Ständer sind Stein des Anstoßes

BERNKASTEL-KUES. Es brodelt in der Stadt: Aufgrund einer Sondernutzungsatzung, die sowohl die gastronomische Nutzung als auch den Außenverkauf der Einzelhändler entlang öffentlicher Straßen regelt, fühlt sich ein Teil von Einzelhändlern ungleich behandelt. Der TV hat sich umgehört.

Der "Stein", besser gesagt der "Ständer" des Anstoßes ist die Außenwarenpräsentation. Die Satzung regelt, dass die Ausdehnung von Warenpräsentation und -verkauf nur unter bestimmten Auflagen erlaubt ist "im Sinne eines ungehinderten Verkehrs- und Passantenflusses". Wobei jene Betriebe, die an der Hauptdurchgangsstraße (Brückenkopf, Am Markt, Römerstraße, Burgstraße) liegen, erst mit Beendigung des Lieferverkehrs um 11 Uhr ihre Tische und Stühle sowie Warenständer auf den eingezeichneten Flächen nach draußen stellen dürfen. Doch genau hier liegt für viele der Knackpunkt: Für alle, die an den übrigen (Neben)-Straßen und Plätzen Anlieger sind, gilt diese zeitliche Regelung nicht. Eine Ungleichbehandlung, die laut Aussage von Benachteiligten so nicht akzeptiert werden könne. "Wir protestieren gegen die Wettbewerbsverzerrung in unserer Stadt" - mit solchen Plakaten machten Geschäftsleute in ihren Schaufenstern aufmerksam auf dieses Problem. Es werde damit niemand konkret angegriffen: "Wir wollten mit diesem Plakat nur die öffentliche Diskussion anregen", bekräftigen Johannes Maria Dietz von "Schuh und Mode Dietz" und Klaus Brosinski, der einen Souvenirladen betreibt. Es gehe auch nicht grundsätzlich gegen eine Sondernutzungssatzung, sondern vielmehr darum, dass die jetzige Satzung die "gleiche Behandlung aller" vermissen lasse. Eine Geldstrafe mussten auch die "Sünder" bereits zahlen, die sich mit ihren Ständern zu "verbotener" Zeit zu weit "hinauslehnten". Und noch ein Aspekt schürt Unfrieden: Die Gastronomie dürfe zu besagter Zeit im Lieferverkehrsbereich ihre Tische und Stühle zwar auch nicht einladend ausbreiten, aber gestapelt dürften sie dort auf der Sondernutzungsfläche die ganze Nacht bis morgens 11 Uhr stehen bleiben. Nicht nachvollziehbar, wenn man bedenke, dass diese Bestuhlung mehr Raum in Richtung Straße einnimmt als Ständer, äußern viele ihr Unverständnis. Die Satzung sei eindeutig und diene dazu, einen reibungslosen Ablauf des Lieferverkehrs und den Schutz der Passanten auf den betroffenen Gehwegen zu gewährleisten, betont Wolfgang Pastor, Erster Beigeordneter der Stadt. Und was die gastronomische Nutzung betreffe, so könne nicht verlangt werden, das "gewichtige" Tisch- und -Stuhlmaterial jeden Abend unter Dach zu räumen, was dann auch meist den Frühstücksbetrieb im Gastraum stören würde. "Ein schwaches Argument", kontern die betroffenen Geschäftsleute, denn auch die Ständer störten beim frühmorgendlichen Verkauf im Laden. Natürlich ist den Einzelhändlern die Einhaltung eines schönen Stadtbildes ihrer einzigartigen Bernkasteler Altstadt wichtig und daher die Begrenzung der Warenaustellunsgvorrichtungen vor der Häuserfront durchaus nachvollziehbar. "Doch wenn wir in gewissem Rahmen nicht mehr Außenverkauf betreiben dürfen, können viele von uns gleich ganz dichtmachen", befürchtet Peter Klein vom "Weinhaus Klein". Um die Gleichbehandlung aller in der Stadt geht es auch Dorly und Helmut Henrich vom "Blumenhaus Dorly": Es dürfe niemand bevorzugt und auch niemand benachteiligt werden. Ein von Henrich gestellter Antrag sei vom Stadtrat abgelehnt worden. Ein weiteres Schreiben mit der Bitte um eine Satzungsänderung liege der Stadt vor. Eine Satzung, die Unfrieden schüre, sollte im Sinne eines friedlichen Miteinander aller überdacht werden, dem stimmen auch Gunnar Reddig (Süße Ecke) und Simone Heinen (Das Schuhlädchen) zu. Die Außenständer bedeuteten eben auch einen nicht unerheblichen Aspekt für ein günstiges Verkaufsgebnis: Sie machten Kunden aufmerksam auf das Angebot und animierten, ins Geschäft zu kommen. Claudia Adam vom "Landsknecht" macht noch auf eine andere Tatsache aufmerksam: "Wenn den Anliegern in den Hauptstraßen schon aufgrund des Lieferverkehrs Einschränkungen gemacht werden, dann müsste der auch bis zur vorgegebenen Zeit von 11 Uhr durch sein". Das aber sei oftmals nicht der Fall.

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