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Streit im Supermarkt in Wittlich endet vor Gericht

Wittlich/Trier : Streit im Supermarkt: Erst fliegt der Kohl, dann die Fäuste

Zweiter Tag im Wittlicher „Norma-Fall“ vor dem Landgericht: Das Wort hatten der Angeklagte und beteiligte Zeugen.

Räuberischer Diebstahl und Körperverletzung lautet der Vorwurf gegen einen 56-Jährigen, der im Februar 2018 im Wittlicher Norma-Markt erst Waren gestohlen haben und dann mit Pfefferspray und Fäusten tätlich geworden sein soll. Es gab dabei mehrere Verletzte und Sachschaden (der TV berichtete). Auf den kurzen Verhandlungsauftakt vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Trier am 10. August folgt ein langer zweiter Sitzungstag.

Zunächst soll der Angeklagte seinen Lebenslauf erläutern. Es wird eine unterhaltsame halbe Stunde, denn dieser Mann redet gerne und viel. Er berichtet: Geboren in der Vulkaneifel, gute und fleißige Eltern, Realschulabschluss, Lehre bei der ehemaligen Bundesbahn, Bahnbeamter im mittleren Dienst und nach 14 Jahren die Entlassung – die zweite Karriere des Mannes hatte begonnen. „Da war ich auf die schiefe Bahn geraten“, sagt er. Danach wechselnde Arbeiten als Schlosser auf Montage, unterbrochen durch vier Haftstrafen nach Straftaten. „Aber ich bin nicht dumm, Herr Richter.“ Schachmeister mit 2500 Punkten sei er, er habe im Kirchenchor gesungen und sei früher einer der besten Fußballer der Eifel gewesen. Und seine vier Haftstrafen habe er wegen tadelloser Führung alle nur zu zwei Dritteln abgesessen. „So habe ich schon 50 Monate Gefängnis gespart“, erklärt er stolz.

Die letzte Strafe von zwei Jahren und neun Monaten endete im August 2017. Ein halbes Jahr später folgte der Auftritt im Norma-Markt. Was dazu aber in der Anklage stehe, so der Angeklagte, sei alles erfunden. Er sei dort von dem Hausdetektiv heftig angefallen worden und habe sich nur mit dem Pfefferspray und Händen gewehrt. Nur, weil er ein Glas Rotkohl bezahlen wollte und ihm dabei an der Kasse eine Dose Fisch aus der Jacke gefallen sei. Die habe er allerdings zuvor im Schweicher Edeka gestohlen.

Sein Verteidiger Jörg Ehlen legt zum Beweis vier Abbildungen von Fischkonserven vor, die alle nur von Edeka stammen können. Später wird der Norma-Marktleiter als Zeuge erklären, dass es sich nicht um eine runde Thunfischdose, sondern um eine längliche Makrelendose aus einer Norma-Aktion gehandelt habe. Auch der Vorsitzende Richter Armin Hardt bestätigt: „Thunfischdosen sind immer rund, das weiß auch ich.“ Etwas unklar bleibt dabei die Sache mit der angeblich gestohlenen Packung Semmelknödel – kein Kartoffelpüree, das ist seit gestern geklärt. Der Angeklagte weist den Knödeldiebstahl zurück, denn „ich gehe schon alles Mögliche klauen, aber keine Knödel für 1,80 Euro“. Jedenfalls hat es danach heftig gerumst im Norma, wie auch ein Video der Überwachungskamera zeigt.

Nur die Schuldzuweisungen zwischen Angeklagtem, Hausdetektiv, Marktleiter und einem Kunden sind gegenläufig. „Ein älterer Mann mit Brille“ – er meint den Marktleiter – „hat mir mindestens zehnmal auf den Schädel gekloppt“, sagt der Angeklagte, der tatsächlich die schwerste Blessur davontrug. Ein Cut unter dem linken Auge musste im Krankenhaus genäht werden. Der Marktleiter, noch stämmiger als der Angeklagte, klagte über Augenreizungen, eine zerschlagene Brille im Wert von etwa 800 Euro und war wie der helfende Kunde mehrere Tage krank geschrieben. Dass er mit zugeschlagen hat, beweist das Video. Zu sehen ist auch, wie der Hausdetektiv den Angeklagten zunächst hinten packt, durch den Kassengang reißt und zu Boden zwingt.

Als Zeuge sagt der Mann: „Ich habe ihn höflich angesprochen, dann hat er das Pfefferspray gezogen. Dabei fiel der Rotkohl runter und es wurde handgreiflich zwischen uns.“

Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag, 28. August, 9 Uhr, fortgesetzt.