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Stopp für Biker auf Traumschleifen

Verbot vom Nationalpark : Stopp für Biker auf Traumschleifen

Das Nationalparkamt verbannt Radfahrer von Wanderpfaden im Park. Das sorgt in Radlerkreisen für Proteste.

Mountainbiker wollen die Natur erfahren. Mit dem eigenen Rad, über Stock und Stein, am liebsten im naturbelassenen Wald. So wie Gavin Pfeiffer aus Breit im Hunsrück. Er ist mit seinem Rad gerne auf Traumschleifen unterwegs. Auch im Nationalpark (NP). Doch jetzt vermiesen ihm Verbotsschilder die Tour. Denn auf seiner „Haus- und Hofstrecke“, der Traumschleife Gipfelrauschen auf dem Erbeskopf, sind seit kurzem Verbotsschilder für Radfahrer angebracht. Nicht nur diese, sondern auch alle anderen Traumschleifen im Nationalpark seien für Radler gesperrt, schreibt er auf einem vielbeachteten und oft kommentierten Post im sozialen Netzwerk Facebook. „Als es mit dem NP angefangen hat hieß es, es gäbe keine Einschränkungen für Biker“, schreibt er. Und jetzt würden so leise, still und heimlich Verbote eingeführt. „Hier werden Konflikte provoziert, wo überhaupt keine waren“, schreibt er. Pfeiffer sagt im Gespräch mit dem TV, dass ihm Wanderer immer nett und freundlich auf Traumschleifen begegnet seien. Wobei er auch Rücksicht nehme und darauf achte, nicht „durchzuheizen“. Seine Befürchtung: Die Biker würden vom Nationalpark rausgedrängt auf Waldwege. „Diese Traumschleifen sind größtenteils erst entstanden, weil Mountainbiker sie gefunden haben! Die Strecken sind wir schon gefahren, da gab es noch gar keine Traumschleifen“, schreibt er auf Facebook.

Was sagt das Nationalparkamt dazu? Die rechtliche Situation im und außerhalb des Nationalparks sei gleich, sagt Anja Eckhardt vom Nationalparkamt. Es gelten die Regelungen des Landeswaldgesetzes von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes. Diese seien die gleichen wie in der Zeit vor Gründung des Nationalparks. Radfahren sei losgelöst von jedweder Beschilderung im Wald nur auf Wegen zugelassen. Waldwege sind in Rheinland-Pfalz funktional definiert. Was bedeutet, dass sie dem forstbetrieblichen Verkehr dienen müssen. „Pfade und insbesondere Traumschleifen und der Saar-Hunsrück-Steig abseits der Wege oder gar Stege im Moor zählen nicht hierzu“, sagt sie. „Sie sind den Wanderern vorbehalten. Weder die Forstämter noch das Nationalparkamt haben hier Ausnahmegenehmigungen erteilt.“ Das Nationalparkamt habe das Befahren nicht neu verboten, sondern weise mit den Hinweisschildern auf die immer schon geltenden Regeln hin. Durch die höheren Besucherzahlen habe sich die Situation gerade auf den schmalen Pfaden sehr verschärft, sagt sie. Das schon bestehende Verbot sei an den Brennpunkten daher noch einmal mit Schildern kenntlich gemacht worden. „Letztlich sind es Interessenskonflikte unterschiedlicher Nutzergruppen, die es aufzulösen gilt“, sagt Eckhardt. Es werde vermehrt Aufklärungsarbeit auf der Fläche betrieben und eine „Rote Karte“ verteilt (siehe Extra).

Jörn Winkhaus, Geschäftsführer des Wanderbüros Saar-Hunsrück, sagt, dass aufgrund der Corona-Pandemie viele Wandergäste auf den Traumschleifen unterwegs sind. Gleichzeitig nutzten aber auch mehr Radfahrer die Waldwege für ihr Hobby, was zu Nutzungskonflikten und teilweise auch für Gefahren sorge. Radfahrer hätten einen größeren Raumbedarf und bewegten sich schneller fort. Auch bedeute eine Doppelnutzung der Wanderwege zu einer Verschlechterung der Qualität. „Erlaubt war das Befahren der Wanderwege nie – eher wurde es geduldet“, sagt Winkhaus. Entsprechend habe das Nationalparkamt nach geltendem Recht gehandelt und Verbotsschilder angebracht. Andere Kommunen hätten aufgrund der derzeitigen Situation ebenfalls Verbote ausgeschildert, sagt er. Daniel Thiel vom Thalfanger Tourismusbüro sagt, bisher habe es von Wanderern noch keine Beschwerden über Biker auf Traumschleifen gegeben. „Beide Parteien sind sich einig, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt“, sagt er. Lediglich auf dem Erbeskopf habe die Touristinfo freundlich formulierte Schilder aufgehängt, um einen Überfluss von Bikern, die wegen des Trailparks kommen,  auf der Traumschleife Gipfelrauschen zu verhindern.