Spontan und ohne Entwurf

WITTLICH. (peg) Für ihn ist die leere Leinwand eine Aktionsfläche, die er ganz spontan und ohne einengenden Vorentwurf mit Farben füllt. Dieter Raunens bevorzugte Stilrichtung ist der Tachismus, seine Technik Acryl auf Leinwand.

Raunens Technik gehört zu den nur in Fachkreisen bekannten. Landrätin Beate Läsch-Weber hatte sich im Vorfeld schlau gemacht, um den in der Hauptsache Kunst-Laien bei der Vernissage im Foyer der Kreisverwaltung die Stilrichtung von Dieter Raunen zu erklären: Der Tachismus zeichnet sich dadurch aus, dass der Künstler spontan und emotional ans Werk geht. Keine Zeichnung, kein Konzept schränkt die Pinselführung des Malers ein. Auf diese Weise wird die leere Leinwand zu einer Aktionsfläche, auf der er seine Gefühle, Stimmungen und Gedanken wiedergibt. Daneben malt Raunen auch im Stil des abstrakten Expressionismus. Der Hintergrund der bis zum 16. September dauernden Ausstellung hat mit dem europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung zu tun. Seit geraumer Zeit nimmt Raunen an einem Therapie-Angebot im Leistner-Haus teil, dem gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrum in Bernkastel-Kues. Als einige Mitarbeiterinnen des Fachbereichs "Gemeindenahe Psychiatrie" dieses Haus besuchten, fielen ihnen die Bilder auf, die die Wände der Einrichtung schmückten: Raunens Bilder. Die Idee einer Ausstellung in der Reihe "Kultur im Kreishaus" war geboren. Der experimentierfreudige Maler, der nach einer schweren Lebenskrise inzwischen zusehends wieder Boden unter den Füßen hat, kann heute an die Erfolge und Erfahrungen von besseren Zeiten anknüpfen. "Dieter Raunen ist ein Profi", hatte die Landrätin Beate Läsch-Weber in ihrer Einführung angekündigt. Über drei Jahrzehnte hatte er als Kunstpädagoge in einem Gymnasium gearbeitet. Der Leiter des Fachbereichs "Gemeindenahe Psychiatrie", Psychiater Dr. Günter Beyer, sprach in seiner Einführung speziell über eines der Bilder, das ihn persönlich am meisten ansprach. Es ist nach einem Urlaub in der Bretagne entstanden. Die stimmungsvolle Wiedergabe der regungslos am Strand liegenden Boote bei Ebbe zeuge von der starken Sensibilität, die dem Maler innewohne. "In der Therapie eingesetzt, hilft das Malen dabei, die Balance von Aktivität und Inaktivität wieder herzustellen." Die musikalische Umrahmung der Eröffnung hatte Florian Weißer, ein Schüler der Kreismusikschule, übernommen, dessen gefühlvolles Gitarrenspiel auf eine große Zukunft hoffen lässt.