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Stadtrat und Bürgerinitiative werden sich über neue Größe nicht einig

Vitelliusbad : Stadtrat und Bürgerinitiative werden sich über neue Größe nicht einig

Ein Kompromissangebot: Der Wittlicher Stadtrat hat die Planung für den Neubau des Vitelliusbades abgesegnet und mehr „besonnte Wasserfläche“ eingeplant. Der Bürgerinitiative zum Erhalt des Freibades ist das nicht genug.

Der Wittlicher Stadtrat hat auf seiner öffentlichen Sitzung im Eventum am Dienstagabend die Entwurfsplanung für den Neubau des Vitelliusbades samt Freibad abgesegnet. Mit den vom Gremium bei nur zwei Gegenstimmen sowie einer Enthaltung beschlossenen Plänen in der Tasche will Bürgermeister Joachim Rodenkirch nun beim Innenministerium in Mainz vorsprechen. Es gilt abzukären, ob die Landesregierung und der Rechnungshof die Wittlicher Schwimmbad-Pläne billigen oder den Rotstift ansetzen.

Rodenkirch: „Die werden sich unsere Finanzsituation ganz genau anschauen und fragen, wie leistungsfähig wir sind. Wir gehen da aber optimistisch an den Start.“

Die Ratsmitglieder hoffen und bangen nun also darum, dass die Fördergeber ihrer Argumentation zur Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein neues Kombibad mit Hallen- und Freibad folgen. Rodenkirch: „Das wird Diskussionen geben und sicher nicht einfach werden.“

Um welche Punkte sich die Diskussion zwischen Stadt und Fördergeber drehen könnten, liegen auf der Hand:

Denn mittlerweile wurde das bewegliche  Cabriodach, mit dem sich das Hallenbad innerhalb von sieben Minuten in ein Freiluftbad verwandeln lassen würde, wieder mit in die Planung aufgenommen. Aufgrund von Sparzwängen stand diese Extra-Ausstattung in den letzten Wochen zur Diskussion, denn wie man munkeln hörte, will Mainz dieses verfahrbare Luxusdach nicht mit finanzieren.

Aus der Planung haben die Wittlicher es deshalb aber nicht gestrichen. Für den Fall, dass das Innenministerium weitere Einsparungen fordert, wurde im Rat bereits die Möglichkeit erörtert, einzelne Module wie das mehr als 400 000 Euro teure Cabriodach komplett aus eigener Tasche zu finanzieren.

Auch die angeblich vom Innenministerium geforderte Reduzierung der Wasserfläche im Freibadbereich von 1900 auf 600 Quadratmeter dürfte bei den Gesprächen um Fördergeld noch Zündstoff bieten. Denn die Wittlicher wollen ein neues Freibad mit 900 Quadratmetern Wasserfläche bauen. Wenn das Cabriodach vom Hallenbad geöffnet und die Trennwände zwischen den beiden Bädern beiseite geschoben würden, so wie es geplant ist, käme man sogar auf 1260 Quadratmeter „besonnte Wasserfläche“.

Dabei hat der Wittlicher Stadtrat der Bürgerinitiative zum Erhalt des Wittlicher Freibades noch einen weiteren Kompromissvorschlag unterbreitet: Die Vorentwurfsplanung enthält nicht wie bislang vorgesehen drei 50-Meter-Bahnen im Freibadbereich, sondern vier 50-Meter-Bahnen. Rodenkirch: „Das ist ein Kompromiss. Damit ist den Dauerschwimmern Rechnung getragen.“ In seiner bestehenden Größe bietet das Wittlicher Freibad derzeit acht 50-Meter-Bahnen. Um Kosten zu sparen, wurde dagegen nun das Freibadgebäude in der letzten Phase der Vorplanung radikal reduziert: Von 425 auf 195 Quadratmeter. Die dort ehemals für Gastronomie vorgesehenen Räumlichkeiten entfallen, ebenso die Umkleidekabinen. Dafür gibt es einen „Stellplatz für einen Foodtruck“ und einzelne „Umkleideschnecken“ auf dem Freibadgelände.

Bürgerinitiative Doch der Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt des Freibades kommt der Kompromissvorschlag mit vier 50-Meter-Bahnen und Cabriodach nicht weit genug entgegen. „Das reicht uns nicht“, sagt Jörg Krames, Sprecher der BI. Die Unterschriftensammelaktion und das angestrebte Bürgerbegehren der BI seien darauf ausgerichtet, die gesamte Freibadfläche zu erhalten.

Vier statt drei 50-Meter-Bahnen, sagt Krames, seien kein wirklicher Kompromiss, denn dadurch werde ja die Wasserfläche im Nichtschwimmerbereich verkleinert. Wie Krames sagt, habe die BI die für ein Bürgerbegehren erforderliche Zahl an Unterschriften bereits zusammen. 1141 Unterschriften seien erforderlich. „Wir wollen dem Bürgermeister Ende September rund 1600 Unterschriften vorlegen – konservativ gerechnet“.

Kosten Wie die mit der Vorplanung beauftragten Planer den Ratsmitgliedern vor der Abstimmung erklärten, hätten die allgemeine Baukostensteigerung und die Wiederaufnahme des Cabriodachs in die Planungen die Kosteneinsparungen im Freibadbereich „mehr als wieder aufgefressen“.

Die letzte Kostenkalkulation, die auf April 2019 datiere, sei nicht mehr realistisch. Man liege nun netto nicht mehr bei 19,2, sondern 19,5 Millionen Euro. Inklusive einer Baukostenreserve würde die Umsetzung der nun beschlossenen Vorplanung netto rund 22,1 Millionen Euro kosten. Auf den Neubau des Freibades, so erklären die Ingenieure, würden dabei 5,5 Millionen Euro der Kosten entfallen.