Standortvorteil Abitur

Einstimmig befürwortete der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule am Standort Morbach. Erstmals ist es damit im Bereich des Möglichen, dass Schüler in Morbach Abitur machen können.

Morbach. Integrierte Gesamtschule oder "Realschule plus" - welche Schulform soll nach der geplanten landesweiten Abschaffung der Hauptschulen in Morbach angeboten werden? Das war die zentrale Frage der letzten Morbacher Gemeinderatssitzung des ausklingenden Jahres. Für die CDU war die Marschrichtung im Vorfeld klar: Sie hatte bereits vor der Sitzung einen Antrag gestellt. Darin wurde die Verwaltung der Gemeinde Morbach beauftragt, alle nötigen Schritte in die Wege zu leiten, um bis Ende März die Einrichtung der Integrierten Gesamtschule (IGS) für das Schuljahr 2009/2010 zu beantragen. Schulträger wird der Landkreis

Die IGS besteht aus einer Orientierungsstufe in den fünften und sechsten Klassen, einem leistungsbezogenen Kurs-System in den Klassen sieben bis zehn und eventuell einer Oberstufe im Kurs-System. Schulträger ist laut Norbert Diehl vom Mainzer Bildungsministerium in der Regel der Landkreis. Es gebe allerdings für Gemeinden die Möglichkeit, sich etwa im Rahmen eines Zweckverbands in Entscheidungen einbinden zu lassen. Ob eine Oberstufe eingerichtet wird, hängt vom Willen des Schulträgers und von der Zahl der Anmeldungen ab. Das Hauptargument für CDU-Fraktionssprecher Heribert Knob ist die Möglichkeit, in der Einheitsgemeinde Abitur zu machen. Damit entfalle die aufwendige und stressige Schülerbeförderung. Die Möglichkeit, in Morbach die allgemeine Hochschulreife zu erlangen, ist nach Auffassung von Bürgermeister Gregor Eibes ein "klarer Standort-Vorteil". Die IGS bis zum Abitur hält Achim Zender für einen "regelrechten Jackpot". Auch Marcus Heintel von der SPD begrüßte den CDU-Antrag. Ebenso stimmte Uwe Andretta von der Grünen Liste dem CDU-Vorhaben zu. In der neuen Schulform würden die Kinder endlich nicht mehr in Haupt, Real- und Gymnasialschüler unterschieden. Frank Klein (FDP) appellierte dagegen an alle, Chancen und Risiken zu betrachten. Entscheidend sind aus seiner Sicht nicht nur der Standortfaktor, sondern auch die Ausstattung und das Personal für die neue Schule. Als Sachverständige wurden auch die Rektoren der betroffenen Schulen gehört. Thomas Koschant von der Hauptschule informierte das Gremium, dass sich Personalrat und Elternbeirat bereits für die neue Schulform ausgesprochen hätten. Sein Kollege Wolfgang Fink nahm zur Frage der Schulform nicht Stellung, monierte aber, dass man mit der Realschule noch nicht das Gespräch gesucht habe. Einstimmig nahmen die Ratsmitglieder den CDU-Antrag an. Über den Haushalt 2008 der Gemeinde Morbach folgt ein separater Bericht. Meinung Entscheidung mit Charme Selten gab es in der Vergangenheit ähnlich ideologisch überfrachtete Diskussionen wie im Zusammenhang mit dem Thema Gesamtschule. Dass es Morbacher Kommunalpolitiker bei diesem wichtigen Thema bei geringfügigem Geplänkel belassen und in der Sache an einem Strang ziehen, ist durchaus beeindruckend. Die vom Rat bevorzugte Schulform hat einigen Charme. Ein lang gehegter Wunsch geht für die Bewohner der Einheitsgemeinde in Erfüllung, wenn in wenigen Jahren der Nachwuchs in der Einheitsgemeinde Abitur machen kann. Denn rund 200 Gymnasiasten treten täglich die lange und stressige Busfahrt in die Moselstadt an. Ein schnelles und deutliches Votum ist insofern im Sinne aller Beteiligten. Und dennoch mutet es merkwürdig an, dass die Kommunalpolitik bereits Entscheidungen fällt, ohne das Gespräch mit den Schulen gesucht zu haben. i.rosenschild@volksfreund.de