Stilles Rorodt
RORODT. (urs) Die Gemeinde Rorodt muss derzeit nicht nur ohne Glocke, sondern auch ohne Glockenturm auskommen. Die Kosten für eine neue Holzbalkenkonstruktion samt Sanierung der Glocke belaufen sich auf 8700 Euro.
Im knapp 60 Einwohner zählenden Rorodt ist es dieser Tage stiller als sonst. Grund dafür ist die fehlende Glocke, die sich samt Glockenturm auf den Weg zur Werkstatt gemacht hat. Die Rascheider Zimmerei Paul Ludwig arbeitet derzeit an einem neuen Turm aus Eichenbalken. "Das war ja alles faul", erklärt Ortsbürgermeister Hermann Klein, warum der Turm, eine hölzerne Balkenkonstruktion, komplett abgebaut werden musste. Die Zimmerei sei als Generalunternehmer auch mit der Sanierung der Glocke beauftragt, was alles in allem 8700 Euro koste. Für die Gemeinde ist damit aber noch nicht alles bezahlt. Zum einen müssten neue Fundamente gegossen werden, so Klein. Ein zweiter Kostenfaktor könnte der Giebel der Gemeindescheune sein, vor dem der Turm üblicherweise seinen Platz hat. Denn der hänge sehr schief, so Klein. Daher werde überlegt, diesen eventuell gleich mitzuerneuern. Der Wiederaufbau des neuen Turmes an gleicher Stelle werde sich deshalb wohl noch hinziehen, vermutet Klein. Eine vollkommene eigene Geschichte hat die Rorodter Glocke, wie Glockenforscher Edgar Schwer in Erfahrung brachte. Nach der Beschlagnahmung im Jahre 1942 schien sie eigentlich verloren, so der Otzenhausener. 1945 habe sie sich jedoch unerwartet unter tausenden von Glocken im Hamburger Glockenlager wiedergefunden, von wo aus sie in ihr "stilles Hunsrückdorf" zurückgekehrt sei. Die unsignierte Glocke ist laut Schwer dem Prosterather Glockengießermeister Peter Cornely zuzuordnen. In jedem Fall sei sie "ein denkmalgeschütztes Objekt". Das Thema steht am Dienstag, 18. Oktober, auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Er tagt um 19.30 Uhr im Gemeindehaus.