Stadt kauft Stadthaus

Und jetzt wird das Stadthaus, Sitz der Stadtverwaltung, doch ihr Eigentum: Den Kauf hat der Stadtrat am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen. Für 4,7 Millionen Euro wechselt das Gebäude zum 1. Januar 2014 den Besitzer. Gleichzeitig trennt sich die Stadt von 52 städtischen Mietwohnungen.

Wittlich. Ein "langer Weg voller Irrungen und Wirrungen" sei jetzt in einen wichtigen Beschluss gemündet, sagt Bürgermeiter Joachim Rodenkirch. Am Mittwochmorgen, gleich nachdem am Vorabend die Entscheidung gefallen war, hat er zur Pressekonferenz eingeladen - ins Stadthaus. Das geht ab 1. Januar ins Eigentum der Stadt über. Eine Vernunftentscheidung: "Das Haus ist ein Zweckbau und erfüllt alle Ansprüche, die wir als Verwaltung haben." 4,7 Millionen Euro lässt sich die Stadt das kosten. Von 5000 Quadratmetern beansprucht die Stadt für sich 1921 Quadratmeter - also 38,5 Prozent der Fläche. Dementsprechend beträgt der anteilige Kaufpreis zur Unterbringung der Stadtverwaltung 2,3 Millionen Euro. Seit 1996 war die Stadt Mieter des damaligen Neubaus, bezahlte 290 000 Euro pro Jahr an die Nikolaus-Koch-Stiftung. Elfriede Meurer (CDU) erklärt: "Ja, faktisch bezahlen wir das jetzt zwei Mal." Aber würde die Stadt das Haus nicht kaufen, würde sie ja immer weiter zahlen. Und Rodenkirch sagt: "150 000 Euro an Miete können wir im Jahr erzielen, also ist das doch eine Investition, die sich lohnt." Denn alle bestehenden Mietverträge übernimmt die Stadt, etwa mit dem Netto-Markt, einem Kieferchirurgen oder der Kriminalpolizei. Kleine Veränderungen sind auch angedacht: Im ehemaligen RWE-Kundencenter soll ein Bürgeramt eröffnen. Beigeordneter Rudolf Bollonia sagt: "Unsere Priorität war es, etwas Eigenes zu bauen. Das war nicht möglich. Der Kauf ist eine ganz pragmatische Entscheidung." Der alte Traum vom Rathaus-Neubau ist damit Geschichte. Zeitgleich trennt sich die Stadt von 52 Wohnungen. Die verkauft sie an die Gemeinnützige Baugenossenschaft Wittlich - und schweigt über die Höhe des Kaufpreises. Der durchschnittliche Mietpreis dieser Wohnungen liegt bei 3,30 Euro pro Quadratmeter. Ein Zusammenhang zwischen Stadthauskauf und Wohnungsverkauf bestehe nicht. "Das ist Zufall", sagt Rodenkirch. Die Beweggründe: "Der Immobilienmarkt gehört nicht zu unserem Kerngeschäft." Für die Mieter verändere sich nichts. "Die Mietverträge bleiben bestehen", erklärt Thomas Malburg vom Vorstand der Baugenossenschaft, die sich seit mehr als zehn Jahren sowieso schon um die Verwaltung der Wohnungen gekümmert hat. Sie ist jetzt dazu verpflichtet, die Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 2800 Quadratmetern auch künftig unter sozialen Aspekten zu vermieten. Sie vergrößert mit dem Kauf ihren Bestand auf insgesamt 439 Einheiten. Meinung

Ende gut, alles gutSeit zwei Jahren weiß die Stadt Wittlich offiziell, dass ihre Rathausneubauwünsche unrealistisch sind. Seither sitzt die Verwaltung nicht auf der Straße, sondern im Mietobjekt Stadthaus, das ein Investor nach damaligen Wünschen für die Verwaltung gebaut hat. Damals wurde auch eine äußerst stattliche Miete vereinbart. Im Rückblick kann man sich nur wundern, warum nicht härter seitens der Stadt verhandelt wurde, die aus Vermietersicht ein Top-Mieter ist. Nun sind diese Zahljahre vorbei, im Gegenteil kann die Stadt selbst Mieteinnahmen erzielen. Wovon ein Investor jahrelang profitiert hat, kann für eine Verwaltung nicht schlecht sein. Sicher ist ein schicker Neubau immer schöner - aber nur für den, der es sich leisten kann. s.suennen@volksfreund.de