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Stadtrat vertagt Beschluss zum Parkplatz Karrstraße

Stadtrat vertagt Beschluss zum Parkplatz Karrstraße

Es ist 2800 Quadratmeter groß, liegt mitten in der Stadt und wartet auf eine gute Idee, was man am besten damit macht. Bis es so weit ist, bleibt das städtische Grundstück in der Karrstraße ein Parkplatz. Vielleicht hat der Runde Tisch eine gute Idee? Dessen Vorstellung will der Stadtrat jetzt erst kennenlernen, bis er eine Entscheidung trifft.

Wittlich. Wäre Wittlich ein Garten, wäre die Sache so: Man pflanzte all die Jahre hier und da, holzte an manchen Ecken ab, säte ein und erntete. Das kann man machen. Ein harmonisches Gesamtbild gibt das nur, wenn man den berühmten grünen Daumen hat. Ansonsten ist Zufall, ob der eine Baum den anderen nicht in den Schatten stellt, anderswo eine Ecke zuwuchert. Wie bekommt man das in den Griff? Ein Gartenplan, der die Anlage, wie sie dann eben gewachsen ist, betrachtet und dann vorschlägt, was man am besten pflanzt oder auch nicht, kann das leisten. Wer so einen Gartenplan bestellt, gräbt nicht noch schnell ein Beet um und pflanzt es ein.
Das ist vereinfacht gesagt die Situation in Wittlich.
Das städtische Grundstück in der Karrstraße ist eine Art Beet, und deshalb bleibt es erst mal, was es ist: ein provisorischer Parkplatz. So lange, bis der Stadtrat weiß, was dieses Beet im Gesamtzusammenhang des Gartens, also der Stadt, am besten wird. Das sollte er am Donnerstagabend nämlich tun: Laut Beschlussvorschlag war die Idee abzulehnen, eine Art Begegnungsplatz zu gestalten, wie es ein zwei Jahre alter Antrag der Freien Wählergruppe anregt. Das ist vom Tisch. Auf Anregung der SPD wurde das strittige Thema vertagt. Das Argument, man wolle die Bewertung des Runden Tisches abwarten, überzeugte die Mehrheit. Denn der Runde Tisch Stadtentwicklung soll eine Art Gartenplan für die Stadt erstellen, was naturgemäß eine kniffeligere Angelegenheit ist, als eine Grünanlage zu überplanen. Das seit etwa zwei Jahren nicht öffentlich tagende Gremium arbeitet an einer Art "Masterplan Marke Eigenbau" für Wittlichs Zukunft. Denn ein Bebauungs- und Nutzungskonzept soll dem punktuellen Umsetzen von Einzelmaßnahmen ohne Blick auf ein wünschenswertes Gesamtgefüge abhelfen. Seit 2007 will der Stadtrat das: Und er beauftragte ein Frankfurter Büro mit einer "Klärungsphase mit Bürgerbeteiligung zur Erarbeitung eines Masterplans Innenstadt". Im April 2008 gab es einen Bürgerworkshop, im August wurden die Ergebnisse vorgestellt unter dem Slogan: "Wittlich 2030 - Ich gehe gerne in die Innenstadt".
Von dem Slogan hat niemand mehr etwas gehört. Man beschloss, die Sache sozusagen selbst in die Hand zu nehmen, "innerstädtische Ressourcen" zu nutzen, wie es damals hieß. Der Runde Tisch - unter anderem mit Architekten, Verwaltungskräften, Kommunalpolitikern besetzt - entstand. Jetzt braucht der Stadtrat seinen Rat: Der Argumentation von Joachim Gerke, SPD: "Es läuft uns nichts weg, wenn wir den Bericht des Runden Tisches in unsere Überlegungen miteinbeziehen" schloss sich die Ratsmehrheit bei vier Enthaltungen an. Irgendwann wächst vielleicht etwas auf der Freifläche, wie früher. Bürgermeister Joachim Rodenkirch erinnerte: "Wir sind in einem Prozess der Entwicklung, nicht der Entscheidung. Fakt ist, dass der Platz immer bebaut war."
Meinung

Warten auf Ende der Ratlosigkeit
Gut Ding will Weile haben. Leider dauert die Weile in Wittlich schon Jahre. Der Stadtrat muss entscheiden, wo Wittlichs Reise hingehen soll. Bislang haben ihm Investoren mit Ideen das mehr oder weniger abgenommen. Das muss nicht per se schlecht sein, allerdings fehlt dem Rat für diese Einschätzung eine solide Argumentationslinie, eben ein Stadtentwicklungskonzept. Auch das wird kein Allheilmittel sein. Aber das Rezept, das man so lange bestellt hat, soll man endlich abholen und nicht weiter herumdoktern. Die im Moment tatsächlich kluge Entscheidung, noch einmal innezuhalten, sollte eine der letzten dieser Art sein, sonst scheint sie nicht mehr klug, sondern hilflos. s.suennen@volksfreund.de