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Spurensuche in der Heimat-Geschichte

Spurensuche in der Heimat-Geschichte

Die Geschichte seiner Heimat und die der Menschen lässt Josef Schemer nicht mehr los. Seine erste Chronik hat der aus Haag stammende pensionierte Piesporter Schulleiter vor mehr als 20 Jahren geschrieben.

Piesport. (urs) Bücher begleiten Josef Schemer sein ganzes Leben. Nicht nur, dass er in 40 Jahren Schuldienst viele mit seinen Schülern studiert hat. Als begeisterter Chronist hat er selbst etliche Werke und Schriften verfasst. Daher vertieft sich der pensionierte Piesporter Grundschulrektor nach wie vor in dicke Wälzer und handschriftliche Aufzeichnungen. Ständig ist er auf der Suche nach den "historischen Wurzeln" überlieferter Geschichten. Irgendwann habe ihn der Ehrgeiz gepackt, zu ergründen, "was ist geschichtlich greifbar und was im Lauf der Zeit dazu gekommen". Daher weiß er auch, warum das Piesporter Haus Lobüscher bis heute "das Kloster" genannt wird. Dort sei nämlich nie ein Kloster gewesen. Allerdings hatten die Ursulinen den Wirtschafshof geerbt, wie in Schemers Schrift "Herrschaftliches Hofhaus" über den ehemaligen Hof der Vögte von Hunolstein zu lesen ist. Legenden, Sagen und Geschichten von der Mosel

Im "Gebäude- und Kulturführer", den er im Auftrag der Gemeinde verfasst hat, gibt es auch über andere Piesporter Anwesen Wissenswertes zu entdecken. Obendrein hat Josef Schemer sich mit der "Schule in Niederemmel -Pies port" beschäftigt und mit Begeisterung "Legenden, Sagen und Geschichten von der Mosel" niedergeschrieben.Einen Namen über seinen Wohnort hinaus hat er sich aber vor allem mit den von ihm verfassten Chroniken gemacht. Angefangen hatte alles mit der 1985 erschienenen Chronik über Haag, seinen Geburtsort. Nur zwei Jahre später erschien nach jahrelangen Recherchen sein "Weinort Piesport". "Ich hatte so ein Faible, auf Spurensuche in den beiden Dörfern zu gehen", meint er dazu. Später vollendete er die Chronik von Bischofsdhron und widmete sich der 2004 erschienenen Chronik von Horath. Ebenfalls noch relativ jung ist seine Dokumentation über die "Jüdische Gemeinde in Niederemmel". Schon während seiner Zeit als Lehrer habe er sich dafür interessiert. Die in zwei Jahrzehnten gesammelten Fakten habe er nun zusammengestellt, wünscht er sich, dass den Überlegungen der Gemeinde, an der ehemaligen Synagoge am Römerbrunnen eine Gedenktafel anzubringen, Taten folgen. Aktuell arbeitet Schemer an einem Heimatbuch für Haag. In diesem will er die Menschen in den Mittelpunkt rücken, Persönlichkeiten des Dorfes und deren Leistungen ins Gedächtnis rufen. Angeregt dazu habe ihn die 600-Jahr-Feier in Haag vor elf Jahren: "Diese Tage waren für mich grandios — die Gestaltungskraft der Haager hat mich sehr beeindruckt."Im Verlauf dieser Recherchen ist Schemer auch einem aus Niederemmel stammenden Ur-Ur-Großvater auf die Spur gekommen. Nikolaus Franzen war im frühen 19. Jahrhundert Lehrer in Haag. "Da fühlt man sich in beiden Gemeinden verwurzelt", kommentiert der Enkel. Außerdem sei er selbst "mit Leib und Seele Lehrer" gewesen, spricht Schemer von einer sehr schönen Zeit und einem erfüllten Beruf. Dabei ging es in Piesport nicht etwa immer nur beschaulich zu. Als 1969 die Grund- und Hauptschulen gebildet wurden, habe es im Dorf sogar einen Schulstreik gegeben. Wochenlang schickten Eltern ihre Kindern damals nicht zur Schule. Damit protestierten sie dagegen, dass Hauptschüler fortan nach Neumagen zum Unterricht mussten statt in die erst 1963 gebaute Piesporter Dorfschule. Doch das ist längst Geschichte.Trotz der vielen Zeit, die Schemer seinem Hobby widmet, achtet der dreifache Vater und Großvater sehr darauf, dass die Freizeit nicht zu kurz kommt. Für seine Skatbrüder nimmt er sich daher immer regelmäßig Zeit, und zusammen mit seiner Frau — einem "Haager Mädchen" — hält er sich fit in einer Wandergruppe: Josef Schemer: "Die Familie, die Freundschaft und die Heimat sind mir heilig."