Geschichte: Steinerne Zeitzeugen und ihre Geheimnisse

Geschichte : Steinerne Zeitzeugen und ihre Geheimnisse

Wegekreuze, Heiligenhäuschen und Kapellen in Wittlich wurden in dem gleichnamigen Buch von jungen Autoren genauer untersucht.

Mit neugierigem Blick stehen die Kunsthistorikerin Alexandra Karg und der Buchdesigner Philipp Engel vor ihrem Publikum im Sitzungssaal des Alten Rathauses. 25 Besucher und Bürgermeister Joachim Rodenkirch sind gekommen, um bei der Vorstellung ihres Buchs „Wegekreuze, Kapellen und Heiligenhäuschen in Wittlich“ dabei zu sein.

Die beiden jungen Autoren sind 28 und 26 Jahre alt und haben sich mit den steinernen Zeitzeugen der Kreisstadt auseinandergesetzt. Finanzielle Unterstützung erhielten sie von der Silvio und Waltraud dell Antonio-Kunsmann-Stiftung. Für Philipp Engel lag der Reiz des Projekts darin, das klassische Thema religiöser Kulturdenkmäler in Buchform modern auszustatten, damit es für die Menschen einen großen Nutzwert hat. Alexandra Karg hat durch ihr Studium Zugang zu den Kulturdenkmälern, und es wurde für sie mit dem Arbeiten immer spannender.

Insgesamt haben sie mit Unterstützung der Fotografin Lara Schlieder in acht Kapiteln 35 religiöse Kulturdenkmäler der Stadt Wittlich und der fünf Stadtteile beschrieben. Ihr Ziel war es, dem Buch mit großformatigen Fotos eine Art Bildbandcharakter zu geben, dabei aber viele Informationen zu liefern. Mit den angegebenen geografischen Daten kann das Buch so auch als Wanderführer dienen. Die jeweilige Geschichte des Denkmals mit seiner Inschrift ist ebenfalls beschrieben und es gibt Fußnoten, die zu vertiefenden Informationen führen, so dass zusätzlich ein wissenschaftlicher Anspruch erfüllt wird.

Durch anekdotenhafte Erzählungen und einem lockeren Stil erhält sich das Werk seine gute Lesbarkeit. Kapitelmarker und weiße Seiten, auf denen nur der Name der Stadtteile steht, geben dem ganzen ein modernes Design. Überrascht hat die beiden Autoren die Belebtheit der Orte. Philipp Engel sagt: „Es wirkt so, als wären die Kapellen und Heiligenhäuschen bei vielen Menschen im Alltag integriert. Sie scheinen sehr lebendig und besucht.“

Eines der Denkmäler gibt den jungen Autoren aber Rätsel auf. Hinter dem Bahnhof in Wengerohr steht eine Kapelle, die sich sehr von den anderen abhebt: Dort sind bunte, Plastikheiligenfiguren aufgebaut und Wischtechniken an den Wänden. Die Gründe für die Gestaltung konnten sie nicht herausfinden.

Bei vielen der Objekte sind sie auch mit Menschen ins Gespräch gekommen. „Die Personen, die sich um die Kapellen, Häuschen und Kreuze kümmern, konnten uns oft einiges darüber erzählen“, sagt Alexandra Karg. Eine besondere Geschichte hat das Dreikönigskreuz in Bombogen. Alexandra Karges erzählt: „Es hat sich wohl jemand am Dreikönigstag auf dem Weg nach Wittlich verlaufen und ist zwei Tage herumgeirrt bis er aus dieser misslichen Situation gerettet wurde. Aus Dankbarkeit hat er das Kreuz gestiftet, so wird es berichtet.“

Die Ergebnisse der Arbeit von Alexandra Karg und Philipp Engel werden zudem in einer Datenbank der Stadt eingepflegt, um dort eine Übersicht über alle 40 religiösen Denkmäler zu haben. Fünf davon sind im Buch nicht vertreten.

Das Buch ist in einer Auflage von 250 Exemplaren erschienen. Es umfasst 200 Seiten, kostet 20 Euro und ist in den Wittlicher Buchhandlungen erhältlich.

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