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Stornierungswelle trifft Hotels und Gastronomen im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Corona-Einschränkungen : „So macht die Arbeit wirklich keinen Spaß mehr“ - Stornierungswelle trifft Hotels und Gastronomen im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Ab Samstag müssen sich auch Geimpfte vor dem Restaurantbesuch testen - ein Rückschlag für die Gastronomie. Das hat auch Auswirkungen auf Weihnachtsfeiern. Die Stimmung - gedrückt. Wir haben mit Betroffenen gesprochen.

Es ist für viele Gastronomen und Hoteliers ein weiterer Schlag in die Magengrube. Ab Samstag, 4. Dezember, dürfen in Rheinland-Pfalz nur noch Geimpfte mit Test Restaurants, Hotels, Kinos und Fitnessstudios besuchen. Das Geschäft mit Weihnachtsfeiern platzt damit für viele Betreiber.

Ein Restaurant, das normalerweise von seinen Gruppenveranstaltungen zum Jahresende lebt, ist das Casino in Wittlich. Hier hagelte es bereits am ersten Tag nach der Bekanntmachung der Corona-Regeln Absagen, wie die Geschäftsführerin der Casino Gesellschaft Wittlich, Waltraut Niles, erzählt: „Wir haben jetzt schon viele Absagen für größere Veranstaltungen bekommen. Ob sich die Besucher generell auf die neuen Regelungen einlassen werden, ist noch nicht ganz klar. Eigentlich sind November und Dezember durch die Weihnachtsfeiern unsere besten Monate. Aber dieses ständige Hin und Her ist einfach nur schrecklich.“

Man hofft, dass sich die Lage im Januar wieder bessert. Niles könnte sich auch vorstellen, bis dahin wieder Essen zum Mitnehmen anzubieten. Viele ältere Menschen kämen oft nur für ein Bier und zum Kartenspielen vorbei. Ob diese sich aber jedes Mal extra testen lassen, sei ungewiss. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde man laut Niles für die kommende Zeit wohl wieder in Kurzarbeit schicken müssen.

Das Bild zieht sich durch fast die gesamte Branche. Für Antonio Ferraro, dem Betreiber der Trattoria Strada 37 in Wittlich, sind die neuen Corona-Regeln eine Katastrophe. „Es haben direkt am ersten Morgen schon Leute ihre Weihnachtsfeiern abgesagt“, sagt Ferraro. „Ich glaube nicht, dass es sich so noch lohnen wird, den Laden offen zu halten. Ich hoffe einfach nur, dass bald alle geimpft sind und das Ganze zu Ende geht. So macht die Arbeit wirklich keinen Spaß mehr.“

In der Säubrennerklause in Wittlich halten sich die Absagen momentan noch in Grenzen. Inhaber Karsten Zöll geht aber trotzdem von einem Umsatzrückgang aus. Die neuen Regelungen sieht er aus Unternehmersicht nicht sehr positiv. Schnelltests vor Ort seien bei ihm nur draußen möglich, im Restaurant sei dafür kein Platz. „Ich hoffe, dass der wirtschaftliche Einbruch nicht so rapide wird“, sagt Zöll. Auch er könne sich vorstellen, in der nächsten Zeit wieder Essen zum Mitnehmen anzubieten.

Markus Plein, Inhaber des Restaurant Altes Kelterhaus in Wintrich, rechnet mit Riesen-Umsatzeinbußen in den kommenden Wochen. „Wir haben schon jede Menge Absagen kassiert“, sagt Plein. „Eigentlich sind wir jeden Tag gut belegt, aber jetzt…. Das ist eine doofe Situation. Die Geimpften haben sich impfen lassen, damit sie wieder ein Stück Freiheit haben, und jetzt sollen sie sich zusätzlich jedes Mal testen lassen, wenn sie essen gehen. 2G hätte auch gereicht.“

