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Standesamtliche Trauungen ab jetzt auf dem Römischen Weinschiff möglich.

Standesamtliche Trauung : Endlich: Jawort auf dem Römischen Weinschiff

Die über die Winterpause übliche Wartung der Stella Noviomagi zog sich dieses Mal länger als sonst hin.

Der Stolz der Ortsgemeinde Neumagen-Dhron ist wieder gut angekommen im Heimathafen. Seit Freitag ankert die Stella Noviomagi, der 2007 vom Stapel gelaufene Nachbau des berühmten Steinreliefs eines Römischen Weinschiffs, erneut am Moselufer. Die reguläre Wartung über die Wintermonate nahm dieses Mal mehr Zeit als sonst in Anspruch. Insbesondere deshalb, weil wegen der Corona-Pandemie mit Einschränkungen wie den Abstandsregelungen nur mit höchstens zwei Personen gleichzeitig am Schiff gearbeitet werden durfte. Und das in einem Jahr, in dem mehr als sonst am Schiff repariert werden musste.

Die Arbeiten ein Jahr zuvor waren zwar auch umfangreich, weil beispielsweise der imposante Kopf am Bug erneuert wurde. Doch dieses Mal  mussten etliche Schiffsplanken und auch Spanten, die den Schiffsrumpf verstärken, ausgetauscht werden. Erstmals seien „gebogene und verschränkte Planken“ erneuert und – wegen des erforderlichen „spannungsfreien“ Einbaus – erhitzt verbaut worden, erklärt Dieter Heintz.

Er ist der Vorsitzende des Fördervereins Neumagener Weinschiff, der mit Ehrenamtlichen die Wartung im Auftrag der Gemeinde übernimmt. Für den professionellen Einbau der Planken baute sich das Team sogar einen Dampfkocher, mit dem das Holz auf 100 Grad Celsius erhitzt wurde. Da das immer nur für drei Planken gleichzeitig machbar war und diese dann „im erhitzten Zustand verarbeitet werden mussten“, war das laut Heintz sehr zeitintensiv. Letztlich hätten sie in den vergangenen Monaten rund 300 Stunden am Schiff gearbeitet. Für die auch für Laien gut verständlichen Ausführungen im Rahmen einer Sitzung des Touristik- und Weinwerbeausschusses Neumagen-Dhron gab es für Heintz viel Lob. Das sei eine Top-Präsentation – kurz und knackig und zugleich ausführlich, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Gleichzeitig dankten sie dem gesamten Förderverein, der sich Jahr für Jahr derart engagiere.

Abgesehen von den Informationen zur Schiffswartung präsentierte Heintz einen Rückblick auf die vorige Saison und einen Ausblick auf 2020. Und da gibt es eine sehr wichtige Neuigkeit. Denn auf dem Weinschiff soll schon bald standesamtlich geheiratet werden können. Hochzeitsfeiern sind dort zwar generell erlaubt, nicht aber Trauungen, für die etwa geschützte Räume vorgeschrieben sind. Wer auf dem Schiff feiern will, kann sich aber schon seit einigen Jahren im Weinschiff-Pavillon, einem Gebäude gegenüber, trauen lassen. Doch jetzt sind die bisherigen Vorschriften gelockert, sodass nicht nur am Erbeskopf auf eigens gewidmeten Flächen wie auf der Windklangskulptur auch im Freien geheiratet werden kann (der Volksfreund berichtete).

Standesamtliche Hochzeiten auf einem Schiff seien nun rechtlich möglich, freut sich Ortsbürgermeister Dirk Doppelhamer über die Auskunft der Verbandsgemeinde. Die Gemeinde wolle daher die neuen Möglichkeiten gezielt vermarkten und bewerben.

Vor dem 25. Juni wird die Stella aber nur bedingt auslaufen. Denn erst dann soll die Weinschiff-Saison starten – sofern aktuelle Corona-Einschränkungen wie vorgeschriebene Abstände nicht verlängert werden. So könnten derzeit etwa nur 14 Personen an Bord, was wegen des dann höheren Charter-Preises pro Person unattraktiv wäre, bedauert Heintz. Wer sich aber schon heute seine Weinschiff-Fahrt sichern möchte, kann sich dafür bereits jetzt an die Tourist-Information wenden, Telefon 06507/6555. Zur Auswahl stehen nicht nur Charter- oder „Teilcharter“-Fahrten, für die das Schiff komplett oder mit einer anderen Gruppe gemeinsam gebucht werden kann. Angeboten werden auch zunehmend gefragte Kulturfahrten.

Foto: Weinschiff: Dieter Heintz Foto: Foto: Dieter Heintz

Wie gut all das angenommen wird, belegen die Zahlen von 2019. Die Stella startete zu zirka 335 Fahrten mit an die 10 000 Gästen und brachte es auf etwa 600 Betriebsstunden. Großen Anklang fanden laut Heintz zudem Werbeaktionen wie ein Preisausschreiben, für das Förderverein, Gewerbeverein und Tourist-Info mit dem Trierischen Volksfreund kooperierten. Eine der etwa 900 Einsendungen sei sogar aus New York eingetroffen. Daher hofft nicht nur Heintz, die Verluste infolge von Corona zumindest noch ein Stück weit auffangen zu können. So hätten Anfang des Jahres bereits überdurchschnittlich viele Buchungen für die Saison vorgelegen, von denen dann aber viele ausfielen oder notgedrungen abgesagt wurden.