Stille Gehaltserhöhung

HOCHWALD. Im Jahr 1783 wusste ein gewiefter Lehrer und Küster aus dem Hochwald auch ohne ver.di, wie er sein mickriges Gehalt aufbessern kann: Er forderte Feuerholz von seinen Schülern ein.

Zu allen Zeiten spielte das liebe Geld eine dominante Rolle, besonders dann, wenn es um die Anhebung der Bezüge ging, und das nicht erst, seit es ver.di gibt. Die Gehaltsforderungen unserer Tage haben ihre Vorbilder in der Vergangenheit. Nur die Mittel, das erstrebenswerte Ziel zu erreichen, haben sich geändert. Ein Lehrer aus dem Hochwald fand 1783 sein "Gehalt" wirklich etwas mickrig. Die Gemeinde stellte ihm eine feuchte Wohnung, eine Wiese und zwei Felder zur Verfügung, zahlte ihm je Schulkind noch ein geringes "Schulgeld" und lieferte ihm 15 Wagen Brennholz. Doch das reichte nicht, meinte der wackere Schulmeister. Was sind schon 15 Wagen Holz für den kalten Winter im Hunsrück? Seine Eingaben an die Gemeindeväter blieben unbeantwortet, sein Bitten und Betteln halfen nichts, also griff er zur Selbsthilfe - wie gesagt, ver.di gab es noch nicht. Bei der Allmacht seiner dörflichen Autorität war es für ihn ein leichtes Spiel, sein Ziel zu erreichen. Er befahl kurz entschlossen den Kindern, täglich ein Scheid Holz zur Schule mitzubringen, ansonsten drohte ihnen was. Doch diese Aktion der "stillen Gehaltserhöhung" missfiel den braven Eltern. Sie wandten sich mit einer "unterthänigsten Bittschrift" an die Schulaufsicht, direkt an den Kurfürsten Clemens Wenzeslaus in Trier. Sie baten den "durchlauchtigsten" Kurfürsten, den Schulmeister anzuweisen, dass er mit dem von der Gemeinde gelieferten Holz zufrieden sein möge. Außerdem solle er sich mehr um die "Schullehr" als um seinen Ackerbau kümmern. Der Kurfürst entsprach der "unterthänigsten Bittschrift". Also nichts mit Gehaltserhöhung! Übrigens: Der besagte Lehrer und Küster versah seinen Dienst in dem stillen Hochwalddorf von 1775 bis 1829, im Alter von 79 Jahren legte er sein Amt nieder. Wenn das der "Münte" wüsste, würde er zu seinen geforderten "67" noch eins draufsetzen, oder? Der Autor dieses Artikels, Kurt Bach, ist Vorsitzender des Kulturgeschichtlichen Vereins Hochwald. Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, einen für viele unverständlichen Namen eines Hauses, einer Straße oder eines Flurstücks erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Stadtgeschichten" mit ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer für etwaige Rückfragen an die E-Mail-Adresse hunsrü ck@volksfreund.deWichtig für eine rasche Veröffentlichung ist, dass ihre Geschichte knapp formuliert ist und etwa 60 Druckzeilen à 30 Anschläge umfasst. Falls Ihnen ein historisches Foto vorliegt, ist uns dieses (hinreichende Qualität vorausgesetzt) auch willkommen.