Stern von Neumagen leuchtet wie am ersten Tag

Stern von Neumagen leuchtet wie am ersten Tag

Die "Stella Noviomagi" hat die Region seit ihrer Jungfernfahrt im Jahr 2007 noch ein Stück attraktiver gemacht. Es steckt aber viel Arbeit dahinter, das Schiff in Schuss zu halten. Doch die Investition lohnt sich.

Neumagen-Dhron. Starköche sind schon damit gefahren, das rheinland-pfälzische Kabinett mit dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck war an Bord, Violinist und Orchesterleiter Andre Rieu musste kurzfristig absagen. Der Stern von Neumagen, die "Stella Noviomagi", leuchtet hell über dem Ort. Ende dieser Woche geht der Nachbau des Neumagener Weinschiffs schon in seine zehnte Saison.
Willi Herres, Vorsitzender des Fördervereins, schätzt, dass allein zehn Kamerateams seit der Jungfernfahrt Ende September 2007 die Kunde von dem besonderen Gefährt verbreitet haben. "Eine solche Werbung ist unbezahlbar", sagt der ehemalige Ortsbürgermeister. 2014 hatte er nicht mehr kandidiert, übernahm stattdessen das Amt in Förderverein. Ein ruhiger Posten ist das auch nicht.Seit November im Trockendock


Denn der Förderverein hat unter anderem die Aufgabe das Schiff im Winter auf die nächste Saison vorzubereiten. Und da geht Herres mit gutem Beispiel voran. Als gelernter Elektrohandwerker ist er, wie auch Dieter Heintz als gelernter Kfz-Mechaniker, für solch eine Arbeit natürlich prädestiniert. Beide verfügen als Ruheständler auch über die notwendige Zeit.
Ihr "Lehrmeister" ist der Schreinermeister Hans Jüngling. Sein Wissen ist besonders wichtig. Schließlich ist die "Stella Noviomagi" eine Holzkonstruktion. Vierter Mann im Bunde ist Edgar Pilz. Wenn das Boot am morgigen Dienstag wieder ins Wasser gelassen wird, kommen noch einige Helfer hinzu.
Seit November liegt das Schiff im Trockendock. Seit Ende Februar waren die Handwerker im Einsatz. Unter anderem wurden die Ruderblätter erneuert. Die Arbeiten könnten natürlich auch komplett an Firmen vergeben werden, aber das würde viel Geld kosten. Diese Summe müsste die Gemeinde als Träger des Schiffes übernehmen. Sie kassiert die Einnahmen und bezahlt im Gegenzug Versicherung, Kraftstoff, Personal und die von Firmen ausgeführten Reparaturen.
Bisher gehe die Rechnung auf, berichtet Herres, der die meiste Zeit als Ortsbürgermeister begleitete. Aus der Gemeindekasse hätte bisher nichts zugeschossen werden müssen.
Der Förderverein (170 Mitglieder) ist für die Infrastruktur (Hafen, Infopavillon etc.) zuständig. Herres: "Dafür haben wir bisher etwa 80 000 Euro aufgebracht."
Den Fahrbetrieb sichern vier ausgebildete Kapitäne und fünf Matrosen. Jeweils einer von ihnen muss bei den meist zweistündigen Touren mit an Bord sein.
Die Aufgaben sind klar verteilt. "Der Kapitän lenkt das Schiff, der Matrose hilft beim An- und Ablegen und informiert ansonsten die Teilnehmer", sagt Dieter Heintz, der als Matrose tätig ist. Er erklärt den bis zu 50 Passagieren etwas über die Geschichte, die Landschaft und den Wein.
Kurz zur Geschichte des Schiffes: Gebaut wurde es von Auszubildenden der Trierer Handwerkskammer.
Auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier war mit im Boot. Die Kosten lagen bei etwa 400 000 Euro. Größter Unterschied zwischen Original und Nachbau. Die "Stella Noviomagi" wird von einem Dieselmotor betrieben. Es kann aber auch, wie das Original, gerudert werden.Kultur- statt Linienfahrt

Neue Saison – neue Ruderblätter. Foto: klaus kimmling (kik), Klaus Kimmling ("TV-Upload kimmling"
Fleißige Handwerker: Edgar Pilz, Dieter Heintz und Willi Herres (von links). Foto: klaus kimmling (kik), Klaus Kimmling ("TV-Upload kimmling"


Es gab und gibt keine Linienfahrten. Denn dann stünde das Gefährt in Konkurrenz zu den Ausflugsschiffen. Stattdessen werden ab kommendem Samstag bis Ende Oktober samstags, sonntags und mittwochs für 18 Euro pro Person sogenannte Kulturfahrten angeboten.
Das Schiff kann aber auch von Privatpersonen, Vereinen und Firmen gechartert werden (420 Euro Grundpreis für 40 Personen und zwei Stunden). Eine Voranmeldung für alle Fahrten ist notwendig. Zuständig ist die Touristinformation, Telefon 06507/6555.
Manche Zeitgenossen sagten dem Hype um das Schiff ein schnelles Ende voraus. Es ist anders gekommen. Auch 2016 werden wieder 10 000 Passagiere an Bord erwartet.
"Die Stella Noviomagi ist ein Glücksfall für die Gemeinde", stellen Willi Herres und Dieter Heintz fest.