1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Stadt Wittlich verbannt Langzeitparker vom Kurfürstenplatz

Kostenpflichtiger Inhalt: Wittlich : Stadt Wittlich verbannt Langzeitparker vom Kurfürstenplatz

Auf dem Kurfürstenplatz in Wittlich darf man ab dem Jahreswechsel maximal nur noch für eine Dauer von drei Stunden parken. Berufstätige müssen ausweichen.

Vielen Menschen, die in der Wittlicher Innensadt arbeiten, wird ab dem Jahreswechsel eine Annehmlichkeit fehlen: nahe ihres Arbeitsplatzes auf dem Kurfürstenplatz ganztägig parken zu dürfen. Auf Antrag der FWG-Fraktion hat der Wittlicher Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, die Parkzeitregelung auf dem Kurfürstenplatz zu ändern. Für einen ganzen Tag, eine Woche oder per Monatsticket auf dem Kurfürstenplatz zu parken, wird ab dem 1. Januar 2020 nicht mehr möglich sein. Die maximale Parkdauer wurde auf drei Stunden festgesetzt. „Der Parkplatz wird nach unserer Beobachtung inzwischen ganz überwiegend von Berufstätigen der Ober- und Innenstadt genutzt“, heißt es in der Begründung der FWG-Fraktion. Diese Langzeitparker würden per Tages- oder Monatsticket ihre Fahrzeuge bereits frühmorgens oder vormittags abstellen und erst gegen Feierabend  wieder abfahren. das widerspreche der ursprünglichen Zielsetzung, auf dem Kurfürstenplatz innenstadtnahes Parken für Kunden und Besucher anzubieten. Gleichzeitig sei festzustellen, dass auf nahegelegenen Parkplätzen wie dem Viehmarktplatz oder dem Parkplatz Brautweg tagsüber weitgehend Stellplätze freiblieben.

Mit der Beschränkung der Parkzeit auf dem Kurfürstenplatz sollen Langzeitparker also zweifelsohne von dort verbannt werden. Denn der Kurfürstenplatz ist der am stärksten ausgelastete Parkplatz der Säubrennerstadt. Das hat die jüngst vorgestellte Parkraumstudie (der TV berichtete) wiedermal bestätigt. Von den 249 Stellplätzen sind zwischen 11 und 12 Uhr 240 belegt sind. Den ganzen Tag über gesehen stehen dort 1090 Fahrzeuge. Die Zahl der Langzeitparker hat hier im Vergleich zu 2015 stark zugenommen, die der Kurzzeitparker abgenommen. Der Beschlussvorschlag der FWG-Fraktion fand im Gremium eine absolute Mehrheit – ohne Gegenstimme oder Enthaltung. Vor der Abstimmung erklärten alle Fraktionen ihren Standpunkt:

„Wir reden hier über ein Luxusproblem der westlichen Welt. Das muss ich direkt zu Beginn der Debatte mal loswerden“, sagte Adelheid Wax (Bündnis 90/Die Grünen). Fünf Minuten Fußweg seien für jeden Menschen vor und nach der Arbeit zumutbar und auch gesund, meinte Wax. „Das ist alles im Rahmen des Erträglichen.“ Bürgermeister Joachim Rodenkirch meinte, in den Köpfen der Menschen müsse sich etwas verändern. „Ich habe das Gefühl, dass sich da gerade etwas tut. Die Welt der Zukunft wird nicht mehr vom Auto dominiert sein.“

Joachim Gerke (SPD) gab allerdings zu bedenken, dass die Stadt die Verdrängung der Langzeitparker in den Straßenraum im Auge behalten müsse. „Das ist für die Anwohner wichtig und das dürfen wir nicht hinnehmen.“ Zudem solle man prüfen, ob man den Parkverkehr in der Stadt möglicherweise mit variablen Parkgebühren, die zu gewissen Uhrzeiten variieren, steuern könne. Markus Blasweiler von der FDP erklärte, ein wirklicher Umdenkprozess bei den Parkplatznutzern sei seines Erachtens nach nur bei einem gewissen Leidensdruck zu erwarten. „Solange es genügend Parkplätze gibt, setzt kein Umdenkprozess einsetzen.“ Die CDU-Fraktion finde diesen „Verdrängungsprozess“ sinnvoll und stimme zu, erklärte Jan Salfer (CDU-Fraktionsvorsitzender). Parteikollege Michael Praeder forderte, dass in einer weiteren Parkplatzstudie in den nächsten Jahren alle Parkplätze der Stadt mit einbezogen werden und nicht bloß die der Innenstadt.

Im fußläufigen Bereich des Kurfürstenplatzes gibt es laut Parkraumstudie 840 öffentliche Stellplätze, deren Zahl sich durch den geplanten Bau eines City-Hotels um 111 reduzieren soll. Im Hotel soll eine zweigeschossige Tiefgarage mit 150 privaten Stellplätzen entstehen. Westlich der Lieser, in der Alt- und Oberstadt, also in und um der Innenstadt, gibt es insgesamt 1587 öffentlich zugängliche Parkplätze.