Spurensuche unter Zeitdruck

Straßenbau kann für Archäologen Fluch und Segen zugleich sein. Im Archäologiepark Belginum in Morbach-Wederath sind derzeit Wissenschaftler auf den Spuren früherer römischer Siedlungen unterwegs. Finanziert wird das Projekt vom Landesbetrieb Mobilität (LBM). Es bietet Chancen, ist aber gleichzeitig die letzte Gelegenheit, hier Funde zu machen.

Morbach-Wederath. Es wird emsig gegraben in der Nähe des Belginum in Morbach-Wederath. Und die Funde übertreffen schon jetzt alle Erwartungen. Entdeckt werden Münzen, römische Nägel, Keramik, Pfostenlöcher und Fundamente. Alles Spuren von Römern und Kelten, die hier gelebt haben.Seit rund zwei Monaten sind wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Trier und des Belginum in Wederath sowie Freiwillige dabei, das Gelände zu untersuchen, wo beim Bau der B 50 neu bald ein Kreisel im Kreuzungsbereich der B 327 und der B 50 entstehen soll.Die archäologischen Mitarbeiter stehen unter Zeitdruck. Bis Ende Oktober müssen sie fertig sein, denn dann wird gebaut. Finanziert wird die Forschungsarbeit vom Landesbetrieb Mobilität im Auftrag der archäologischen Denkmalpflege in Trier.Dr. Rosemarie Cordie, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Trier und Leiterin des Archäologieparks, sieht die Arbeiten mit eineinhalb weinendem und mit einem halben lachenden Auge. Denn einerseits wird so eine wichtige Forschungsarbeit ermöglicht. Andererseits werden die historisch so bedeutenden Flächen nach Abschluss der Forschungen versiegelt und gehen der Wissenschaft damit verloren.Die bisherigen Ergebnisse nennt Cordie allerdings "fantastisch". "Damit sind wir ganz weit vorne", schätzt sie die Bedeutung der ehemaligen keltischen und römischen Siedlung im Hunsrück ein. Die Wissenschaftler gehen derzeit aufgrund der Grabungsergebnisse von mindestens drei Tempeln aus. Erstmals fanden die Archäologen in diesem Tempelbezirk Reste von Holzbebauung. Dies lässt darauf schließen, dass die Römer ihre in Stein errichteten Kultstätten auf keltischen Vorläufern gebaut haben.Unter den Helfern sind viele Freiwillige. Zum Beispiel Menschen aus den Niederlanden, die hier ihren Urlaub verbringen und damit etwas Nützliches tun möchten. Ende Juli erwartet Cordie auch noch Studenten, die mit Beginn der Semesterferien Zeit für die Grabungen haben.Wenn auch Freiwillige dringend gesucht werden, um das große Arbeitspensum zu erfüllen, genommen wird dennoch nicht jeder. "Wir schauen uns die Leute genau an", sagt Cordie. Wichtig dabei ist vor allem, dass sie sich in die Gemeinschaft einpassen können.Auch, wenn unermüdlich bis Ende Oktober gegraben wird: Die meiste Arbeit kommt auf die Archäologen erst danach zu. Dann muss alles gesichtet, beurteilt, publiziert und für eine Ausstellung vorbereitet werden.belginum.deExtra

Der Archäologiepark Belginum bei Wederath ist ein archäologisches Museum und Freilichtmuseum in der Nähe der Hunsrückhöhenstraße. Er hat die römische Siedlung (Vicus) Belginum im Hunsrück zum Thema. Das Museum zeigt Grabfunde, das Alltagsleben der römischen Bevölkerung und erläutert die Arbeit von Archäologen. Ferner finden dort wechselnde Ausstellungen statt - zurzeit die Sonderausstellung Via Ausonia 213 bis 2013. Der Archäologiepark Belginum wurde 2002 gegründet. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurden regelmäßig archäologische Funde bekannt. Der etwa 1000 Meter lange Rundwanderweg führt an einem Gräberfeld, der ehemaligen römischen Siedlung, dem Militärlager und einem Brunnen vorbei. Alle Stationen sind mit informativen Schautafeln erklärt. Öffnungszeiten: Vom 1. April bis 2. November, 10 bis 17 Uhr, montags außer an Feiertagen geschlossen. sim