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Stadtwald Wittlich: Dürre, Käferholz und rote Zahlen

Stadtwald Wittlich : Dürre, Käferholz und rote Zahlen

Der Borkenkäfer vermasselt den Haushaltsplan für den Wittlicher Stadtwald. Im TV-Gespräch erklärt Revierförster Mario Sprünker, wie der Wittlicher Stadtwald der Zukunft aussieht und Eicheln die Kasse klingeln lassen.

Spazieren, Wandern und Radfahren: Für die meisten Wittlicher ist der Stadtwald ein Ort zur Entspannung. Neben diesem Naherholungswert hat der Wald rund um Wittlich durch den Holzeinschlag und Verkauf aber auch eine Bedeutung für die Stadtkasse. In den vergangenen zehn Jahren, so Revierförster Mario Sprünker, habe der Forst im Schnitt rund 50 000 Euro Gewinn abgeworfen. Doch ab dem nächsten Jahr kalkuliert er nicht mehr wie üblich mit einem Gewinn. Für 2021 befürchtet Sprünker ein Minus von mehr als 20 000 Euro und das Minus könnte in den darauffolgenden Jahren möglicherweise noch größer ausfallen. Aber wieso erwirtschaftet der Stadtwald nunmehr plötzlich rote Zahlen?

Dürre „Es ist eine extreme Ausnahmesituation, wie ich sie in fast 25 Berufsjahren noch nicht erlebt habe“, sagt Sprünker, der seit zwölf Jahren für den Wittlicher Stadtwald zuständig ist. Drei Jahre in Folge sei nun wenig Wasser vom Himmel gefallen. „Dabei hatte die Wittlicher Senke immer schon relativ wenig Wasser“. Aber in den Jahren 2018, 2019 und 2020 habe es nicht mehr als 700 Liter pro Quadratmeter im Jahr geregnet und außerdem viel zu selten. „Mehr Wasser , vor allem während der Vegetationsperiode wäre gut gewesen.“ Die Folge der Trockenheit: Schadwald. „Die Fichte braucht im Oberboden kontinuierlich Wasser, ansonsten wird sie krank.“ Trockene Fichten, erklärt Sprünker, könnten kein Harz bilden und sich deswegen nicht gegen den Schädling Borkenkäfer wehren. Auf einer Fläche von drei Hektar habe man in diesem Jahr das „Käferholz“ rausgeholt. „Man muss die befallenen Bäume sofort aus dem Wald und aus dem Revier bringen, um den Befalldruck zu mindern.“ Wenn Bäume braun und abgestorben seien, dann es aber bereits zu spät, um tätig zu werden, dann sei der Käfer schon wieder aus dem Baum raus. Sprünker. „Wir sind dem Käfer nicht hinterhergelaufen, sondern auf Augenhöhe begegnet, indem wir ständig Bäume kontrolliert haben. Wir haben jetzt hoffentlich keine oder nur noch wenige befalleneFichten. Ich bin optimistisch, dass wir es geschafft haben – aber bei 1200 Hektar kenne ich natürlich auch nicht jede Fichte.“

Wenn der Borkenkäfer im Fichtenbestand des Wittlicher Stadtwaldes also nun als ausgemerzt gilt, warum kalkuliert man dann für das nächste Jahr mit einem Minus?

Grund dafür sei der rapide gefallene Marktpreis für Fichtenholz, sagt Sprünker. In Deutschland haben Dürre, Stürme und Borkenkäfer in den vergangenen drei Jahren massive Schäden verursacht. 285 000 Hektar Schadflächen, so erklärt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, müssen wieder aufgeforstet werden.

Sprünker: „Weil in den letzten Jahren so viel Fichte ausgefallen ist und aufgearbeitet werden mussten, ist der Preis zusammengebrochen.“ Vor drei Jahren habe man bei entsprechender Qualität rund 100 Euro pro Festmeter Fichtenholz erzielt, für das aktuell gehandelte Käferholz seien es nur rund 35 Euro, sagt der Revierförster.

Dabei liege der Anteil an Fichtenholz im Wittlicher Stadtwald bloß bei vier Prozent. „Wir haben ein Defizit geplant, weil es strategisch keinen Sinn macht, gesunde Fichten auf einen fallenden Markt zu schmeißen.“ Deshalb werde im nächsten Jahr kaum Fichte eingeschlagen. „Ich halte es auch nicht für sinnvoll jetzt wesentlich mehr Eiche oder Buche einzuschlagen, sondern dann, wenn die Preise gut sind.“

Umbau Im Stadtwald stünden 200 Jahre alte Eichenbestände, erklärt Sprünker, aber ein Teil des Laubwaldes sei noch zu jung, um Geld abzuwerfen. „Wir haben einen hohen Anteil alter Eichenbestände im Stadtwald, aber ein Mehreinschlag alter Eichen ist ökologisch nicht empfehlenswert und kann die ökonomische Lücke, die das Nadelholz verursacht, nicht ausgleichen“

Die Douglasien im Forst und damit Nadelbäume, die dem Klimawandel besser gewachsen sein sollen, seien etwa 90 Jahre alt und brächten bereits etwas Geld ein, sagt Sprünker. In den 20 bis 30 Jahre alten Laubholzbeständen falle noch kein Holz an. Schon seine Vorgänger hätten den Wittlicher Stadtwald wegen der Stürme und aufgrund des Klimawandels umgebaut. „Aber der Umbau wird sicher noch weitere Jahrzehnte dauern, wenn unsere Überlegungen richtig sind. Wir versuchen ein breites Portfolio aufzustellen mit Bäumen, die tief wurzeln, wenig Wasser brauchen und sturmresistent sind.“

Ob seine Bemühungen Erfolg zeitigen wird der 48-jährige Revierförster wie so viele seiner Berufskollegen womöglich nie erfahren.

„Bäume sind langlebige Wesen. Das ist nicht wie auf einem Feld, wo man jedes Jahr sieht, ob man Erfolg hatte.“ Aus Neugier wünscht sich der Förster deshalb, dass er 150 Jahre alt werden könnte. Denn dann könnte er sehen, ob die gepflanzten Bäume zum Schluss auch wirklich so gut gewachsen sind, wie er sich das vorstellt. „Bei einer Klimaerwärmung von mehreren Grad Celsius kann das heute niemand so genau sagen.“

Sollte es im nächsten Jahr aber wieder mehr regnen und damit weniger Fichten dem Borgenkäfer zum Opfer fallen, dann könnte sich der Marktpreis für Fichtenholz unter Umständen sogar schnell wieder erholen. „Abwarten, aber bei fallenden Marktpreisen werfen wir kein wertvolles Holz auf den Markt.“

Stadtwald Wittlich Foto: TV/Mario Sprünker
Stadtwald Wittlich Foto: TV/Mario Sprünker

Eicheln Ein kleines Zubrot verdient man sich derzeit mit dem wertvollen Eichensaatgut aus dafür extra „zugelassenen Beständen“, die sich im Stadtwald finden. In diesem Jahr habe man drei Tonnen Eicheln geerntet, in luftige Säcke gepackt und an Baumschulen verkauft. Diese säen die Eicheln aus dem Wittlicher Stadtwald in nächstem Frühjahr aus, um junge Eichen heranziehen.