Still ruht der See mit giftiger Chemie

Binsfeld · Vor über einem halben Jahr wurde vor einer toxischen Belastung eines Binsfelder Fischteichs durch Perfluorierte Tenside (PFT) offiziell gewarnt. Doch bis heute kennt niemand im Ort den genauen Grad der Gefährdung. Die bei Wasser- und Fischproben ermittelten Werte sind für Laien unverständlich. Die Fachbehörde hält die Fische grundsätzlich für genießbar, empfiehlt gleichzeitig aber Zurückhaltung beim Verzehr.

Ungesunde Nachbarschaft: Löschübungen auf dem nahen US-Flugplatz stellen die Zukunft des Binsfelder “Märchens„ infrage.

Foto: Friedhelm Knopp

Still ruht der See in direkter Nachbarschaft zur US-Airbase Spangdahlem. Doch die Idylle um den gemeindeeigenen Teich trügt, denn längst ist dort die (Unterwasser-)Welt nicht mehr in Ordnung: Anfang des Jahres schreckte ein Schreiben der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord Angler, Anwohner und Ortsgemeinde auf: Die Behörde empfahl dringend, keinen Fisch aus dem sogenannten "Märchen" zu verzehren - die Tiere im Teich könnten mit Perfluorierten Tensiden (PFT) verseucht sein (der TV berichtete). Die biologisch nicht abbaubare Chemikalie steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bis 2007 wurde die Substanz in erhöhter Konzentration in Feuerlöschmitteln verwendet. Und damit stand auch die Ursache so gut wie fest: Die Feuerwehr des Spangdahlemer Flugplatzes hatte über Jahre hinweg in Sichtweite des Teichs einen Übungsplatz betrieben, auf den regelmäßig große Mengen an Löschschaum niederregneten. So drang die Substanz in den Boden und über das Grundwasser hinüber zum Binsfelder See, von wo aus sie auch ins Abwassersystem, der Verbandsgemeindewerke Wittlich-Land geriet. Als 2012 in der Kläranlage Kailbachtal größere Mengen PFT festgestellt wurden, starteten die Werke eine umfassende Untersuchung und schlugen Alarm.
Nach Gewässer- und Fischfleischuntersuchungen steht fest, dass die Belastung nicht unbedenklich ist. Nach wie vor besteht Angelverbot im See, und es ist fraglich, ob der Angelsportverein Salmfischer das Gewässer noch auf Dauer von der Gemeinde pachten wird. Den VG-Werken, die den PFT-kontaminierten Klärschlamm aus dem Kailbachtal teuer entsorgen müssen, sind bisher Kosten im hohen sechsstelligen Bereich entstanden.
Mehr als ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Desasters wissen die Betroffenen noch immer nicht, wie es weitergehen soll - auch wenn sich inzwischen Mainzer Parlamentarier für den Fall interessieren.
Die Ortsgemeinde hat bisher keine konkreten Ergebnisse und keine Aussagen zu möglichen gefährlichen Grenzwerten. "Es liegen zahlreiche Untersuchungswerte vor, aber das sind nackte Zahlen", sagt Ortsbürgermeister Walter Faber, "ob man mit dem Wasser auch das Gartengemüse gießen kann, das wissen wir nicht. Auch nichts zum Wasserzustand unseres kleinen Linsenbachs." Ohne genaue Fakten gebe es auch keine Entscheidung, was aus dem Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Angelsportverein (ASV) werde.
Viel schlauer ist auch der Verein selbst nicht, obwohl er auf eigene Kosten ein Fachlabor mit einer Fischgewebeanalyse beauftragt hatte (der TV berichtete). "Das ist weiter alles in der Schwebe", sagt ASV-Vorsitzender Dieter Faber. Eher lachhaft empfinde man im Verein die jüngste Empfehlung, monatlich nicht mehr als 0,9 Kilogramm Fisch aus dem Teich zu essen. "Bei einem guten Hecht mit sechs Kilo sitzt dann ein Esser ein halbes Jahr dran. Ein Witz!", sagt Dieter Faber, "jeder weiß, was mit unseren Fischen los ist - auf einem Vereinsfest brauchen wir die erst gar nicht anbieten."
Wie schon berichtet, haben Gemeinde, Verein und Werke Schadensersatzanträge an den Bund als Eigentümer des Flugplatzgeländes gestellt. Die Prüfung bei der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (früher Bundesvermögensverwaltung) läuft. Rückmeldungen von dort gibt es noch keine.
Nach einem Besuch von Mainzer Parlamentariern und des SGD-Präsidenten hoffen die Betroffenen nun auf eine dabei angekündigte öffentliche Info-Veranstaltung (siehe Extra). Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Meinung: Fischen im trüben Teich


PFT im Binsfelder "Märchen": Vor mehr als einem halben Jahr wurde das Problem erstmals bekannt. Eine Analyse des Wassers durch ein Fachlabor dauerte Monate, die Untersuchung der darin lebenden Fische wurde amtlicherseits abgelehnt. So ließ der betroffene Angelsportverein die Fische auf eigene Rechnung untersuchen. Doch am Ende waren alle so schlau wie vorher. Die Ergebnisse bestanden aus Zahlen und chemischen Kürzeln. Wie gefährlich - oder vielleicht auch harmlos - die Gewässerverunreinigung tatsächlich ist, können Laien daraus nicht ablesen. Kaum hilfreich ist auch der amtliche Hinweis, dass der Grad der Wasserverschmutzung unterhalb der Gefahrengrenze liege, wenn dann gleichzeitig davor abgeraten wird, größere Mengen Fisch aus dem Teich zu verzehren. Bald aber soll die große Aufklärung folgen - irgendwann nach den Sommerferien und noch vor den Herbstferien. Man darf gespannt sein.
mosel@volksfreund.de
Extra: Weiterdrehe Binsfeld


Vor wenigen Tagen trafen sich auf Einladung der grünen Landtagsabgeordneten Dietmar Johnen und Jutta Blatzheim-Roegeler, örtliche Kommunalpolitiker und SGD-Präsident Ulrich Kleemann in Binsfeld, um sich über die Problematik am Ort zu informieren. Dabei wurde eine öffentliche Informationsveranstaltung angekündigt, die noch vor den Herbstferien in Binsfeld stattfinden soll. Dabei sollen Experten der SGD Nord die PFT-Belastungen im Binsfelder Fischteich und im Linsenbach und die damit verbundenen Belastungen detailliert erläutern.