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Kleingärner: Stille Idylle am Rande der Stadt

Kleingärner : Stille Idylle am Rande der Stadt

In der Laubensiedlung am Lieserufer ist Ruhe eingekehrt. Die Stadt hat immer noch Interesse am Kauf der Flächen, verfolgt das aber nicht mehr mit oberster Priorität.

„Ich mag es gerne scharf“, sagt Peter Krämer und zeigt dabei stolz auf die Peperonipflanzen in seinem großen Gewächshaus, die allerdings noch keine Früchte tragen. Krämer bereitet gerade das Gemüsebeet seines Schrebergartens am Wittlicher Lieserufer auf den Sommer vor.

Auf der Nachbarparzelle sitzt Manfred Haase auf einer kleinen Bank und genießt die Kirschen, die er gerade vom Baum gepflückt hat. Für eine Bekannte, die im Urlaub ist, schaut er ab und zu im Garten vorbei und erfreut sich an den blühenden Pflanzen: „Ist es nicht schön hier?“, fragt Haase.

In der Schrebergartensiedlung gegenüber des neugestalteten Lieserufers ist Ruhe eingekehrt. Vor wenigen Monaten sah das noch  anders aus: Nachdem die Stadt angekündigt hatte, die Flächen aufkaufen zu wollen, um dort eine Veranstaltungsfläche zu errichten, machte sich unter den Laubenbesitzern Sorge breit (der TV berichtete). Viele hatten Angst um ihre eigenen Flächen oder von der Stadt gepachteten Gärten.

„Hier will niemand verkaufen“, sagt Peter Krämer und wiederholt damit seine Aussage, die er Anfang des Jahres gegenüber dem TV geäußert hatte. „Alle Gärtner sind entschlossen, ihre Flächen zu behalten. Und solange das so bleibt, bin ich guter Dinge, dass wir hier noch viele schöne Momente erleben können.“ Der 70-Jährige hängt mit Leib und Seele an seinem Stück Grün. Schon sein Urgroßvater habe den Garten seit Ende des 19. Jahrhunderts unterhalten. „Das will ich nicht so schnell aufgeben“, erklärt Krämer.

Und auch die Artenvielfalt auf dem Gelände schätzt er sehr. „Das Areal ist ein richtiges Naturparadies. Hier kann man 28 Vogelarten beobachten, Fledermäuse kreisen in den Abendstunden umher, und sogar Ringelnattern kann man ab und zu entdecken.“ Wenn man hier alles zubauen würde, sagt Krämer, ginge in seinen Augen etwas verloren, was man so schnell nicht ersetzen könne.

Seine Freizeit genießt auch der türkischstämmige Laubenbesitzer Bilgay Bayram in der Laubensiedlung. Er sagt: „Ich finde die Art, wie die Stadt auf die Eigentümer der Gärten zugegangen ist, unangebracht. Bis auf die Kaufangebote, die jeder hier Ende vergangenen Jahres erhalten hat, haben wir nichts von der Stadt gehört.“

Dabei hatte Bürgermeister Joachim Rodenkirch auf einer Stadtratssitzung im Frühjahr angekündigt, die Schrebergärtner zu einem runden Tisch einladen zu wollen. Wie eine Kleingärtnerin, die ihren Name nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt, habe aber kein Schrebergärtner bislang diese Einladung erhalten.

 Manfred Haase erläutert:  „Wenn man mit solch niedrigen Kaufpreisen für die Flächen ankommt, soll die Stadt sich nicht wundern, dass hier niemand über einen Verkauf nachdenkt.“ Er kümmert sich zwar nur um den Garten, teilt aber auch die Meinung der Eigentümer. „Jeder Laubenbesitzer hat hier das Recht, selbst zu entscheiden, was mit seinem Grundstück geschieht“, erklärt Haase. „Und wie man sieht, wächst und gedeiht alles hier wunderbar. So gefällt es mir.“

Der TV hat auch bei der Stadt nachgefragt, ob diese noch an den Gärten interessiert sei und wie das weitere Vorgehen geplant ist. Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt Wittlich, sagt: „Der Wirtschaftsausschuss hat den ursprünglich festgelegten Verkaufspreis nochmals in seiner Sitzung am 6. März bestätigt. Die von einigen Gartenbesitzern geforderten höheren Kaufpreise fanden keine Zustimmung.“

 Noch ist unklar, warum es noch nicht zu einem Treffen von Gärtnern und der Stadt gekommen ist. Stöckicht erklärt: „In den Gremien besteht Einigkeit darüber, den Ankauf der Gärten vorerst nicht mehr mit oberster Priorität zu verfolgen.“ Die Einberufung eines runden Tisches mache also zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn. „Dennoch haben wir versucht, mit allen Gartenbesitzern nochmals Kontakt aufzunehmen, um mögliche Kaufoptionen oder Grundstückstauschgeschäfte zu besprechen. Leider ist uns die Kontaktaufnahme für ein zweites Gespräch nicht in allen Fällen gelungen.“

Selbstverständlich bestehe auch weiterhin die Möglichkeit, die in Rede stehenden Gartenflächen zu den festgelegten Preisen zu verkaufen. „Unsere Grundstücksabteilung ist jederzeit ansprechbar“, sagt Stöckicht abschließend.