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Stefan Gemmel wird 50. Sein jüngstes Projekt: Deutschlands Kinder lesen ein Buch.

Literatur : Vom Lesemuffel zum Kinderbuchautor

Anlässlich seines 50. Geburtstags am Donnerstag, 30. Januar, verrät Schriftsteller Stefan Gemmel aus Morbach, warum es ihm leicht fällt, Bücher für junge Menschen zu schreiben, wie erfolgreich sein jüngstes Projekt ist und wohin seine nächste Reise führt.

Inmitten einer Schar von Schülern fällt Stefan Gemmel auf den ersten Blick kaum auf. Gestik und Mimik des Schriftsteller sind die eines sehr jungen Menschen. Und das kommt nicht von ungefähr: „Im Herzen und im Kopf bin ich immer noch der kleine Stefan, der über die Welt staunt“. Und doch wird der gebürtige Morbacher an diesem Donnerstag, 30. Januar, 50 Jahre alt. Aber er selbst kann es kaum fassen. Es sei ein „merkwürdiges Gefühl“, zumal sein Körper sich schon anfühlt wie 50. „Und so bremst er mich ständig aus und mahnt mich zu Ruhe und Pausen.“ Doch seinem Elan tut das keinen Abbruch. Schließlich veröffentlicht er Ende Februar sein 50. Buch. Es wird „Lucas und der Zauberschatten“ heißen. Die Zahlengleichheit sei ein „witziger Zufall“.

Bei der großen Zahl an Büchern, denkt man, muss der Vater zweier Töchter, der heute in Lehmen, Kreis Mayen-Koblenz wohnt, doch nahezu ununterbrochen schreiben. Doch dem ist nicht so. Allein 120 Tage im Jahr ist Gemmel in Deutschland und im Ausland unterwegs und liest aus seinen Werken. Ganz besonders gern reist er nach Morbach und besucht seine frühere Schule, die IGS Morbach, macht dort Projekte, oder er hält dort Lesungen. Und die Kindergärten der Einheitsgemeinde Morbach laden ihn alle zwei Jahre zu Lesungen ein. Das sind mit seine „liebsten Lesereisen“. Für das Schreiben „nehme ich mir Auszeiten. An drei Monaten im Jahr trete ich nicht auf, sondern arbeite gezielt und ausschließlich an meinen Büchern“. Dann aber auch bis zu zehn Stunden am Tag. So gelingt es ihm, innerhalb weniger Wochen, ein neues Buch zu verfassen.

Als Kind war er übrigens ein „Lesemuffel“, hat lieber Dämme gebaut und Bäume erklettert statt die Nase in Bücher gesteckt. Er war in der Schule nach eigenen Angaben zunächst „nicht so gut im Fach Deutsch“. Eine Lehrerin weckte dann sein Interesse für Bücher und sorgte auch dafür, dass er in einer Schülerzeitung mitarbeitet.

Was macht er eigentlich lieber, schreiben oder vorlesen? Die Antwort lautet „beides gleichermaßen“. Er genieße es, ganze Tage am Text zu sitzen, ebenso wie mit seinen „kleinen und großen Bücherhelden vor Kindern aufzutreten und auf der Bühne hin- und herzuflitzen“. Ein wichtiger Bestandteil seines Traumberufes ist es, „alle paar Tage“ neue Ideen zu haben, die er am liebsten sofort umsetzen möchte. Aus einer dieser Ideen resultierte sein jüngstes Projekt „Deutschlands Kinder lesen ein Buch“ (der Trierische Volksfreund berichtete). Gemeinsam mit dem Bundesverband für Leseförderung und der Agentur Leserattenservice hat er ein Vorhaben entwickelt, mit dem er viele Menschen begeistern will. Bei einem bundesweiten Lesefest können sich Familien, Vereine und Schulklassen einbringen. Im Mittelpunkt steht sein Werk „Marvin – das Buch aus Feuer und Freundschaft“.

Und alle waren aufgerufen, sich mit der Geschichte des Pirateneinhorns Marvin, das lieber Abenteuer erlebt als auf Regenbögen zu springen, zu beschäftigen und in irgendeiner Weise kreativ damit umzugehen: Bilder malen, Geschichten schreiben oder gar kleine Theaterstücke schreiben. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Mehr als 50 000 Leseproben wurden bestellt, und mehr als 1000 Projekte haben sich beteiligt. Und von der Resonanz ist Gemmel begeistert. Neben vielen Briefen und Bildern wurde ein Lexikon mit Fantasiefiguren erstellt und eine Geo-Caching-Runde in der Pfalz entwickelt. „Sehr berührt“ hat ihn ein Video einer Frankfurter Schule, in dem Kinder aus vielen Nationen ihr Lieblingskapitel in ihrer Muttersprache vorstellen. Aus diesen Einsendungen werden im Rahmen eines Preisausschreibens Gewinner ermittelt. Im Herbst geht das Projekt übrigens weiter – mit einem anderen Buch und mit einem anderen Autor. Er selbst hat „mehr Spaß daran, Neues zu erfinden und auszuprobieren“.

Seine nächste Fahrt ist übrigens keine Lesereise. Sie führt Anfang Februar nach Kadiala, einem kleinen Ort in Mali. Über den Verein Mali-Hilfe ist es ihm gelungen, dort einen Schulgarten zu installieren und auch Solarlampen in das kleine Dorf zu bringen. Inzwischen gibt es dort auch ein Krankentransportfahrzeug und einen solarbetriebenen Kühlschrank, in dem Impfstoffe und Medikamente kühl gelagert werden können – und natürlich auch eine kleine Bibliothek.