Städteduell Wittlich gegen Bitburg: Der ultimative Shopping-Test

Städteduell Wittlich gegen Bitburg: Der ultimative Shopping-Test

Zwei Städte, eine Herausforderung. Der Trierische Volksfreund vergleicht Bitburg und Wittlich in unterschiedlichen Kategorien. Heute geht es ums Einkaufen: um Sortimente, Parkplätze und Verweilmöglichkeiten.

Foto: (m_wil )
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Es liest sich wie die Einkaufsliste für ein Rendezvous: ein Herrenanzug, dazu passende Schuhe, eine Flasche Champagner. Diese Dinge soll das ortsunkundige Redaktionsmitglied Adrian Froschauer in Wittlich und in Bitburg kaufen. Die Vorgabe: keine Internetrecherche und keine Auskünfte von Ortskundigen im Vorhinein.

Wie schneiden die beiden Städte ab, wenn man ohne jede Vorkenntnis shoppen gehen will, inklusive Parkplatzsuche und Kaffeepause? Der TV vergleicht:

Shoppen in Wittlich: Einen Parkplatz suche ich in Wittlich nicht lange. Die Innenstadt ist gespickt mit Parkmöglichkeiten. Vom großen Parkplatz Zentrum ist die Altstadt innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Hier können mehr als 500 Autos kostenlos parken. Wem es nichts ausmacht, ein paar Meter weiter zu gehen, der kann im hinteren Bereich des Parkplatzes sogar zeitlich unbegrenzt das Auto stehen lassen.

Wie steht es in Wittlich um Luxusartikel? Weinhändler und Feinschmeckerläden finde ich schnell, überall Sekt, doch weit und breit keinen Champagner. Ich möchte mich schon geschlagen geben, als ich am Bioladen BioGate vorbeikomme.

Es ist eine reine Verzweiflungstat, doch siehe da: Zwischen vielen Bio-Weinen und -Sekten steht die womöglich einzige Flasche Champagner in der Wittlicher City. 33,99 Euro kosten die 750 herben Milliliter vom Weingut Fleury. Ein Kärtchen verrät, dass der "Carte Rouge" zu einem "feierlichen Sonntagmorgenfrühstück" passt. Wie dem auch sei - es ist ja nicht so, als hätte ich die Wahl.

Eine Odyssee nimmt ihren Lauf: Ich suche einen Anzug in Wittlich. An Kleidungsgeschäften mangelt es nicht. "Mode für sie" ist aber eher nicht, was ich brauche. Die Schneiderin Sabine Kefer vom Modeatelier Grazia am Marktplatz fertigt zwar viele Kleider, aber keine Herrenanzüge mehr. Sie findet: "Wittlich braucht einen richtigen Herrenausstatter." Sie empfiehlt mir Bungert in der Friedrichstraße - zu Fuß nicht gut zu erreichen. Doch bei Charles Vögele am Marktplatz wartet eine kleine, feine Auswahl von Anzügen darauf, anprobiert zu werden. Für mein fiktives Rendezvous möchte ich schick, aber modern und nicht zu steif gekleidet sein. Verkäuferin Monja Sauer empfiehlt einen blauen Anzug, den ich ohne Krawatte tragen kann, und dazu ein gemustertes Hemd. Sie arbeitet bereits seit 15 Jahren für Vögele und schätzt meine Größe auf den ersten Blick richtig ein. Als ich mich im Spiegel bewundere, trage ich ein Sakko für 69,99 Euro, die passende Hose für 39,99 Euro und ein Hemd für 24,99 Euro - alle von der Vögele-Hausmarke.

Natürlich sieht der Anzug ohne die passenden Schuhe nur halb so elegant aus. Doch Schuhe verkauft Vögele am Marktplatz seit einigen Jahren nicht mehr. Nicht weit entfernt finde ich den Schuhpalast.

