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Stille Stars: Ehrenamtliche in Bernkastel-Wittlich für Engagement ausgezeichnet

Auszeichnung für „Stille Stars“ : Ein Kirchenraum wird zum Festsaal: So engagieren sich Menschen im Kreis Bernkastel-Wittlich, um anderen zu helfen

Wenn eine Handwerksfamilie oder eine verlassene Ehefrau mit Kindern in Not gerät, hilft die St.Josefsbruderschaft in Wittlich. Dafür ist sie zusammen mit weiteren Gruppen und Einzelpersonen ausgezeichnet worden. Denn ehrenamtliches Engagement ist vielfältig, wie die diesjährigen Geehrten demonstrieren.

176 Jahre gibt es die St. Josefsbruderschaft Wittlich, und ihre Arbeit ist heute noch genauso wichtig wie damals, als sie gegründet wurde. Die kirchliche Gemeinschaft aus 150 Wittlicher Bürgern unterstützt Menschen, die von sozialer Not und Härtefällen betroffen sind. Beispiele sind eine Handwerksfamilie, die durch Krankheit oder Tod in Not geraten ist oder eine Frau mit Kindern, die vom Mann verlassen wurden und wo deshalb das Geld für die Heilige Kommunion fehlt. Dazu unterstützen sie den Klinik-Clown, das Altenzentrum, die Weihnachtsbaumaktion der Caritas und vieles mehr. Der Vorsitzende Helmut Marmann nahm mit drei weiteren Mitgliedern den Preis von Landrat Gregor Eibes entgegen.

Die jüngste ausgezeichnete ehrenamtliche Initiative, die den Preis in der Synagoge erhalten hat, ist „Wittlich-Land & Stadt hilft sich“. Daniel Müller hat sie auf einer Internetplattform im März 2020 gegründet, als der Corona-Lockdown gerade begann und niemand mehr auf den Straßen war. „Was machen jetzt die Menschen, die alleine zu Hause sind?“ hat er sich gefragt.

Sein erster Eintrag am Abend in der Gruppe war eine Anleitung zum Händewaschen. Am nächsten Morgen hatte die Gruppe 180 Mitglieder. Heute sind es 2799 Personen. Einkäufe haben sie erledigt, Fahrten zu Ärzten und Krankenhäusern übernommen, mit Behörden zusammengearbeitet und Firmen haben ihnen Hilfe angeboten. „Wir sind zu einem Komplett- Hilfsangebot- Anbieter gewachsen“, sagt Daniel Müller, dessen Gruppe von Michaele Schneider, Bernd Eis und Wolfgang Ohlig unterstützt wird. Bei der Hochwasserkatastrophe im Kreis haben sie ebenfalls geholfen, etwa bei der Wohnungssuche.

Die Idee, die Filialkirche in Papiermühle zu einem multifunktionalen Raum umzubauen, hatte die Dorfgemeinschaft Papiermühle aus Neumagen-Dhron-Papiermühle. Jetzt können dort nicht nur Gottesdienste gefeiert werden, sondern auch private oder Vereinsfeste. 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden dafür investiert. Daneben organisieren sie Wanderungen, Märkte und so manche Gemeinschaftsangebote wie Frauengymnastik.

Bei den Einzelpreisen würdigte Landrat Gregor Eibes Heinz Wagner aus Gornhausen, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Da er im vergangenen April verstorben ist, hat sein Sohn stellvertretend den Preis übernommen. Der Landrat lobte Heinz Wagner als einen Zehnkämpfer im Ehrenamt, denn er übernahm sowohl im kommunalen, kirchlichen und vor allem im gemeinschaftlichen Leben Verantwortung. Er hat 50 Jahre im Sportverein gewirkt, jahrzehntelang bei der Feuerwehr, im Reitverein sowie im Heimat- und Kulturverein.

In Zeltingen-Rachtig ist Erich Morbach seit vielen Jahrzehnten in der Feuerwehr aktiv, hat dabei mit viel Fingerspitzengefühl die Fusion der Wehren aus Zeltingen und Rachtig begleitet. Bei der Notfallnachsorge und den Blutspendeterminen ist er ebenfalls sehr engagiert.

Bis zu sechs Stunden täglich hat Renate Wagner aus Maring-Noviand im Seniorenheim in Piesport während der Corona-Pandemie verbracht und die Einsamkeit der älteren Menschen gelindert. Sie hat ihnen zugehört, vorgelesen und war für in dieser schwierigen Zeit für sie da. Für alte Menschen hat Karin Hettgen aus Sehlem ebenfalls Zeit, und das seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Einmal pro Woche ist sie im St. Wendelinus, um Besorgungen für die älteren Menschen zu erledigen oder um mit ihnen zu sprechen.

Für die Kultur seines Heimatortes Kleinich hat sich Kurt Stumm eingesetzt, indem er das „kleine Scheunenmuseum“ unterhalten hat, bei der Erstellung der Ortschronik mitgewirkt und im Heimat- und Verkehrsverein aktiv war. Verdient hat er sich zudem in der Kommunalpolitik gemacht.

Woher Elke Merges aus Hupperath die Zeit und die Kraft für ihren Beruf als Intensivkrankenschwester und ihre Ehrenämter in der Palliativbetreuung, der Dorfgemeinschaft, dem Karneval und bei der Aktion „Herzkissen“ für Brustkrebspatientinnen nimmt, ist nicht nur dem Landrat ein Rätsel, sondern vielen Menschen, die sie kennen. Sie selbst sagt einfach: „Das läuft schon.“

Mit Laufen beziehungsweise Nordic Walking haben sich Doris Atzor und Ilona Spang ihren „Stillen Star“ verdient. Bei ihren Sportrunden in ihrer Heimatgemeinde Salmtal sammeln sie den Müll, der in der Natur liegt und verbinden so Umweltschutz mit Sport. In der Jugendarbeit waren sie zudem aktiv. Für einen feierlichen Rahmen sorgten Ingrid Wagner, Rolando Valdés und Alexandra Rubas.