Spielen statt schlagen

SALMTAL. Eine wahre Wunderkiste ist sie: die Spielekiste der Sportjugend, die jede der teilnehmenden Schulen erhält. Um die darin enthaltenen Geräte nutzen zu können und damit die Mitschüler zu mehr Bewegung und weniger Gewalt zu animieren, machen zurzeit Jugendliche aus sechs Schulen der Region eine Ausbildung zum Schülerassistenten.

Neugierigscharen sich die Schüler in der Turnhalle um die große Holzkiste.Mit Softfrisbeescheiben, Federballspielen, Tischtennisschlägern,Hockeyschlägern, Kreiseln, Basketbällen, aber auch bunten Tüchernoder Jonglierbällen tut sich ein riesiges Angebot anBeschäftigungsmöglichkeiten auf. "Aggressionen sollten inpositive Energie umgewandelt werden", erklärt Christof Palm vonder Sportjugend Rheinland-Pfalz, der die große Kiste mitgebrachthat. Doch bis die Schüler, die von sechs verschiedenen Schulender Region Trier kommen, die Kiste mitnehmen dürfen, müssen sieerst an drei Wochenenden eine Ausbildung zum Schülerassistentenabsolvieren. Seit sieben Jahren werden diese Ausbildungen, die als Ziel vor allem die Gewaltprävention an Schulen haben, von der Sportjugend Rheinland-Pfalz angeboten. Insgesamt 32 Lehrgänge konnten bisher stattfinden.

Voraussetzung: Jung und sportlich

Mit gutem Erfolg, wie auch Matthias Richter, Rektor der Schule, bestätigt. Er hatte schon in Idenheim, wo er zuvor als Rektor tätig war, die Ausbildung machen lassen. "Meine Erfahrungen sind positiv", erzählt er. Vieles von dem Gelernten sei von den Schülern auch umgesetzt worden. Viele Spiele seien plötzlich wochenlang gespielt worden. Auch bei Schulfesten liefen die Schülerassistenten zu Hochform auf. Die Jugendlichen sind verantwortlich für die Kiste, beschreibt er eines der pädagogischen Ziele des Projektes. Die ausgebildeten Assistenten haben nicht nur die Aufgabe die Geräte zu verwalten, sondern zeigen den anderen Schülern auch welche Möglichkeiten sich damit bieten. Dass das teilweise noch gelernt werden müsse und nicht immer ganz reibungslos klappt, hält Richter für ganz natürlich. Ausgewählt als Schülerassistenten werden vor allem sportliche Mädchen und Jungen. Wünschenswert ist es auch, dass die Teilnehmer noch so jung sind, dass sie noch einige Jahre an der Schule das Gelernte umsetzen können. Am Ende der Ausbildung erhält jeder einen Ausweis mit Bild. "Für viele ist es der erste Ausweis", erzählt Richter, entsprechend stolz seien viele Schülerassistenten.

"Die Nachfrage ist groß", meint Christof Palm. Mehr als fünf Ausbildungen pro Jahr mit jeweils sechs Schulen seien aber nicht finanzierbar, schon allein wegen der Kosten für die Spielekiste. Die massive Holzkiste mit den hochwertigen Spielgeräten koste ungefähr 900 Euro. Froh ist man bei der Sportjugend deshalb auch, dass man mit der AOK einen Sponsor gefunden hat. Mittlerweile gibt es auch beeindruckende Zahlen. Bei einer Befragung von 210 Schulen, die an dem Projekt teilgenommen haben, bestätigten 56 Prozent, dass es weniger Gewalt und weniger Aggressionen gebe.

Positive Erfahrungen hat auch Joachim Gehlen, von der Regionalen Schule in Manderscheid, die bereits zum zweiten Mal Jugendliche zu Schülerassistenen ausbilden lässt, gemacht. "Die Schüler sind sehr engagiert bei der Sache". Vor allem die jüngeren seien begeistert dabei. Jeden Tag seien es drei oder vier Leute, die das Pausenangebot betreuen. Es entstehe seitdem weniger Stress und weniger Streit auf dem Schulhof.

Mittlerweile sind die Schüler schon fleißig im Training. Spielerische Übungen vom Aufwärmen bis zum Cool-down stehen heute auf dem Programm. Später erfahren sie noch etwas über Fair-Play und Spielmöglichkeiten mit der Spielekiste. Auch das Programm der anderen Veranstaltungstage hört sich interessant an. Abenteuer- und Erlebnissport, Einführung in das Inline-Skaten, American Sports, HipHop und Street Dance gehören zu den praktischen Ausbildungsteilen. Rechte und Pflichten der Aufsicht, Sport mit behinderten Kindern sind weitere Inhalte. "Die Pausen sind nicht so langweilig", erhoffen sich Florian und Anne von ihrer Ausbildung in Salmtal. Außerdem könne man das Gelernte sicher auch in den Sportunterricht integrieren. Steffi, Sarah und Katharina vom Angela Merici-Gymnasium in Trier wollen ebenfalls künftig die Pausen interessanter gestalten. "Es macht Spaß", sind sie sich einig. Steffi möchte das Gelernte auch in ihrem Sportverein umsetzen. Bei den Gymnasiastinnen ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gelernte zum Einsatz kommt groß. Jeden Tag biete man für die Schüler, die über Mittag bleiben, ein lockeres Sportangebot, erzählt Lehrerin Sylvia Engeroff-Kaiser. Hier könne man auch die Spielekiste einsetzen.

Zwei Jungen haben bei der Ausbildung auch praktische Vorteile im Sinn. Sie erhoffen sich bessere Chancen bei Bewerbungen nach der Schule und bessere Sportnoten. Den Abschluss des Lehrganges bildet der Bau und das Beklettern einer horizontalen Kletterwand. Die Schüler der Regionalen Schule Salmtal können sich freuen, sie dürfen die Kletterwand danach behalten und täglich nutzen.