Sternensommer für die Sternwarte

Ein Sommercamp für Jugendliche soll im kommenden Sommer wieder Leben auf das Gelände des Observatoriums Hoher List bringen. Die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV) und die Verbandsgemeinde Daun hoffen so, der Erhaltung der Anlage ein Stück näherzukommen.

Schalkenmehren. "Sternensommer" ist der klangvolle Name für ein Jugendcamp mit Zirkuszelt, das im kommenden Jahr vom 14. bis 20. Juli auf dem Observatorium Hoher List geplant ist. Die Aktivitäten bei dem Camp sind vielfältig. Rund 80 Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren aus der näheren Umgebung, vor allem von Theater-Arbeitsgemeinschaften, sollen teilnehmen können. Es wird um Theater gehen, Musik ist geplant und ein Fotoworkshop mit Wettbewerb. Alles steht dabei unter dem großen Thema Sterne. Als Theaterstück ist "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry vorgesehen. Musikalisch ist ein Konzert mit Stipendiaten der Villa Musica geplant.
"Es wird eine spannende Woche", verspricht die Landtagsabgeordnete Ruth Ratter (Bündnis 90/Die Grünen), die sich zusammen mit der Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel für den Erhalt des Observatoriums einsetzt. "Wenn viele Menschen hier sind, wird auch Interesse geweckt", sagt sie. Hintergrund für die Aktivitäten ist die noch immer ungewisse Zukunft des Observatoriums Hoher List.
Zelt kostet 5000 Euro


Denn der Betrieb der Sternwarte wurde aus Kostengründen vor etwa einem Jahr von der Uni Bonn aufgegeben. Seitdem stehen die Gebäude leer. Ein Teil der Teleskope wurde bereits gekauft. Die AVV, vormals Förderverein Observatorium Hoher List, konnte ein Gebäude anmieten und bietet dort Führungen und Vorträge an. "Es gibt nichts Schlimmeres als leere Räume, die verfallen", begründet Ratter ihr Interesse an einer weiteren Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Anlage.
Auch die Verbandsgemeinde (VG) Daun ist an der Planung des Sternensommers beteiligt. Bürgermeister Werner Klöckner bestätigt, dass für den Haushalt des kommenden Jahres 39 000 Euro für die Veranstaltung eingeplant sind. Allerdings habe man auch beim Land einen Antrag gestellt und hoffe, dass es über den Kultursommer eine Förderung von rund 19 000 Euro gibt. Der Eigenanteil der Teilnehmer wird mit etwa 10 000 Euro veranschlagt, so dass letztendlich 9000 Euro bei der VG bleiben.
Auch dafür versuche man noch Sponsoren zu finden, um die Kosten für die VG so gering wie möglich zu halten. Sollte es keine Förderung geben, dann müsse man "kleinere Brötchen backen", sind sich die Beteiligten einig. Die Kosten für das Camp sind wegen der fehlenden Infrastruktur so hoch, erläutert Birgitta Goldschmidt von der AVV. Allein das Zelt koste schon 5000 Euro. Zudem müssten die Jugendlichen untergebracht und verpflegt werden. Licht- und Tontechnik und der Fotoworkshop sind weitere Kostenfaktoren. Für die AVV ist der Sternensommer erst ein Auftakt zu weiteren Nutzungen.
Ideen gibt es viele, wichtig ist es, Sponsoren zu finden, die die Arbeit unterstützen. Und dafür soll der Sternensommer der erste Schritt sein. noj
Extra

Die Sternwarte auf dem Hohen List in Schalkenmehren gibt es seit 60 Jahren. Ein Dauner Geologe hatte die Astronomen an der Universität Bonn Anfang der 1950er Jahre auf den Hohen List als Standort für eine Sternwarte aufmerksam gemacht. Baubeginn auf dem 550 Meter hohen Schlackenkegel war 1952. Zunächst entstanden das Hauptgebäude und drei Kuppeln. Der Erweiterungsbau und zwei weitere Kuppeln mit einem Durchmesser von acht Metern folgten 1964. Ende 2012 hat die Universität Bonn die astronomische Arbeit hier eingestellt. Die Gebäude gehören dem Land Nordrhein-Westfalen und stehen seit Oktober unter Denkmalschutz. Die AVV hat ein Gebäude angemietet und bietet in den Sommermonaten Führungen an. sts/noj

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