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Stadt Wittlich will Kleingartenanlage an Stadtpark und Lieser kaufen

Archiv 2018 : Stadt Wittlich will die Kleingartenanlage zwischen Stadtpark und Lieser kaufen

Jetzt Schrebergarten, bald Bühne? Die Stadt Wittlich will die Kleingartenanlage zwischen Stadtpark und Lieser kaufen und das Areal umgestalten – zum Missfallen vieler Kleingärtner.

„Es war kurz vor Weihnachten“, sagt die 78-jährige Wittlicherin Elisabeth Roßwinkel, als sie einen Brief der Stadtverwaltung Wittlich aus dem Briefkasten genommen und geöffnet habe. „Nachdem ich ihn gelesen hatte, musste ich mich erst mal hinsetzen und habe geheult“, sagt die Wittlicher Rentnerin. „Da stand drin, dass wir unseren Schrebergarten bis zum Oktober zu räumen haben und uns der Pachtvertrag gekündigt wird.“

Seit 37 Jahren sind Elisabeth Roßwinkel und ihr Mann Hans, der mittlerweile an Demenz erkrankt ist, schon glückliche Pächter in der Schrebergartenanlage, die zwischen dem Parkplatz Rommelsbach, dem Stadtpark und dem neugestalteten Lieserufer liegt.

„Das ist mein Paradies. Sie sollten mal meine Rosen sehen“, sagt die 78-Jährige, die an ihrem Wohnort in der Himmeroder Straße keinen Garten besitzt. Doch die Stadt Wittlich verfolgt dort, wo sich Elisabeth und Hans Roßwinkel mit 16 weiteren Kleingärtnern ihre Paradiese auf Erden geschaffen haben, jetzt andere Pläne. „Die wollen hier alles plattmachen“, sagt Peter Krämer, der Eigentümer eines 210 Quadratmeter großen Schrebergartens ist. „Mich hat vergangene Woche jemand von der Stadt angerufen. Die bieten mir an, meinen Schrebergarten zu kaufen. Aber was nutzt mir das? Ich hänge doch so an meinem Garten“, sagt Krämer. Der Trierische Volksfreund hat die Stadt Wittlich darum gebeten, ihre Pläne für das knapp 7000 Quadratmeter große Areal, auf dem sich 23 Garten-Parzellen befinden, zu erläutern.

Der Plan Schon bei der Entwurfsplanung zur Umgestaltung des Lieserufers, erklärt der Pressesprecher der Stadt Wittlich Rainer Stöckicht, sei man von den Stadtplanern auf die erstrebenswerten Sichtbeziehungen zwischen Stadtpark und Altstadt hingewiesen worden, die durch die Anordnung der Schrebergärten verhindert würden. Stöckicht: „Durch den Wegfall der Gärten würde eine direkte Sichtbeziehung von den Terrassen zum Stadtpark entstehen.“ Darüber hinaus könnte die freiwerdende Fläche für kleinere Konzerte oder andere Veranstaltungen genutzt werden, wobei sich das Publikum auf den neugeschaffenen Terrassen am Lieserufer platzieren könnte.

Die Umgestaltung und Umnutzung der Schrebergärten würde das Stadtbild und die Nutzbarkeit des gesamten Areals zwischen Lieser und Stadtpark für die Allgemeinheit deutlich verbessern, erklärt die Verwaltung. Das Kleingartengebiet zwischen der Lieser und dem Stadtpark „Auf der Rommelsbach“ solle deshalb in Gänze aufgekauft werden. „Wir hoffen daher auf die Kooperationsbereitschaft der Eigentümer der Schrebergärten.“

Differenzen Eigentümer Krämer erklärt allerdings, seine dahingehende Kooperationsbereitschaft, den Garten zu verkaufen, sei allein deshalb schon angekratzt, weil ihm ein Mitarbeiter der Stadt am Telefon gesagt habe: „’Wenn Sie nicht verkaufen wollen, wird es sehr ungemütlich.’“ Das betrachte er als glatte Drohung, sagt Krämer. Die Stadtverwaltung erklärt auf TV-Nachfrage dagegen, solch eine Äußerung sei nie gefallen. Ferner sagt Krämer, er empfinde den ihm von der Stadt angebotenen Kaufpreis von 30 Euro pro Quadratmeter in dieser Lage als „lächerlich“.  Aber was nutze ihm generell das Geld, sagt Krämer, wenn er doch einen Garten brauche. Krämer: „Die meisten hier wollen gar nicht verkaufen.“

Eine Ausgleichsfläche, sagt der Schrebergärtner leicht enttäuscht,  sei ihm von der Stadt auch nicht angeboten worden. „Wenn man mir in der Nähe einen Ersatz anbieten würde, müsste ich darüber nachdenken.“

Und das sogar, obwohl der Garten bereits im Besitz seines Urgroßvaters gewesen sei, sagt Krämer. „Circa seit dem Jahr 1900, dem Gründungsjahr der Kleingartenanlage an der Lieser, sei die Laube dort im Familienbesitz. Wenn Krämer das so möchte, wird sie das auch weiterhin bleiben. Denn für eine Enteignung der Schrebergärtner sei das öffentliche Interesse an einer möglichen Umgestaltung des Lieserufers nicht groß genug, erklärt die Stadtverwaltung. Demnach ist der Erfolg des Vorhabens also von der Verkaufsbereitschaft der Kleingärtner sowie dem Verhandlungsgeschick der Stadt abhängig.

Zeitplan: Die Stadt Wittlich ist derweil Eigentümerin von fünf der insgesamt 23 Parzellen und steht mit den restlichen 18 Eigentümern in Verkaufsverhandlungen. Bis wann die Stadt alle Schrebergärten im Eigentum haben will – vorausgesetzt die Inhaber  verkaufen – dazu gebe es keinen Zeitplan, sagt Stöckicht. Zur Summe, mit welcher die Stadt bei diesem Vorhaben kalkuliert, sagt Stöckicht: „Ein Gesamtbetrag ist abhängig von den Verhandlungsergebnissen und kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden.“

 Elisabeth Roßwinkels Blumenpracht in ihrem Schrebergarten in einem Sommer vergangener Jahre.
Elisabeth Roßwinkels Blumenpracht in ihrem Schrebergarten in einem Sommer vergangener Jahre. Foto: Christian Moeris
 Der Schrebergarten Am Rommelsbach kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Blick vom Rommelsbach über die Lieser.
Der Schrebergarten Am Rommelsbach kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Blick vom Rommelsbach über die Lieser. Foto: privat

Erst wenn alle Flächen im Eigentum der Stadt seien, erklärt Stöckicht, könne der Stadtrat die weitere Planung für das Areal auf den Weg bringen. Dann könnten Planungsvarianten erstellt und schließlich Tatsachen geschaffen werden.