Streifenfahrten, Notrufe und Terroreinsätze – So vielseitig ist die Polizeiinspektion

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Polizeiarbeit Teil 7 : Streifenfahrten, Notrufe und Terroreinsätze – So vielseitig ist die Polizeiinspektion

In Wittlich gibt es viele Einheiten der Polizei, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt. In diesem Teil der TV-Serie geht es um die Aufgaben der Polizeiinspektion.

Polizeiarbeit ohne die Mithilfe der Bürger? Unmöglich. Das sagt Dominik Sienkiewicz, der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion (PI) Wittlich. „Neun von zehn Straftaten kriegen wir ja überhaupt erst mit, weil uns jemand anruft und davon erzählt.“ Er beschreibt die Bürger als Sicherheitsexperten in ihrem jeweiligen gewohnten Umfeld. Der Bürger merke in seiner Umgebung, in der er sich auskennt, viel schneller, wenn etwas nicht stimmt. Darauf seien die Beamten angewiesen, da Sicherheit eine geteilte Verantwortung ist.

Aber von vorne – wie sieht eigentlich die tägliche Polizeiarbeit in einer Polizeiinspektion aus? Eine richtige Routine gibt es laut Sienkiewicz nicht. Es gebe allerdings wiederkehrende Elemente, wie zum Beispiel die Lagebesprechung am Anfang der Woche. Dort werden anstehende Termine oder mögliche Brennpunkte abgeklärt. „Letztens hatten wir beispielsweise einen Diebstahl von einer Tonne Rohtabak hier in der Umgebung. Erst mal hat sich da nichts ergeben, aber dann haben Kollegen der Polizei Sachsen angerufen und uns mitgeteilt, dass sie auf einem Parkplatz bei Görlitz eine Tonne Tabak gefunden haben“, erzählt der Dienststellenleiter. In solchen Fällen sei der bundesweite Austausch von Informationen wichtig. Die Aufklärungsquote im Bereich der Wittlicher Polizeiinspektion betrug im Jahr 2018 laut Sienkiewicz rund 70 Prozent. Damit könne man durchaus zufrieden sein, sagt der Leiter.

Die PI ist unter anderem für die Streifenfahrten zuständig, die immer mindestens zu zweit gemacht werden. Da auf der Wache in der Inspektion auch die Notrufe eingehen, seien die Polizisten der PI zunächst immer der erste Ansprechpartner, der rausfährt. „Grundsätzlich sind wir erst mal für alles zuständig“, sagt Sienkiewicz. Wenn es dann beispielsweise in die Bereiche der mittleren bis schweren Kriminalität geht, kommt die Kriminalpolizei dazu oder übernimmt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Polizeiinspektionen praktiziert die PI Wittlich das vollflexible Arbeitszeitmodell. Dabei planen die Dienstgruppenleiter im Wechselschichtdienst ihre Dienste eigenverantwortlich. Das führt dazu, dass nicht immer exakt dieselben Gruppen zur selben Zeit Dienst haben und die Gruppen oft unterschiedlich zusammengesetzt sind.

Das Modell des Wechselschichtdiensts ist dafür da, dass die Beamten auf der Dienststelle 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr erreichbar und einsatzbereit sind. Der Frühdienst dauert acht Stunden, der Spätdienst sieben Stunden und der Nachtdienst bis maximal neun Stunden. Warum? „Der Spätdienst ist so kurz, weil er oft am anstrengendsten ist. Das hängt mit dem ganz normalen Leben zusammen, nämlich dem Berufs- oder Rückreiseverkehr oder auch den Schulzeiten“, erklärt Sienkiewicz.

Damit die Beamten auf alle möglichen Situationen vorbereitet sind, sind die Streifenwagen seit einiger Zeit unter anderem mit Maschinenpistolen und ballistischen Schutzhelmen ausgestattet. Zum Beispiel bei einem Amokalarm ist die normale Schutzpolizei oft zuerst am Ort des Geschehens, und dann erst das Spezialeinsatzkommando (SEK). Zeit zu warten ist bei solch kritischen Situationen meist nicht. Aber auch gelbe Warnwesten und Absperrmaterial sind im Streifenwagen mit dabei. Sienkiewicz zeigt auf einen Besen im Kofferraum: „Den brauchen wir ab und zu mal, wenn wir bei einem Verkehrsunfall schon mal grob aufräumen müssen. Das geht manchmal einfach schneller, als auf die Straßenreinigung zu warten.“

Die unangenehme Seite an der Arbeit als Polizeibeamter sind für Sienkiewicz die Situationen, in denen besonders schutzbedürftigen Menschen etwas schlimmes widerfährt, beispielsweise wenn ein Kind zu Tode kommt. „Wir können halt nie sagen ‚Das ist uns jetzt aber zu heftig, wir rufen mal die Polizei’, es gibt nach uns keine Rückfallebene. Natürlich gibt es aber bei uns auch Polizeiseelsorger. Und wenn wir die morgens um vier Uhr anrufen, dann setzen die sich auch sofort ins Auto und kommen zu uns“, sagt der Dienststellenleiter.

Die schönen Seiten seien die Situationen, in denen Menschen geholfen werden kann. „Man ist einfach froh, wenn man Erfolge erzielt. Wie zum Beispiel letztens, als wir eine halbe Stunde vor Feierabend bei der Kontrolle eines LKW einen Bandendiebstahl aufklären konnten, da ging es um Diebstahl von Solarpanels. Da haben wir uns als Team sehr gefreut.“

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