Viele Gastronomen und Hoteliers fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. So auch Jörg Steffen, Inhaber des Landhotels Steffen in Lieser: „Wie soll ich über den Winter kommen? Ich habe jetzt schon die ersten Stornierungen.“ Wenn die 2Gplus –Regel gilt, müssen sich alle Besucher, auch Geimpfte, vor dem Besuch testen. „Wer geht denn dann noch spontan hier essen?“ fragt Steffen. Das à-la-carte-Geschäft ginge dadurch völlig verloren. „Ich kann die Leute doch nicht eine Viertelstunde draußen stehen lassen, mal ganz abgesehen vom zusätzlichen nötigen Personal für die Tests. Wir haben keine Planungssicherheit und tappen völlig im Dunkeln“ ärgert er sich. Über Silvester komme traditionell eine Busgesellschaft nach Lieser, die ein paar Tage bleibe –  gerade im Winter ein wichtiger Umsatzposten. Aber momentan sei völlig unklar, ob das überhaupt möglich ist. Hinzu komme der Mitarbeiternotstand. „Wir haben beim letzten Winter-Lockdown schon viele Mitarbeiter verloren, die laufen mir erst recht jetzt weg. Wie soll ich diese Leute mit drei verkauften Schnitzeln am Abend bezahlen?“, fragt Steffen. Aus seiner Sicht müsse jetzt der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Druck machen. „2Gplus ist im Grunde genommen ein Lockdown“, findet er.

Neben den Einschränkungen an sich, sorgt auch die Verunsicherung der Menschen für viele Absagen. Das bekommt auch Christoph Heim vom Reiler Hof in Reil zu spüren: „Wir haben aktuell viele Stornierungen fürs Hotel und das Restaurant“, sagt Heim. „Weihnachtsfeiern wurden bereits abgesagt. Etwa 30 Prozent sind bisher weggebrochen. Wir können von Glück sagen, dass wir die Saison noch so durchziehen konnten. Da wir ein Saisonbetrieb sind, machen wir  ohnehin am 19. Dezember zu.“

Auch beim Moselschlösschen in Traben-Trarbach erwartet man Einbußen, wie Alexander Plein erklärt: „Wir rechnen mit einem Ausfall von wahrscheinlich so zehn Prozent“, sagt Plein. „Der zusätzliche Aufwand wird den ein oder anderen abschrecken. Wir hoffen, dass das Ganze sich im Rahmen hält und wir nicht zu arg davon betroffen werden.“ Die meisten Geimpften seien ohnehin vorsichtig und würden sich regelmäßig erkundigen, sagt Plein. Wie es rund um Silvester wird, lasse sich noch nicht sagen. „Da bleibt einem nur abzuwarten“, sagt Plein. „Aber wir sind solche Probleme inzwischen auch durchaus gewohnt und können uns anpassen.“

Neben den Hotels und der Gastronomie gibt es auch Einschränkungen für den Einzelhandel. Ungeimpfte dürfen ab Samstag nur noch Läden betreten, die der Grundversorgung dienen. Außerdem wird die Anzahl der Besucher pro Quadratmeter wieder begrenzt.

Matthias Bungert, Geschäftsführer des Bungert-Einkaufzentrums in Wittlich, sieht in den Regelungen einen erneuten Einschnitt im Alltag. Vor allem mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft: „Im Untergeschoss können nach den neuen Regeln 500 Kunden gleichzeitig einkaufen, was jetzt rund um den Nikolaus-Tag aber schnell erreicht sein wird“, sagt Bungert. „Die Eingänge werden wir kontrollieren müssen. Hoffentlich müssen die Leute da nicht draußen im Regen stehen und warten.“

Bungert rät generell, möglichst früh vor Nikolaus und den Festtagen einkaufen zu gehen. Auch weniger frequentierte Zeiten, wie zwischen 18 und 20 Uhr würden sich lohnen. Zudem sollte man für einen stressfreien Einkauf Freitage oder Samstage vermeiden.

Zumindest im Bereich der Lebensmittel sehe der Trend laut Bungert gut aus: „Da den Menschen nicht viel mehr bleibt, als es sich zu Hause mit der Familie schön zu machen, wenn es weitere Einschränkungen gibt, erwarten wir im Lebensmittelbereich keine Einbußen.“

(axw)