Stadtchef Langer über den Fall Cyberkriminalität in Traben-Trarbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Cyberkriminalität : Stadtbürgermeister Langer: Solche Schlagzeilen braucht Traben-Trarbach nicht

Patrice Langer ist erschüttert über das Ausmaß der kriminellen Machenschaften im ehemaligen Bundeswehramt, über die weltweit berichtet wird.

Stadtbürgermeister Patrice Langer musste in den vergangenen Tagen viele Fragen beantworten. Aber nicht wie üblich, Fragen von Bürgern oder von städtischen Angestellten, die dies oder das wissen wollen, sondern Fragen von Journalisten aus aller Welt. Traben-Trarbach ist rund um den Globus in den Schlagzeilen. Es geht um einen kaum zu glaubenden Kriminalfall mit höchster Brisanz, der sich in einer ehemaligen Bundeswehrliegenschaft in den vergangenen sechs Jahren abgespielt hat (der TV berichtete).

Langer sagt: „Solche Schlagzeilen braucht unsere Stadt nicht.“ Aber gleichzeitig wirkt er auch etwas erleichtert. Denn jetzt besteht Klarheit. Die Gerüchteküche um das ehemalige Amt für Wehrgeophysik, in dem der Niederländer Herman-Johan X. mit einem Dutzend Helfer 200 Server betrieb, auf denen offenbar Kinderpornografie verbreitet, illegal Waffen verkauft und mit gestohlenen Daten gehandelt wurde, brodelte in den vergangenen Jahren immer heftiger. Langer: „Man vermutete dies und jenes, zumal gar nichts nach außen drang und das immer schon eingezäunte und bewachte Gelände nach und nach immer stärker gesichert wurde.“ Dass jetzt in seiner Stadt der deutschlandweit größte Schlag gegen die Cyberkriminalität erfolgte, macht ihn fast sprachlos.

Auch Langer erfuhr während der Sitzung des Verbandsgemeinderates am Abend des 26. September im Enkircher Bürgerhaus von dem massiven Polizeieinsatz. Langer: „Ich dachte zuerst, ich bin in einem falschen Film.“

Hätte die Stadt wissen müssen, was oben passiert? Langer, der erst 2014 das Amt als Stadtbürgermeister übernahm, sagt: „Woher denn? Wir hatten doch kein Mitspracherecht.“

Langer sieht die Hauptschuldigen bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die seit Ende 2012 leer stehende militärische Anlage samt Hochsicherheitsbunker an Herman-Johan X. verkaufte, obwohl damals bekannt war, dass es sich bei ihm um eine höchst dubiose Figur handelte.

Und Langer sieht eine Schuld bei der Bundeswehr, die das Amt aufgab und damit Traben-Trarbach wirtschaftlich erheblich schwächte. Zeitweise arbeiteten über 300 Menschen im Amt für Wehrgeophysik. Langer schätzt, dass seit dem Wegfall der Arbeitsplätze der Stadt jedes Jahr rund 500 000 Euro an Steuereinnahmen fehlen. Deshalb sei man zunächst froh gewesen, als X. andeutete, er werde um die 100 Arbeitsplätze schaffen.

Im vergangenen Jahr war dann ein Punkt erreicht, wo Langer sich gezwungen sah, an das Mainzer Innenministerium zu schreiben. In dem Schreiben hieß es unter anderem: „Die Sicht einschränkenden Erdaufschüttungen um den Zaun und die freilaufenden, zum Teil aggressiven Rottweiler werden von der Bevölkerung als höchst bedenklich gesehen.“ Außerdem wies Langer darauf hin, dass der Bunker nur „minimalistisch“ versorgt werde. Die Dieseltanks für die Notstromaggregate seien fast leer. In Zeiten der Bundeswehr habe es eine 24-stündige Wartungs- und Instandhaltungsgruppe gegeben. Heute mache das der Hausmeister von Herrn X. sozusagen nebenbei. Eine Antwort aus Mainz blieb aus, vermutlich deshalb, weil das Landeskriminalamt längst die Ermittlungen aufgenommen hatte.

Natürlich steht jetzt auch die Frage im Raum, wie es mit der Liegenschaft und dem Hochsicherheitsbunker weitergeht. Oberstaatsanwalt Jörg Angerer von der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz geht davon aus, dass der Ex-Bundeswehr-Bunker in Traben-Trarbach beschlagnahmt wird.

Was dann mit der kompletten Liegenschaft passiert, ist noch völlig ungewiss.

Mehr von Volksfreund