Hier erklärt man mir, dass die Auswahl an klassischen Herrenschuhen, die zum Anzug passen, eher gering sei. Stattdessen solle ich es beim Schuhhaus Scholtes versuchen, da beide Läden zusammenarbeiten und unterschiedliche Zielgruppen bedienen. Alleine wäre ich nicht darauf gekommen, das Geschäft in der Karrstraße zu suchen, allerdings ist es problemlos zu Fuß erreichbar. Schuhfachverkäuferin Petra Mentges erträgt meine Ahnungslosigkeit geduldig und berät mich zu Farbe und Form: "Momentan sind braune Schuhe zu blauem Anzug in Mode." Diese könne ich bei Bedarf auch zu einer Jeans tragen.

Beratung durch Fachkräfte findet Mentges sehr wichtig: "Es ist ein Unterschied, ob man Schuhe für 50 Euro oder für 200 Euro kauft. Bei Letzteren sollte man sich auf jeden Fall beraten lassen, um nicht so viel Geld umsonst auszugeben." Sie bietet mir ein Paar von Bugatti an, das höher geschnitten ist und darum moderner wirkt als ganz klassische Schuhe, ohne jedoch Eleganz einzubüßen. 89,95 Euro kosten sie.

Natürlich muss jeder Kunde auch mal eine Verschnaufpause einlegen und einen Kaffee trinken. Mit alten Gebäuden, vielen Cafés und hübschen Gässchen lädt die Fußgängerzone zum Verweilen ein. Vor allem der Platz an der Lieser gehört mit Schatten spendenden Bäumen, Brunnen und Kopfsteinpflaster zu den schönsten Flecken. Hier genehmige ich mir im Bistro Carpe Diem einen Kaffee.

Einziges Manko: Der Platz ist schön und sollte nicht direkt an der Straße liegen. Auch wenn Bäume den Blick versperren, hört man doch immer wieder Autos vorbeirauschen.

Shoppen in Bitburg: Auf der Suche nach einem Parkplatz fahre ich in Bitburg zunächst ziellos durch die Stadt. Zu wenige Parkmöglichkeiten gibt es nicht, aber alle sind belegt - trotz Gebühren. Auf dem Bedaplatz werde ich fündig. Auch dieser ist sehr voll, aber man darf drei Stunden kostenlos parken - mehr als genug Zeit, um meine Einkaufsliste abzuhaken. Von hier bin ich schnell am Spittel und mitten in der Fußgängerzone.

Interessanterweise ist Champagner in Bitburg leichter zu finden als Blumen. Der Weinfachhandel Vinum hat 120 verschieden Weine im Angebot, auch Sekt und Champagner. "Die klassischen Champagnersorten haben wir außer dem Krug ganz aus unserem Sortiment gestrichen", erklärt Paul Steinbach. Stattdessen setzt er auf Robert Allait. "Das ist ein ganz besonderes Champagnerhaus, das wir selbst entdeckt haben." Dort werde der Champagner aus eigenen Weinen gemacht statt aus eingekauften wie bei vielen anderen. Steinbach veranstaltet regelmäßig Champagner-Verkostungen in seinem Laden. "Da landen die großen Namen geschmacklich meistens auf den hinteren Plätzen." Als Geschenk empfiehlt er einem Laien wie mir die Magnum-Flasche mit eineinhalb Litern des Robert Allait Brut für 45 Euro. "Das ist ein günstiger Preis für so edlen Champagner, und die große Flasche sieht auch noch toll aus."

