten die Weinberge des Hofguts. Zurzeit sind Mitarbeiter beider Abteilungen aber dabei, Brachen zu roden - und zwar mit Hochdruck. Oberhalb von Kloster Machern, wo bereits 2004 großflächig gerodet wurde, werden vier Hektar schwieriges Gelände bearbeitet. In Wolf nehmen sich Mitarbeiter weiterer 15 Hektar an. 20 Hektar sind in diesem Jahr bereits gerodet worden. Die Mitarbeiter sind stolz auf ihr Werk

Sie entfernen Drähte, Stöcke, Reben und die übrigen Gewächse, die sich im Laufe der Jahre breit gemacht haben. Der Draht wird aufgerollt und an Schrotthändler verkauft. Die Pfähle samt Teerspitzen werden entsorgt, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Für die Arbeit mit einem Bully gibt es eine Verfügung, die es erlaubt, die Teerspitzen unterzumulchen. Die Arbeit per Hand ist eine schwierige Aufgabe, aber eine die die Leute wachsen lässt. "Die sind richtig stolz", sagt Volker Emmrich, Leiter des Cusanus-Hofguts. Natürlich ist eine besondere Fürsorgepflicht notwendig. Die Mitarbeiter arbeiten keine acht Stunden am Tag und haben auch längere Pausen. Wer absolut keine Lust hat, sich in den "Urwald" zu begeben, muss dies auch nicht tun. "Wichtig ist, dass es bei der Arbeit Abwechslung gibt", betont Emmrich. Die normale Weinbergsarbeit oder Landschaftspflege biete diese Abwechslung.