1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Stadtmarketing Wittlich reduziert Kulturangebot

Veranstaltungskalender : Stadtmarketing Wittlich reduziert Kulturangebot

Bislang füllte der Verein Stadtmarketing den Wittlicher Veranstaltungskalender mit vielen Events. Nach dem Tod des Geschäftsführers will man sich auf die wesentlichen Aufgaben eines Gewerbevereins konzentrieren. Die Stadt springt in die Bresche.

Open-Air-Kino, Schlagertage und Streetfood-Markt: Nicht alle Veranstaltungen, die der Verein Stadtmarketing Wittlich in der Vergangenheit stemmte, dienten unmittelbar dazu, den Handel in der Innenstadt anzukurbeln. Neben den verkaufsoffenen Sonntagen und anderen Events wie dem Late-Shine-Shopping stellte der Verein nämlich seit geraumer Zeit auch kulturelle Veranstaltungen auf die Beine. Damit bereicherte der Verein den Veranstaltungskalender der Säubrennerstadt und zeigte ein Engagement, welches weit über das eines gewöhnlichen Gewerbevereins hinausreichte.

Doch ein unerwarteter Schicksalsschlag stellte im vergangenen Jahr  alles auf den Kopf: Mitte Mai verstarb der hauptamtliche Geschäftsführer des Vereins, Karsten Mathar, unerwartet im Alter von 51 Jahren (der TV berichtete). Mathar war als selbstständiger Unternehmer auf Werkvertragsbasis für den Verein Stadtmarketing Wittlich tätig gewesen. Daneben war er auch noch Geschäftsführer der Moseleifel Touristik, die in denselben Räumlichkeiten am Wittlicher Marktplatz untergebracht ist, und für die sich beide Vereine die Miete teilen. „Der Tod des Geschäftsführers hinterlässt tiefe Bestürzung und eine riesige Lücke, die schwer zu schließen sein wird“, hieß es im vergangenen Jahr vom Vereinsvorstand. Der Vorstand, allesamt selbstständige Laden­inhaber, deren Arbeitskraft in ihren Geschäften gebunden sei, könnten ihren verstorbenen Geschäftsführer nicht ersetzen.

Seitdem ist beim Verein Stadtmarketing Wittlich deshalb nichts mehr so, wie es mal war. Denn die Organisation kultureller Veranstaltungen, mit denen der Verein ebenfalls die Attraktivität des Handels- und Gewerbestandortes Stadt Wittlich und Verbandsgemeinde Wittlich-Land zu steigern suchte, lag allein in der Hand des verstorbenen Geschäftsführers.

So sucht man im neuveröffentlichten Veranstaltungskalender für 2020  gewisse Veranstaltungen wie die Wittlicher Schlagertage oder das Open-Air-Kino nun auch vergebens. Und kulturelle Angebote vom Format einer dreitägigen Konzertreihe, zu welcher der Verein Ende Januar im Eventum einlädt, würden künftig wohl der Vergangenheit angehören, sagt die Vorsitzende Claudia Jacoby im TV-Gespräch. Man habe die größtenteils noch von Mathar organisierte Konzertreihe  natürlich nicht absagen wollen. Das kulturelle Angebot, das der Verein von nun an auf die Beine stelle, werde dennoch schmaler ausfallen: „Wir verzichten künftig nicht auf vieles, aber konzentrieren uns jetzt auf die Kernkompetenzen eines Gewerbevereins.“ Der Verein habe das so entschieden. Veranstaltungen würden künftig von den ehrenamtlichen Mitgliedern organisiert und auf die Beine gestellt. Diese Entscheidung sei auch deshalb gefallen, da man die Chance, nochmal einen neuen hauptamtlichen Geschäftsführer mit den Qualitäten von Mathar zu finden, als aussichtslos einschätze. „Wir müssen uns jetzt fragen, was kann der Verein Stadtmarketing leisten.“ Auch wenn die Menge der kulturellen Veranstaltungen etwas ausgedünnt wurde, werde der Veranstaltungskalender jetzt nicht zusammengestrichen, sagt Jacoby. So finden sich im Veranstaltungskalender 2020 auch weiterhin Veranstaltungen wie der Bücherflohmarkt oder das Streetfood-Festival. Die verkaufsoffenen Sonntage wie auch verschiedene Märkte und die Automobilausstellungen werden weiterhin wie gewohnt stattfinden. Jacoby: „Mit dem, was wir auf die Beine stellen, sind wir zufrieden. Aber wir müssen sehen, ob wir das personell weiterhin so gestemmt bekommen.“

