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Starregisseur Edgar Reitz dreht in Bernkastel

Starregisseur Edgar Reitz dreht in Bernkastel

Der historische Marktplatz von Bernkastel ist Drehort für den Kinofilm "Die andere Heimat" von Edgar Reitz. Kommende Woche wird der Platz auf "alt" getrimmt. Dargestellt wird eine Marktszene, wie sie sich im Jahr 1840 zugetragen haben könnte.

Bernkastel-Kues. Bernkastel anno 1840: Auf dem Marktplatz herrscht reges Treiben. Händler bieten Gemüse, Obst und lebende Hühner an, es wird gefeilscht und getratscht. Der gepflasterte Boden ist teilweise mit Stroh bedeckt, überall liegen Abfälle herum, Kinder laufen barfuß über den Platz, die Menschen sind ärmlich gekleidet.
Es herrscht bittere Not in dieser Zeit. Viele denken ans Auswandern, so wie Jakob, die Hauptfigur im neuen Film "Die andere Heimat" von Edgar Reitz. Er soll im Frühjahr 2013 in die Kinos kommen.
Am Montag dreht ein 40-köpfiges Filmteam in Bernkastel-Kues. Jakob, Sohn eines Schmieds in einem kleinen Hunsrückdorf, der mit seinem Vater gebrochen hat, kommt auf dem Weg an die Mosel in Bernkastel vorbei. Hier auf dem Marktplatz stehen Werber, die junge Männer zur Ausreise nach Südamerika bewegen wollen. Am kommenden Montag, 7. Mai, wird die eineinhalbminütige Filmsequenz auf dem historischen Marktplatz gedreht. Dafür muss der Platz ab Sonntagabend, 17 Uhr, bis zum späten Montagabend komplett gesperrt werden. Wie genau der Verkehr geregelt wird, teilt die Verwaltung noch frühzeitig mit, und es wird im TV veröffentlicht.
Der preisgekrönte Filmemacher Edgar Reitz, gebürtig aus Morbach, musste nicht lange nach einer geeigneten Kulisse für die im 19. Jahrhundert spielende Marktszene suchen. Kaum ein anderer Platz in Deutschland eignet sich besser für solche historischen Filmaufnahmen.
Wenn am Montag die Dreharbeiten beginnen, werden Schaulustige keine Chance haben, das Geschehen hautnah mitzuerleben. Produktionsleiterin Sylvia Binder: "Der Platz wird weiträumig abgesperrt." Sie und Aufnahmeleiter Oliver Cohn haben vor Wochen mit Stadtbürgermeister Wolfgang Port Kontakt aufgenommen. "Die Stadt hat uns sehr unterstützt", sagt Sylvia Binder.
Die Komparsen, etwa 40 Männer, Frauen und Kinder aus der Region, werden vor Ort frisiert, geschminkt und eingekleidet.
Die Fachwerkhäuser müssen, auch wenn sie schon über 500 Jahre alt sind, hergerichtet werden. Das Filmteam deckt Schaufenster und Werbeschilder ab. Echt soll alles aussehen und wirken - ein Anspruch, den Reitz auch bei seiner hochgelobten Heimat-Filmtrilogie umsetzte.Extra

In seiner Geschichte beschreibt Edgar Reitz das Schicksal Hunsrücker Auswanderer nach Brasilien. Wie schon in "Heimat" rückt er die Schmiedefamilie Simon aus Schabbach in den Mittelpunkt - jedoch 150 Jahre früher. Die Geschichte spielt in den Jahren 1840 bis 1843. Missernten, Hungersnöte und Behördenwillkür sorgten für unendliche Not. Die Auswanderung nach Brasilien war für Tausende die einzige Möglichkeit, dem Elend zu entgehen. Im Zen trum der Geschichte stehen zwei Brüder, die eines Tages vor der entscheidenden Frage stehen: gehen oder bleiben?