Das Modehaus Messerich ist der erste Laden, den ich auf meiner Suche nach einem Anzug betrete, und sofort nimmt man mich in Beschlag: Andreas Ronellenfitsch berät äußerst detailliert und geht sicher, dass ich die kleinsten Unterschiede in der Gewebestruktur der Sakkos verstehe. Der Vergleichbarkeit wegen frage ich hier wie in Wittlich nach einem modernen blauen Anzug, der ohne Krawatte getragen werden kann, und einem passenden Hemd. Der junge Verkäufer erklärt: "Heute wird die Männermode, auch die förmliche, immer bequemer, aber gleichzeitig modischer." Die richtige Größe findet er auf einen Blick und konfrontiert mich ganz nebenbei mit Begriffen, die ich noch nie gehört habe: B-Rumpf, Haifischkragen - wie dem auch sei: Bald trage ich Sakko und Hose von Club of Gents für 199,95 und 99,95 Euro. Das Hemd von Olymp Level 5 kostet mich 49,95 Euro. Das reicht als Vergleich, doch Ronellenfitsch lässt mich nicht gehen, bis ich nicht auch den passenden Gürtel und passende Socken anprobiert habe.

Die perfekten Schuhe zum Anzug finde ich direkt vor Ort. Der Verkäufer meines Vertrauens empfiehlt mir zu einem blauen Anzug, der nicht zu steif wirken soll, braune Schuhe. Ich entscheide mich für ein Paar in Cognac-Tönen, das mit blauen Schnürsenkeln zum Anzug passt. 89,95 Euro kosten die Bugatti-Schuhe.

Die Hauptstraße ist kurz für eine Fußgängerzone, wartet aber mit gut besuchten Bistros und Restaurants auf. Ich nehme etwas abseits vom Trubel Platz und gönne mir eine Verschnaufpause: Die Prümtaler Mühlenbäckerei liegt direkt am Rathausplatz. Meinen Kaffee schlürfe ich mit Blick auf die Liebfrauenkirche zu meiner Linken. Auch wenn die Hauptstraße einige schöne Flecken hat, wie etwa den Gäßestrepper-Brunnen, zum gemütlichen Schlendern lädt sie nicht gerade ein.

Die Bilanz: Insgesamt habe ich in Wittlich 258,95 Euro ausgegeben, in Bitburg 484,80 Euro. Die Preise sind vergleichbar, lediglich der höherwertige Anzug hat in Bitburg meine Ausgaben in die Höhe getrieben.

Parksituation und Verkehr in der Innenstadt erhalten in beiden Städten vier von fünf Punkten: Einen Parkplatz in Wittlich zu finden, ist kein Problem, allerdings wären mehr kostenfreie, dafür zeitlich begrenzte Parkmöglichkeiten sinnvoll. Auch in Bitburg lässt sich an vielen Stellen parken, die aber bei dem dichteren Verkehr meistens belegt sind. Beide Städte haben mit dem Parkplatz Zentrum und dem Bedaplatz große kostenlose Parkplätze in der Nähe der Fußgängerzone.

Die Shopping-Möglichkeiten in Wittlich haben sich vier Punkte verdient. Alle Geschäfte liegen in unmittelbarer Nähe zueinander. Die Preise sind vernünftig, die Beratung freundlich und kompetent. Champagner und Anzug sind schwer zu finden, überall sind Bekleidungsgeschäfte, aber ein Herrenausstatter fehlt. Bitburg erhält ebenfalls vier Punkte. Die Fußgängerzone ist zwar klein. Champagner und Anzug lassen sich aber ohne Probleme in guter Qualität auftreiben.
Die Aufenthaltsqualität erhält in Wittlich fünf Punkte. In einer ruhigen Innenstadt mit zahlreichen Cafés lässt sich gut Zeit verbringen. An diesem Punkt kann ich Bitburg nur drei Punkte geben. Eine schöne Fußgängerzone sieht anders aus. Eingeengt zwischen stark befahrenen Straßen reihen sich die Geschäfte eher aneinander. Doch Bistros und Cafés geben sich alle Mühe, diesen Eindruck wettzumachen.

Es steht also am Ende 13:11 für Wittlich. Damit geht die Säubrenner-Stadt gegenüber Bitburg als knapper Gewinner aus diesem Test hervor.

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