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Start in möglichen Marathon-Streik

Start in möglichen Marathon-Streik

Tag eins der unbefristeten Streiks von Erzieherinnen aus kommunalen Kitas der Region: Die meisten Einrichtungen blieben gestern geschlossen. Das Personal zeigte sich bei der Kundgebung auf dem Trierer Kornmarkt kämpferisch. Die Rede war von einem möglichen Marathon-Streik.

Trier. "Wahnsinn, dass so viele hier sind. Schön, dass ihr streikt!" Ingo Klein, Sekretär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wirkt freudig überrascht. So als hätte er nicht wirklich an eine solch große Resonanz geglaubt: Rund 500 Erzieherinnen und einige ihrer wenigen männlichen Kollegen aus den kommunalen Kindertagesstätten der Region sind zur Kundgebung auf den Trierer Kornmarkt gekommen.
"Ein machtvolles Signal!", frohlockt auch Antje Koch, Kleins Amtskollegin von der Gewerkschaft Verdi. Im Umkehrschluss bedeutet die große Teilnahme: Die meisten der rund 100 nicht in Trägerschaft der Kirchen stehenden Einrichtungen sind notgedrungen geschlossen am ersten Streiktag des Kita-Personals in der Region.
Einige der Erzieherinnen haben durchaus ein schlechtes Gewissen: "Ich streike nicht gerne, denn ich weiß, ich treffe damit zuerst einmal die Falschen, nämlich die Familien", sagt eine Eifelerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen möchte.
An sie und andere Wankelmütige richtet der eigens aus Berlin angereiste GEW-Cheffunktionär Norbert Hocke markige Worte: "Lasst euch nicht kirre machen! Der Arbeitsausstand ist legitimiert. Wir streiken nicht des Streiks wegen, sondern für unsere Kinder und dafür, dass unsere qualitativ hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung eine andere gesellschaftliche Wertschätzung erfährt und angemessen bezahlt wird." Ins selbe Horn stößt DGB-Regionalchef Christian Z. Schmitz: "Nicht ihr lasst die Kinder und Eltern im Stich - das tun eure Arbeitgeber."
Aufwertung eines Berufsstands, der sich bisher nicht machtvoll gegen "Kaputtsparen und Ausbeutung" gewehrt hat - diese Forderung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Reden, die während der rund anderthalbstündigen Kundgebung auf dem Kornmarkt mitten in der Fußgängerzone gehalten werden.
Doch die Zeit der Bescheidenheit sei ein für allemal vorbei, orakelt Erni Schaaf-Peitz (GEW): "Wenn wir jetzt nicht gehört werden, wann dann?!", lautet die stürmisch bejubelte rhetorische Frage der Leiterin der städtischen Kita Wittlich-Neuerburg, die dann noch ankündigt: "Ohne Aufwertung unseres Berufsstandes nicht an unsere Arbeitsplätze zurück."Notbetreuung für Trierer Kinder


Tatsächlich stellen sich die meisten Kundgebungsteilnehmer auf einen langen und harten Arbeitskampf, einen Marathon-Streik, ein. Dauer? Bis die Arbeitgeberseite "ernsthafte Bereitschaft zur Einigung" im Tarifkonflikt zeigt.
In Trier waren gestern alle vier städtischen Kitas (300 Plätze) geschlossen. Ab heute gibt es "vorbehaltlich aller Unwägbarkeiten" ein Notbetreuungsangebot in der größten Einrichtung, der 125 Kinder fassenden Kita Trimmelter Hof. Laut dem im Vorfeld des Streiks ermittelten Bedarf sind es etwa 100 Mädchen und Jungen, deren Eltern keinerlei andere Betreuungsmöglichkeit haben.