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Sprudelwasser bekommt die Note "6"

Sprudelwasser bekommt die Note "6"

Die Zeitschrift Öko-Test bewertet 73 deutsche Mineralwasser. Darunter auch der Schwollener, das die Note "ungenügend" bekommt. Das Unternehmen kritisiert den Test und wehrt sich.

Schwollen. Eine Mischung aus Ungläubigkeit und Entsetzen herrscht seit Tagen in der Firmenzentrale von Schwollener Sprudel. Die Zeitschrift Öko-Test hatte natürliche Mineralwässer aus ganz Deutschland getestet und ein Produkt der GmbH mit "ungenügend" bewertet. "Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen", sagt Firmenchef Hans-Walter Frühauf: "Wir erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben für natürliche Mineralwässer, liegen bei allen Grenzwerten deutlich unter den lebensmittelrechtlichen Richtlinien und sind gerade frisch qualitätszertifiziert - und das mit der Bestnote."
Woher rührt dann diese Schlechtestbewertung der Frankfurter Tester? Ein Hauptaugenmerk lag auf Abbauprodukten von Pestiziden und gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen, die auf natürliche Weise ins Wasser gelangen. Wie schon vor zwei Jahren beim Nachbarn "Hochwald-Sprudel" wurden sogenannte "nicht relevante Metaboliten" gefunden. Das sind Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, die Landwirte nutzen. Diese stellen keinerlei gesundheitliche Risiken dar (deshalb auch der Begriff "nicht relevant") und haben keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt - mit ihnen lässt sich nur nachweisen, dass da mal ein Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde. Die Messwerte liegen zudem im Bereich von 0,01 Mikrogramm pro Liter. Der bei Schwollener Sprudel festgestellte Wert von 0,09 Millionstel Gramm ist so niedrig, dass er erst seit ein paar Jahren dank verbesserter Analysemethoden überhaupt nachgewiesen werden kann.
Ähnlich verhält es sich beim von Öko-Test monierten Nickelgehalt von mehr als 10 Mikrogramm pro Liter. "Das ist das natürliche Vorkommen im Quellwasser", sagt dazu Hans-Walter Frühauf. Der Wert schwankt von Quelle zu Quelle, liegt aber immer unterhalb des gesetzlich festgelegten Grenzwerts von 20 mg/l. Öko-Test hat die geltenden Orientierungswerte für Pflanzenschutzmittel auf deren wirkungslose und gesundheitlich unbedenklichen Abbauprodukte übertragen - und das ist unzulässig", ärgert sich Schwollener-Chef Frühauf.
Die Testmethoden von Öko-Test stehen nicht zum ersten Mal in der Kritik. Die Zeitschrift selbst spricht von Hunderten von Klagen, von denen allerdings fast alle gewonnen wurden. Kritiker werfen dem "Stiftung Warentest"-Mitbewerber bisweilen Wildwestmethoden vor, um stets ein Ranking und damit ein Schlusslicht für die Schlagzeile zu bekommen, auch wenn die eigentlichen Testergebnisse dicht beieinander liegen.
Dass das im ganzen Hunsrück-Nahe-Raum beliebte Schwollener Wasser sogar die Schulnote "6" erhalten hat, liegt schlicht an der Tatsache, dass Öko-Test für die Untersuchung wahllos 73 deutsche Mineralwasser in PET- und Glasflaschen untersucht hat. Bei Schwollener Sprudel wurde zur Plastikflasche gegriffen, was bei den selbst ausgedachten Spielregeln von "Ökotest" bedeutet, dass die Endnote um zwei Schulnoten abgestuft wird. Hätte man eine Glasflasche untersucht, hätte Schwollener eine "4/Ausreichend" bekommen - auch nicht schön, aber sicher nicht so geschäftsschädigend wie eine "6".