STADTMARKETING

WITTLICH. Berlin, Paris, Amsterdam – und Wittlich ist immer dabei. Anfang September tauft die Lufthansa einen ihrer Business-Jets auf den Namen der Säubrenner-Stadt. Bisher gibt es in der Region erst eine andere Stadt, der diese Ehre zu Teil wurde: Trier. "Ich habe vor Freude einen Luftsprung gemacht", sagt Wittlichs Bürgermeister Ralf Bußmer, der das Ganze eingefädelt hat.

Wittlich hat's, Wittlich hebt ab und das demnächst auch jenseits der Säubrenner-Zeit. Am 13. September reist eine Delegation Wittlicher mit Bürgermeister Ralf Bußmer nach München, wo die Lufthansa einen ihrer Business-Jets, die quer durch Europa verkehren, auf den Namen Wittlich tauft. Der Canadair CityLine-Jet CRJ-900 wird dann für Stadtmarketing über den Wolken sorgen. Von langer Hand vorbereitet

Von langer Hand hat Wittlichs Stadt-Chef Wittlichs Aufstieg in die Linie Lufthansa vorbereitet. "Schon damals, als ich noch als Polizist für den Bundesgrenzschutz auf dem Flughafen Frankfurt gearbeitet habe, hatte ich viel mit der Lufthansa zu tun", erzählt Bußmer. Ähnlich wie sein Stellvertreter im Kuratorium der Stadt Wittlich, Professor Hermann Simon. Der kommt gebürtig aus Hasborn, arbeitet im Kuratorium mit Bußmer zusammen und hat als Inhaber der Bonner Unternehmensberatung Simon, Kucher und Partner eben auch Kontakte zur Lufthansa. Mit Simon hat Bußmer die Idee mit dem Wittlich-Flieger Anfang des Jahres ausgeheckt. Am 18. Mai schrieb er dann an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa AG, Wolfgang Mayrhuber, und fragte an, ob nicht ein Flugzeug der Lufthansa-Flotte nach der Säubrenner-Stadt benannt werden könnte. "Das dauert Jahre, haben die zunächst geantwortet", sagt Bußmer. Klar, viele Städte können sich diese Art der Werbung gut vorstellen. Doch Wittlich hat Glück: Dank der Kontakte von Bußmer und Simon kam die Sache ins Rollen. "Als ich erfuhr, dass die Lufthansa noch dieses Jahr ein Flugzeug auf den Namen unserer Stadt tauft, habe ich einen Luftsprung gemacht", erzählt Bußmer. Es sei eine große Ehre und hohe Auszeichnung. Der Jet, der für Geschäftsleute in ganz Europa unterwegs ist, ist für Bußmer als Wittlich-Werbung gerade zu ideal. "Ich versuche ja, Wittlich im europäischen Städte-Wettbewerb als 1-A-Standort zu positionieren. Das unterstützt natürlich die Wirtschaftspolitik unseres Stadtrats, wenn nun auch ein Business-Jet Wittlich bekannter macht", findet Bußmer. Schließlich brauchen sich die Säubrenner im bundesdeutschen Vergleich nicht zu verstecken. Mit 860 Arbeitsplätzen pro tausend Einwohner (der TV berichtete) liegt Wittlich weit vorn. "Was Arbeitsplätze pro Einwohner angeht, übertreffen uns nur noch Frankfurt und Wolfsburg", sagt der Stadt-Chef, nicht ohne Stolz. Der Wittlich-Jet sei für den Wirtschaftsstandort imagebildend. "So was wird wahrgenommen", ist Bußmer überzeugt und ergänzt: "Klar darf man das nicht überbewerten, aber es ist in dem großen Puzzle der Standort-Vermarktung und -Entwicklung ein weiterer Baustein." Champagnerflasche gehört in Frauenhände

Bußmer geht davon aus, dass, wenn sein Kompagnon Simon am 22. September die Eröffnungsrede auf der Wittlicher Wirtschaftswoche hält, der Jet schon in aller Munde ist. Schließlich ist Wittlich damit neben Trier die einzige Stadt der Region, die die Lufthansa auch über den Wolken bekannter macht. Für Trier fliegt seit 1997 der Airbus A 319-100 D-AILF. Wenn "die Wittlich" getauft wird, spielt Elfriede Marmann-Kunz die Hauptrolle: Die Stadtrats-Beigeordnete wird die Champagnerflasche gegen den Jet schleudern. "Das müssen immer Frauen machen", weiß der Stadt-Chef, der mit einer mehr als zehnköpfigen Delegation zur Taufe nach München reisen wird. Zeitgleich bekommt am 13. September ein weiterer Jet den Namen Werningerode - eine 35 000-Einwohner-Stadt im Harz. Für die Wittlicher ist in jedem Fall auch Stadtschreiber Detlef Boor mit dabei, damit er sich gleich alles für das Kirmesprotokoll 2007 notieren kann.

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