Stöpsel im Tank

MINHEIM. Als sowieso eine neue Heizung fällig war, machten sie "Nägel mit Köpp" und tauschten den Brennstoff Öl gegen den Brennstoff Holzpellets ein. Margit und Paul Hoffmann sind bisher gut damit gefahren.

Die Hoffmanns sind zu sechst und haben neben dem eigenen Winzerbetrieb regelmäßig Übernachtungsgäste zu versorgen. Da braucht es eine zuverlässige Heizungs- und Warmwasserversorgung. Die war bisher traditionell über das Öl gewährleistet. Die Zeit der alten Heizung war im vergangenen Jahr jedoch abgelaufen: Eine neue musste her. Nach sorgfältigem Abwägen entschieden sich Margit und Paul Hoffmann für eine Holzpelletsheizung. "Was wir selbst vorher so klar nicht gewusst haben: Holz verbrennt CO2-neutral", erläutert Margit Hoffmann den Weg der Entscheidungsfindung. Das heißt: Beim Verbrennen von Holz wird nicht mehr CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, als wenn es im Wald verrottet. Schnell war klar, dass sie Holz bevorzugen. Schließlich wächst es in der Region, die Transportwege sind kurz, und der Geruch von Heizöl im Keller war ihnen schon lange zuwider. Blieb die Frage zu klären, in welcher Form man das Holz verheizen solle: am Stück, als Hackschnitzel, oder als Pellets? "Für Pellets sprach insbesondere, dass alles vollautomatisch läuft", sagt Paul Hoffmann. Als Winzer ist er oft unterwegs zu Kunden, und auch seine Frau ist nicht immer daheim. Bedienerfreundlich sollte es schon sein, und gegen Hackschnitzel sprach die mangelnde Lagerkapazität im Hoffmann'schen Haus. Als Lagerraum für die Pellets dient heute der Raum im Keller, in dem früher der Öltank stand. Eigenhändig baute Hoffmann eine Verschalung, deren schrägstehende Wände für das nötige Gefälle der Pellets auf dem Weg zu der Schnecke sorgen, die sie in Richtung Brenner befördert.Alte Heizkörper und Leitungswege bleiben

In Minheim entschloss man sich für den Pelletstransport mit Hilfe einer automatischen Ansauganlage. Dieses System kann, wenn die örtlichen Gegebenheiten ungünstig sind, einen bis zu 20 Meter langen Transportweg überwinden. Bei Hoffmanns heizen die Pellets auch das Wasser - genau, wie es vorher das Öl getan hat. Gleich neben dem Brenner steht ein 350-Liter-Tank. Dreht einer im Haus einen Wasserhahn auf, erwärmt sich das Wasser an Heizschlangen ähnlich wie bei einem Durchlauferhitzer. Es hat sich am Komfort also nichts geändert - im Alltag läuft alles ab wie immer. Auch die alten Heizkörper und Leitungswege bleiben erhalten. Steigt die Raumtemperatur hoch genug, stellt die Heizung sich ab, und der Brenner läuft nur noch im Minimalbetrieb, um warmes Wasser zu gewährleisten. Über den Jahres-Gesamtverbrauch können die Hoffmanns noch keine zuverlässigen Angaben machen. So viel wissen sie jedoch: Im vergangenen Sommer zahlten sie exakt 40 Euro pro Monat für Warmwasser - für sechs Personen plus durchgängig vermietete Fremdenzimmer. Inzwischen lagert die zweite 7000-Kilo-Ladung Pellets im Keller. "Wenn die Heizölpreise auf dem Niveau von heute bleiben, zahlen wir für unser Pelletssystem etwa dasselbe wie für Öl", sagen beide. Steigen sie weiter, und sei es nur ein wenig, heizen sie billiger. Für die Zukunft halten sie sich die Option offen, ihr System mit Solarwärme zu kombinieren. Technisch kein Problem, warten sie noch ein bisschen, bis die Preise für Sonnenkollektoren fallen. "Betankt" wird der Vorratsraum übrigens ähnlich wie früher: Ein Lieferwagen schließt einen Schlauch an der Zuleitung in der Hauswand an und bläst mit Druck Tausende Holzstückchen hinein, von denen jedes etwa so groß ist wie der Stöpsel eines Filzstiftes. Sollte das vollautomatische System einmal ausfallen, kann der Ofen, bis der Fachmann kommt, alternativ mit Stückholz befeuert werden. "Ich habe es ausprobiert", berichtet Margit. " Es hat funktioniert. "