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Spritzhubschrauber stürzt in Weinberg

Spritzhubschrauber stürzt in Weinberg

Zwischen Zeltingen-Rachtig und Graach ist gestern Morgen ein Spritzhubschrauber aus etwa zehn Metern Höhe abgestürzt. Dabei wurde der Pilot schwer verletzt. Ein mitfliegender Winzer erlitt mittelschwere Verletzungen. Die Unfallursache ist noch unklar.

Zeltingen-Rachtig/Wehlen. Laura Büch aus Wehlen beobachtet gestern Morgen kurz nach halb zehn aus dem Fenster ihres Schlafzimmers, wie ein Hubschrauber auf der gegenüberliegenden Moselseite in der Lage Wehlener Sonnenuhr die Weinberge spritzt. Plötzlich hört sie einen lauten Knall und sieht eine kleine Rauchsäule aufsteigen. "Oh Gott, der ist ja abgestürzt", schießt es ihr durch den Kopf. Die junge Frau eilt mit einer Freundin über die Wehlener Brücke bis zum Brückenkopf. 200 Meter flussaufwärts Richtung Graach, etwa 70 Meter oberhalb der Bundesstraße, liegt der Hubschrauber mitten in den Weinbergen. Er ist ein Trümmerhaufen. Das rund 400 000 Euro teure Spezial-Fluggerät ist völlig zerstört.
Vorbeifahrende Radfahrer und Winzer, die in den Weinbergen arbeiten, retten die beiden Verletzten und leisten Erste Hilfe. Minuten später treffen Notarzt, Polizei und Helfer der Feuerwehren aus Kues, Zeltingen-Rachtig und Wehlen ein. Der Pilot, ein 50-jähriger Mann aus Neustadt/Weinstraße, und ein mitfliegender 30 Jahre alter Bernkasteler Winzer sind ansprechbar und werden vor Ort ärztlich versorgt und in Kliniken gebracht. Der Pilot ist nach Angaben der Polizei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Der Winzer erleidet leichtere Verletzungen. Vorsorglich hat der Wehrleiter der VG Bernkastel-Kues, Thomas Edringer, das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Zeltingen-Rachtig angefordert. Wehrleute legen ein Schaumrohr bis zur Absturzstelle, um eingreifen zu können, falls sich auslaufender Sprit entzünden sollte.
Der abgestürzte Hubschrauber gehört zum Unternehmen DHD Heliservice. Mitarbeiter Matthias Nathe, der als Flughelfer beim Befüllen der Spritzhubschrauber Dienst leistet, sagt auf Anfrage des TV, der Pilot sei sehr erfahren gewesen und habe sicherlich schon über 5000 Flugstunden hinter sich. Der Unfallflug sei an diesem Morgen der letzte Einsatz in der Wehlener Sonnenuhr gewesen. Dass ein Passagier mitfliege, um den Piloten mit der Örtlichkeit vertraut zu machen, sei erlaubt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung Braunschweig schickte gestern einen Sachverständigen zum Unfallort. Auch die Staatsanwaltschaft Trier hat die Ermittlungen aufgenommen und wird ein zusätzliches Gutachten einholen. Zu klären ist, ob der Unfall durch menschliches oder technisches Versagen verursacht wurde. Hochspannungsleitungen befinden sich nicht rund um die Absturzstelle. Augenzeugen zufolge habe der Motor des Helikopters kurz vor dem Absturz an Leistung verloren.
Das Unternehmen DHD Heliservice hat an der Mosel fünf, in Luxemburg einen und an der Ahr ebenfalls einen Spritzhubschrauber im Einsatz.
Vor einem Jahr war in Lieser an der Mosel ein Spritzhubschrauber der gleichen Firma abgestürzt. Dabei war der 26-jährige Pilot ums Leben gekommen. Damals war der Pilot in die Hochspannungsleitungen geraten (siehe Extra).Extra

Mai 2013: Ein Pilot bleibt mit seiner Maschine bei Pünderich an einer Hochspannungsleitung hängen. Er kann auf einem Sportplatz in der Nähe notlanden und bleibt unverletzt. Juni 2012: Ein 26-jähriger Pilot stürzt mit seinem Spritzhubschrauber in einem Weinberg in der Lage Paulinsberg in Lieser ab und fliegt in zwei Hochspannungsleitungen. Er stirbt noch an der Unfallstelle. Mai 2012: Ein Spritzhubschrauber bleibt am Moselkraftwerk Detzem an einer Starkstromleitung hängen. Der Pilot kann die Maschine sicher landen. Mai 2005: Zweimal innerhalb einer Woche kommt ein Spritzhubschrauber in der Gemarkung Bernkastel mit einer Stromleitung in Berührung - mit dem selben Piloten an Bord und fast an der gleichen Stelle. Der Pilot kann den Helikopter in beiden Fällen sicher landen. Mai 2001: Ein Spritzhubschrauber stürzt bei Graach in einen Weinberg. Der 57-jährige Pilot wird leicht verletzt. sim