Stolpersteine für Veldenz

Ebenso einstimmig wie zuvor die Gemeinderäte in Brauneberg und Mülheim hat sich nun der Gemeinderat Veldenz für das Verlegen von Stolpersteinen ausgesprochen. Die Initiative des Vereins "Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage" zielt darauf ab, in allen Dörfern der ehemaligen Grafschaft Veldenz an ehemalige Mitbürger zu erinnern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

Veldenz. Eine eigene jüdische Gemeinde hat es in Veldenz wohl nicht gegeben. Bei den acht bis zehn jüdischen Bürgern, die um 1930 im Ort lebten, handelte es sich eher um Nachkommen aus Nachbardörfern wie Brauneberg, wo es auch eine Synagoge gab. Dennoch hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eindeutig für das Verlegen von Stolpersteinen (siehe Extra) ausgesprochen. Vor drei Häusern, in denen 1933 jüdische Mitbürger lebten, sollen sie in gemeindeeigene gepflasterte Gehwege oder Rinnen verlegt werden. Ortsbürgermeister Norbert Sproß bezeichnete die Initiative als schöne Geste. Die Gemeinde könne so der "verabscheuungswürdigen" Geschichte und dem, was den Menschen angetan worden sei, Rechnung tragen. Zuvor hatte er die Beweggründe für die Aktion verlesen. Passanten sollten über die verlegten Steine nicht stolpern, sondern innehalten und der Opfer gedenken.

Der Verein Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage, der die Aktion über Spenden finanziert, will in allen Dörfern der einstigen Grafschaft Veldenz Stolpersteine verlegen. Zur Grafschaft Veldenz gehörten Brauneberg, Burgen, Gornhausen, Mülheim und Andel, heute Stadtteil von Bernkastel-Kues, wo bereits Stolpersteine liegen. Die Steine sollen an Bürger erinnern, die wegen ihres Glaubens oder auch aus anderen Gründen Opfer des Nationalsozialismus wurden.

Nach Aufzeichnungen des früheren Veldenzer Ortsbürgermeisters Philipp Kruft gab es um 1930 drei Häuser, in denen jüdische Bürger lebten: zwei Geschäftshäuser in der Linden- und in der Hauptstraße — dort ist noch heute ein Lebensmittelladen — sowie das Haus eines Viehhändlers in der Winzergasse. Erste Erkundigungen von Ratsmitgliedern bestätigen das. In weiteren Gesprächen mit älteren Bürgern hofft Sproß, zusätzliche Erkenntnisse gewinnen zu können.

Von den damals in Veldenz lebenden Juden hat die Zeit des Nationalsozialismus vermutlich keiner überlebt. Allerdings gibt es nicht immer ein Todesdatum, so dass weiter recherchiert werden soll. Ähnlich wie in Brauneberg, dessen Rat sich wie der von Mülheim einstimmig für Stolpersteine ausgesprochen hat. Im 17. Jahrhundert lebten im damaligen Dusemond (der Ort wurde 1925 in Brauneberg umbenannt) 17 jüdische Familien und 1933 wohl noch mehr als 20 in etwa 15 Häusern. Laut Yaghoub Khosch lessan, Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage, sah das in Mülheim möglicherweise anders aus. Dort seien wohl mehr als zehn Juden ansässig gewesen, die aber rechtzeitig hätten auswandern können. Aus Burgen wisse er nur von einer Frau, die deportiert und ermordet worden sei, während in Gornhausen wohl keine Juden gelebt hätten.EXTRA Stolpersteine: Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat deutschlandweit in rund 500 Gemeinden — darunter Trier, Bernkastel-Kues, Schweich, Talling und Losheim — Stolpersteine verlegt. Sie tragen die Namen sowie Geburts- und Todestag ehemaliger Bürger. Mit seinem 1993 gestarteten Projekt will Demnig, der selbst weder Täter noch Opfer in der Familie hat, nicht nur an jüdische Mitbürger erinnern, sondern auch an Opfer wie Roma und Sinti oder politisch Verfolgte. Je mehr Steine verlegt würden, umso größer werde das Interesse, "Geschichte nicht dem Vergessen anheimzugeben", begründet er das meist über Spenden und Patenschaften finanzierte Engagement. (urs)