| 20:35 Uhr

Straßen an der Mosel sind für Kinder sicher

Bernkastel-Wittlich. Geringes Unfallrisiko für die Kinder auf den Straßen im Kreis Bernkastel-Wittlich: Laut aktuellem Kinderunfallatlas liegt der Kreis bundesweit bei der Unfallquote von bis 15-Jährigen auf Platz 89. Gründe, weshalb das so ist, können weder der Kreis noch die Polizei nennen. Alexander Schumitz

Bernkastel-Wittlich. "Acht Verletzte bei zwei Unfällen im Hunsrück" Meldungen wie diese aus Morbach vom 5. März finden sich gelegentlich im Volksfreund. Bei einem der beiden Unfälle wurde laut Polizei ein Junge im Kindergartenalter leicht verletzt, als ein Lastwagen von einem Auto auf ein anderes Fahrzeug geschoben wurde, das von der Bundesstraße 327 in eine Tankstelle abbiegen wollte. Dies ist nur ein Beispiel von etlichen Unfällen in der Region, an denen Kinder oder Jugendliche beteiligt waren. Zum Glück finden sich solche Meldungen nicht so häufig im Kreis Bernkastel-Wittlich.
Pro Jahr verunglücken laut Kinderunfallatlas (siehe Extra) statistisch gesehen im Landkreis Bernkastel-Wittlich 2,18 von 1000 Kindern. Mit dieser Unfallquote belegt der Kreis in der Region einen guten zweiten Platz. Den ersten nimmt der Landkreis Trier-Saarburg mit einer Quote von 2,06 ein. Beide Kreise liegen weit abgeschlagen hinter dem Landkreis Südwestpfalz (Kinderunfallquote: 1,50), der bundesweit den Spitzenplatz einnimmt. Der Vulkaneifelkreis steht auf Platz 177, der Eifelkreis Bitburg-Prüm auf Platz 293. Die Stadt Trier belegt in Rheinland-Pfalz den viertletzten Platz, nur gefolgt von den Städten Landau (Unfallquote: 4,27), Frankenthal (4,63) und Speyer (5,16). Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Der Kinderunfallatlas soll der Polizei und örtlichen Behörden helfen zu entscheiden, mit welchen Maßnahmen die Verkehrssicherheit für Kinder verbessert werden kann.
Im bundesweiten Vergleich mit 412 Städten und Kreisen steht der Kreis bei den Unfällen, an denen Kinder als Fußgänger beteiligt waren, auf Platz 196 (Unfallquote: 0,57). Neben den Fußgängerunfallzahlen wurden Daten über Unfälle, an denen Kinder als Radfahrer oder Mitfahrer beteiligt waren, erhoben. Hier belegt der Kreis die Plätze 57 (Radfahrer, Unfallquote: 0,55) und 255 (Mitfahrer, Unfallquote: 1,06).
Eine differenzierte Analyse über Unfallschwerpunkte und Gründe, wie die Unfallzahlen zu interpretieren sind, können weder die Autoren der Studie, die Kreisverwaltung noch die Polizei benennen. Klaus Wagner, Vorsitzender der Unfallkommission im Kreis, sagt, dass es "konkret keinen Unfallschwerpunkt mit Kindern im Kreis gibt". Gleichwohl beschäftige die Kommission sich immer wieder mit besonderen Unfall-Konstellationen, beispielsweise mit Unfällen von Kindern an Bushaltestellen. "Die Polizei macht nach jedem Unfall, an dem Kinder beteiligt waren, eine gezielte Ortsbesichtigung", sagt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. Dabei werde auch die Perspektive der Kinder berücksichtigt. Sofern sich daraus Vorschläge für Verbesserungen ergäben, würden diese den Straßenverkehrsbehörden vorgeschlagen.
Mike-D. Winter, Pressesprecher des Kreises Bernkastel-Wittlich, weist darauf hin, dass der Landkreis Bernkastel-Wittlich in Maring-Noviand, Morbach/Thalfang und Salmtal-Dörbach je eine Jugendverkehrsschule betreibt. "Dort werden die Schüler der dritten und vierten Klassen aller 44 Grundschulen im Landkreis zu sicheren Straßenverkehrsteilnehmern auf dem Fahrrad ausgebildet."

Echo: Wo, glauben Sie, müssen Polizei und Verkehrsbehörden handeln, um die Straßen für Kinder sicherer zu machen? Ihre Vorschläge können Sie an echo@volksfreund.de mailen. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift mit an.

Extra

Damit es gar nicht erst zu Unfällen mit Kindern kommt, hatten vor zwei Jahren in Trier die Lokale Agenda 21 und die Mobile Spielaktion auf der ersten Kinder-Zukunftskonferenz mehr als 700 Fragebögen ausgewertet. Ergebnis: 742 Gefahrenstellen wurden in der Stadt von Kindern lokalisiert (der TV berichtete). So etwa die Ecke Nordallee/Paulinstraße: Beim Überqueren der Kreuzung riskieren Kinder, dass sie von einem nach rechts abbiegenden Autofahrer angefahren werden, obwohl die Fußgängerampel auf Grün steht. "Was die Stadtverwaltung für Ideen letztlich realisiert hat, kann ich nicht sagen", berichtet Charlotte Kleinwächter, Geschäftsführerin der Lokalen Agenda 21. "Zugesagt war, die Situation im Kreuzungsbereich Moltke-/Roonstraße mit längeren Ampelzeiten zu verbessern. Das wurde gemacht." itzExtra

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat Ende 2012 einen zweiten Kinderunfallatlas für die Bundesrepublik Deutschland herausgegeben. Für den Zeitraum 2006 bis 2010 wurden alle Unfälle ausgewertet, an denen Personen unter 15 Jahren beteiligt waren und die von der Polizei erfasst wurden. Rund 7,7 Prozent aller im Verkehr Verunglückten sind im Jahr 2010 Kinder. Bundesweit starben im gleichen Jahr 104 Kinder aus dieser Altersgruppe. itz