Doch um ein kulturell breiteres Angebot aufrechtzuerhalten, sei nun die Unterstützung durch die Stadt Wittlich notwendig, sagt die Vereinsvorsitzende. „Wir müssen schauen, welche Aufgaben die Stadt für uns unternehmen kann. Ist es möglich, die verkaufsoffenen Sonntage mit Musikveranstaltungen noch attraktiver zu gestalten? Was kann die Stadt zur Belebung der Innenstadt beitragen? Es könnte ja auch neue Formate geben“, sagt Jacoby. Für welche Aufgaben und Veranstaltungsformate künftig die Stadt Sorge tragen könnte, dazu habe noch kein Gespräch stattgefunden, sagt Jacoby. Eine Absprache zwischen Verein und Stadtverwaltung sei jedoch ins Auge gefasst.

Stadtverwaltung Aber ist es Aufgabe der Stadt, da nun in die Bresche zu springen? Wie könnte die Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung aussehen? Und ist es da Zufall, dass die Verwaltung zum Jahresbeginn mit Marco Lensdorf im Kulturbüro einen Veranstaltungskaufmann eingestellt hat? Der TV hat nachgefragt. Pressesprecher Rainer Stöckicht antwortet: „Herr Lengsdorf wird einen Teil der Aufgaben übernehmen, die zuvor von Frau Röhr wahrgenommen wurden.“ Dabei handele es sich sowohl um Aufgaben, die im Bereich des Kulturamts anfallen, als auch um die Veranstaltungen, die von der Stiftung Stadt Wittlich initiiert würden. Zur Info: Simone Röhr verließ die Stadtverwaltung und die Stiftung Stadt Wittlich im November 2019, um neue Aufgaben bei der Kreisverwaltung wahrzunehmen (der TV berichtete). Darüber hinaus werde Lengsdorf einen Teil der Aufgaben übernehmen, die bisher Herrn Mathar für den Verein Stadtmarketing  oblagen, sagt Stöckicht. „Hierbei wird es im Wesentlichen um Aufgaben gehen, die mit der Konzeptionierung, Planung und Durchführung einzelner Veranstaltungen im Bereich Stadtmarketing zu tun haben. Um welche Veranstaltungen es sich im Einzelnen handeln wird, ist noch mit dem Verein abzustimmen.“ Möglicherweise könnten auch vollkommen neue Formate entstehen.

Die Schlagertage, die ein Archivbild aus dem Jahr 2017 zeigt, finden in diesem Jahr nicht statt. Foto: Christina Bents (chb)

Wie Stöckicht erklärt, diene die Nachbesetzung der frei gewordenen Stelle im Kulturamt mit einem Veranstaltungskaufmann also teilweise auch der Kompensation der Lücken, die der Tod von Karsten Mathar hinterlassen habe. Stöckicht: „Wir als Verwaltung sehen es als unsere Aufgabe an, den Verein Stadtmarketing bei seinem Bestreben zur Stärkung des Einzelhandles in der Innenstadt nach allen Kräften zu unterstützen.“
Damit ist klar, dass die Stadt Wittlich, die den Verein bislang bereits finanziell unterstützt hat, nun auch mit personellem Einsatz in die Bresche springt.