Strahlende Menschenkette im Wasser

Strahlende Menschenkette im Wasser

Das Fackelschwimmen in der Mosel ist so alt wie der Bernkastel-Kueser Weihnachtsmarkt. Seit 34 Jahren lockt das lodernde Spektakel Tausende Besucher in die Weihnachtsstadt. Mehr als 160 Fackelschwimmer zwischen elf und 65 Jahren bescherten der Stadt einen Betrieb wie am Weinfest. Auf der Brücke und am Moselufer drängten sich die Menschenmassen, um das feucht-fröhliche Treiben im Fluss zu verfolgen.

Bernkastel-Kues. "Sie kommen", raunt es aus der Menschenmenge. Viele genießen ihren Glühwein und freuen sich, dass die Nässe von oben nachgelassen hat. Ganz gespannt schauen Hannah Haubrich, Kira und Dominik Roos aus Mülheim in Richtung Brücke. Sie sind mit ihren Eltern da und freuen sich auf das einzigartige Erlebnis.
Nach und nach werden in der Ferne auf der glitzernden Wasserfläche tanzende Lichter sichtbar. Rote Mützen erscheinen, fröhliches Gejauchze ist zu hören und der Geruch brennender Fackeln liegt plötzlich in der Luft. Eine schier unendliche Lichterkette nähert sich und passiert den Brückenbogen auf der Bernkasteler Seite. Die Zuschauer erfreuen sich alle Jahre wieder am lustigen Spektakel. Es ist der publikumsstärkste Tag während des Weihnachtsmarktes, ein Großereingis, daß Besucher aus nah und fern anlockt.
Der Sporttaucherclub "Oktopus", Ausrichter der Großveranstaltung, freut sich über die stetig wachsende Teilnahme an Taucher- und Rettungsschwimmergruppen aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. "Es werden jedes Jahr mehr", bestätigt Petra Keukert-Kraemer, die sich mit Ehemann Klaus um die Organisation zu Wasser und zu Land kümmert. "Neben dem Riesenspaß, den die Teilnehmer haben, tragen wir mit unserer einzigartigen Aktion auch zur Belebung des Weihnachtsmarktes bei", versichert sie. Für die Sicherheit auf dem Wasser sorgen die Wasserschutzpolizei und die Freiwillige Feuerwehr Mülheim-Brauneberg.
"It\'s so wonderful" , staunen amerikanische Zaungäste aus Spangdahlem. Solch ein fantastisches Schauspiel kennen sie aus ihrer Heimat nicht. Auch eine 20-köpfige Schwanengruppe unter der Brücke "staunt", nimmt aber Reißaus vor den unbekannten roten Mützen. Die ersten Froschmänner und -frauen haben das Ufer in der Nähe des Tiefenbaches erreicht. Auf dem Fluss kreist die Barke des Bernkasteler Rudervereins 1874 mit St. Nikolaus. Weihnachtliche Blasmusik erklingt, Kinder warten auf den Heiligen Mann und seinen Geschenkesack.
"Ich steh\' im eigenen Saft", lacht Reinhard Zunker von den "Bit Divers". Er trägt einen Trockenanzug, andere bevorzugen Nassanzüge (Wasser kann eindringen und zirkulieren). "Ohne diese speziellen Anzüge würden die Schwimmer unterkühlen mit der Folge von Muskelstarre", erklärt Petra Keukert. Die meisten Fackelschwimmer haben nach über 45-minütiger Reise im Wasser wieder festen Boden unter den Flossen, die Thailänderin Kanokwan Zunker wärmt ihre Hände am Fackelfeuer. "Das war anstrengend aufgrund der geringen Strömung, aber auch fantastisch, sagt Wolfgang Pastor. "Du liegst im Wasser und schaust auf die hell erleuchtete Burg mit dem Adventsstern - das ist wirklich ein Traum", schwärmt der Werbekreisvorsitzende, der "schon ewig" mitmacht. Zum ersten Mal dabei ist die Engländerin Carol Jull. Vor vier Jahren sah sie das Spektakel erstmals. Anfangs hielt sie die Schwimmer für "verrückt", in diesem Jahr wollte die Rettungsschwimmerin den "Riesenspaß" am eigenen Leib erfahren. Und mit ihrem Fazit "es macht süchtig" spricht sie den vielen Fackelschwimmern aus der Seele. mbl