St. Urban aus dem Schatten holen

TRIER/BERNKASTEL-KUES. (mü) Der Schutzpatron der Winzer, der heilige Urban, stand im Mittelpunkt des Weinkolloquiums der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer. Begeistert begutachtete Bischof Reinhard Marx die Holzskulptur des Schutzpatrons, die im romanischen Saal des Domkreuzgangs präsentiert wurde.

"Ich habe mir doch gleich gedacht, der sieht mir ähnlich", flachste Bischof Reinhard Marx, als er die Skulptur des Weinheiligen Urban begutachtete. Aus einem Stück Eichenholz anno 1432 hat der Kölner Künstler Günther Obermaier die Figur für den Förderkreis Weinmuseum in Senheim gefertigt. Auf Initiative des Zeremonienmeisters der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer, Dieter Schlagkamp, widmete sich das Weinkolloquium dem Weinheiligen St. Urban. Mehr als 120 Weinschwestern und -brüder hatten den Weg nach Trier in den romanischen Saal des Domkreuzgangs gefunden. Die Förderung um das Wissen über die Kultur und den Wein von Mosel, Saar und Ruwer hat sich die über 300 Mitglieder zählende Bruderschaft auf die Fahne geschrieben. Was der Kilian den Franken ist, der Laurentius am Bodensee oder der Rocchus in Rheinhessen, das stellt der heilige Urban für die Moselaner dar. Vielfach werden die Weinheiligen mit Statuen auf Brückenköpfen oder in Wingertshäuschen geehrt. "An der Mosel aber herrscht noch Nachholbedarf", ist Schlagkamp sicher. Passend dazu wurde ein Wein aus dem Urbanushof Leiwen kredenzt. "Kirche und Wein lagen schon immer nah beieinander. Es ist überliefert, dass Noah, als er aus der Arche kam, erst mal einen Weinberg anlegte. So hatte auch die Klerikergemeinschaft im Mittelalter Weinberge," erläuterte Domdechant Fanz-Josef Gebert, und dass es einen Dispens gab; die Geistlichen wurden von liturgischen Pflichten entbunden. "Die Predigtferien könnten von der Freistellung der Domgeistlichkeit zur Traubenlese stammen", führte er aus. Auch das Ehrenmitglied der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer, Bischof Reinhard Marx, ließ sich gerne in die Geheimnisse der Weinkultur einführen. "Seit 250 nach Christus gibt es einen Bischof in Trier, und es wurde immer Wein getrunken", sagte er. Schlagkamp machte keinen Hehl aus seinen Interessen und bat Gebert und Marx sowie alle Anwesenden: "Tragt das Gehörte weiter, damit der Urban wieder den Stellenwert erhält, den er verdient!" Derzeit habe der Schutzpatron des Weinbergs noch ein Schattendasein: "Der heilige Urban gehört in die Herzen der Winzer." Interessant gestaltete sich das Programm des Weinkolloquiums. Nach einem Vortrag über den heiligen Urban von Karl-Heinz Faas und einer Führung auf den Spuren der Römer durch das Trier Dommuseum hielt der gesellige Part Einzug. Eine von Erwin Engel kommentierte Weinprobe beschloss den Tag.