Starke Kinder sind besser geschützt
Das Thema "Kinder und der Umgang mit Fremden" hat mehr als 30 Menschen motiviert, in Morbach den ersten von vier Vorträgen der von Kirche und Kreis angebotenen Reihe "Elternkompetenz stärken" zu besuchen.
Morbach. (urs) Das beeindruckende Interesse von rund drei Dutzend Zuhörern spricht für sich. Referentin Hildegard Basten, Diplom-Sozialpädagogin bei der Lebensberatung Wittlich, ist aber nicht überrascht.
Angesichts aktueller Berichte über in Trier von Fremden angesprochene und sogar festgehaltene Kinder erscheint ihr der Andrang zu ihrem Vortrag "Gehe bloß nicht mit Fremden mit" nur allzu gut nachvollziehbar. Dennoch sollten die Sorgen von Vätern und Müttern keinesfalls in einer Überbehütung münden, gibt sie als ersten Tipp (siehe Tipps) mit auf den Weg.
Denn Ängste und Unsicherheit würden sich auf die Kinder übertragen, denen im Ernstfall jedoch ein gutes Selbstbewusstsein hilfreicher wäre. Außerdem kämen sie dann gar nicht erst in diese Opferrolle rein, erklärt Basten. Grundsätzlich immer der richtige Weg sei daher alles, was das Kind stark mache, legt sie die Lektüre von Stark-Mark-Büchern ans Herz.
Starke Kinder könnten eher erkennen, wann jemand zu weit gegangen sei oder wenn etwas nicht stimme.
In der anschließenden Diskussion spiegeln sich nicht nur die Sorgen der Zuhörer, die teils aus Wittlich, Traben-Trarbach oder Piesport nach Morbach gekommen sind, sondern auch eigene Erfahrungen wider. So fragt eine Frau, wie man Kindern erklären könne, wenn ein ihnen fremder Mensch laut Bezugspersonen wie den Großeltern gar kein Fremder sein soll. Andere sind sich unsicher, ab welchem Alter Kinder überhaupt unterscheiden können, ob ihnen jemand etwas Böses will oder nicht, oder welche Geheimnisse sie keinesfalls für sich behalten sollten.
Konkrete Aussagen, was ihnen ein Fremder tun könnte, sollten nach Ansicht von Basten vermieden werden. Sie persönlich fände es besser, sich auf Aussagen wie "da hat die Mama ganz viel Angst um dich" zu beschränken. Auch das Thema Missbrauch, bei dem die Gefahr ja weniger von Fremden ausgeht, wird angesprochen. Wer sein Kind genau beobachtet und ihm zuhört, wird laut Basten Veränderungen bemerken. Warnsignale seien das fehlende Leuchten in den Augen, eine auffallende Traurigkeit und natürlich Bettnässen, Schlafprobleme oder ein Sichzurückziehen.
Der Vortrag im Morbacher Pfarrheim zum Thema Kinder und ihr Umgang mit fremden Menschen ist der erste von insgesamt vier in der Vortragsreihe "Elternkompetenz stärken" (siehe Extra). Gastgeber sind die Katholische Erwachsenenbildung Trier, der Arbeitskreis Jugendschutz des Landkreises und die Dekanate Wittlich und Bernkastel. Tipps für Eltern und Kinder Mit eigenen Ängsten auseinandersetzen, Überbehütung vermeiden: Sichere Bindung zu den Eltern schafft einen emotionalen Hafen, in dem Balance besteht zwischen Nähe und Distanz, und fördert das Selbstbewusstsein der Kinder. Keine Panik: Erklären, wer ein Fremder ist - Jemand, den das Kind nicht über die Eltern kennt. Den Unterschied erklären zwischen guten Geheimnissen und schlechten, die Niemandem Freude bereiten. Kindern sagen, dass sie "Nein" sagen dürfen und laut schreien und weglaufen sollen, wenn sie ein Fremder berührt oder festhält. Gefahrenbewusstsein erproben: Nie einsteigen, Sicherheitsabstand wahren, keine Gespräche aus Höflichkeit, persönliche Daten sind für Andere tabu, Familienpasswort für den Notfall vereinbaren. Hilfreiche Adressen: www.sicher-stark.de, www.polizei-beratung.de, Nummer gegen Kummer: 0800/1110550. (urs)Extra Weitere Vorträge: "Pubertät - Warum sie so seltsam sind": Mittwoch, 22. Oktober, 20 Uhr, Wittlich, St. Markus-Haus in der Karrstraße - Referenten: Michael Naundorf (Diplom-Sozialarbeiter, Lebensberatung Wittlich) und Armin Surkus-Anzenhofer (Pastoralreferent, Dekanat Wittlich). "Spielen sie noch oder leben sie wieder?": Mittwoch, 5. November, 20 Uhr, Wittlich, St. Markus-Haus in der Karrstraße - Referenten: Ludger Brünnette (Diplom-Psychologe) und Michael Naundorf (Diplom-Sozialarbeiter, Lebensberatung Wittlich). "Grenzen setzen in der Erziehung": Mittwoch, 10. Dezember, Veldenz Villa Romana - Referentin: Maria Spanier (Diplom-Sozialpädagogin, Lebensberatung Wittlich). (urs)