Stierhatz: Metzger will noch mehr auf Sicherheit achten

Stierhatz: Metzger will noch mehr auf Sicherheit achten

Um eine Stierflucht wie am Montag zu verhindern, will der Morbacher Metzger Klaus Gauer-Kneppel in Zukunft nur noch schlachten, wenn die Augen des Tieres verhängt sind. Dies sei am Montag ausnahmsweise nicht der Fall gewesen. Ansonsten habe er hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen, sagt der Morbacher.

Morbach. "Was wird getan, damit so etwas nicht wieder passiert?" Dies war eine der Fragen, die TV-Leser zum Artikel über den Stier stellten, der am Montag das Morbacher Ortszentrum unsicher gemacht hat. Das Tier hatte sich kurz vorm Schlachten losgerissen und war an Geschäften und der Grundschule vorbei durch den Ortskern gestürmt, bevor ein herbeigerufener Jäger es erlegte.
Metzger Klaus Gauer-Kneppel, vor dessen Schlachthaus der 400 Kilogramm schwere Stier (Schlachtgewicht, also ohne Kopf, Beine, Organe: 300 Kilogramm) Reißaus genommen hatte, sagt: "Ich werde in Zukunft die Tiere nur noch schlachten, wenn sie geblendet sind." Geblendet bedeutet, die Tiere haben ein Tuch vor Augen. Den Bullen am Montag habe der Landwirt mit freien Augen angeliefert.
Gauer-Kneppel stellt klar: "Das ist das erste Mal in den 120 Jahren, in denen es unser Familienunternehmen gibt, dass so etwas passiert ist." Für seine einmal wöchentlich stattfindenden Schlachtungen, auf die sein Geschäft angewiesen sei und für die er in der Regel die Tiere selbst abhole, habe er sich zu 200 Prozent abgesichert.
Er habe eine Rinderfalle einbauen lassen. Das sei eine Metallbox, aus der die Tiere nicht mehr entfliehen könnten. Er habe sich ein langes Lasso anfertigen lassen, mit dem er die Tiere lenken könne. In der Regel sei auch das Tor zur Straße hin verschlossen.
In der Regel, aber nicht am Montag. Gauer-Kneppel: "Für den Zwischenfall am Montag kann ich nichts. Ich war noch nicht draußen, als der Stier vom Transporter abgeladen wurde. Und dann ging alles so schnell, dass wir das Tor nicht mehr schließen konnten." Der Stier sei plötzlich durchgedreht, habe sich losgerissen und den Landwirt 1,50 Meter durch die Luft gewirbelt.
Ob ihn das 1,20 Meter hohe Tor aufgehalten hätte, wenn es geschlossen gewesen wäre, sei fraglich. Zuvor sei der Stier über eine ein Meter hohe Mauer gesprungen. Und was wäre dann mit den eingekesselten Männern passiert?, fragt der Metzger.
"Ich kann den Engeln nur danken, dass nicht mehr passiert ist", sagt er. Der Landwirt ist mit Prellungen davongekommen.
Überrascht ist der Metzger darüber, dass das Fleisch des Tieres, das er für den Landwirt geschlachtet habe, genießbar aussehe. Das Stresshormon, das ein Tier bei einer solchen Aktion ausschütte, verändere in der Regel Konsistenz und Geschmack, in diesem Fall nicht.
Eine zweite Frage, die den TV erreichte: Hatte die Polizei, die mit ihren Dienstwaffen auf den Bullen geschossen hat, überhaupt eine Chance, das Tier zu erlegen?
Vonseiten der Polizei, die zur Hilfe gerufen wurde, heißt es, man habe keine andere Ausrüstung und angesichts der nahen Schule und des Kindergartens auch keine andere Möglichkeit gehabt, als es mit den Dienstwaffen zu versuchen. Jäger Bernhard Haus sieht das genauso. "Es bestand akute Gefahr. Der Stier hat Menschen beim Laufen angepeilt." Haus hat den Stier mit einem Revolver erlegt, als er sich todkrank vom Adrenalin, wie er sagt, hingelegt habe. Sein Gewehr habe er nicht eingesetzt, um keine Menschen zu gefährden.
Die Frage, ob der Landwirt für den Polizeieinsatz zahlen muss, ist noch offen. Monika Peters, Sprecherin des Polizeipräsidiums Trier, sagt: "Das müssen wir noch prüfen." Man werde aber vermutlich davon absehen, der Mann sei schließlich auch verletzt worden.

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