Streit um Abstände geht weiter

Wie groß sollen die Mindestabstände von Windrädern zur Heidenburger Wohnbebauung sein? Um diese Frage ging es in einer Gemeinderatssitzung im 700-Einwohner-Ort Heidenburg. Mit einem Einwohnerantrag will die Bürgerinitiative Pro Natur erreichen, dass die Distanz künftiger Anlagen deutlich höher wird als 800 Meter. Diese Zahl steht im Flächennutzungsplan der VG, der noch nicht verabschiedet ist.

Heidenburg. Der Heidenburger Gemeinderat hat die Entscheidung, wie weit Windräder künftig vom Ort entfernt sein sollen, vertagt. Anlass für den Gemeinderat, sich mit dem Thema zu befassen, ist der Einwohnerantrag der BI Pro Natur.
Diese will erreichen, dass beim Bau von "weißen Riesen" bis zu einer Nabenhöhe von 100 Metern ein Mindestabstand von 1000 Metern zum Dorf eingehalten werden soll. Bei höheren Windrädern soll der Abstand das Zehnfache der Nabenhöhe betragen. Im Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Thalfang, der noch nicht verabschiedet ist, soll ein Mindestabstand von 800 Metern festgelegt werden, die Höhe der Windräder spielt dabei keine Rolle. Eigenständig können die Heidenburger den Abstand aber nicht festlegen.
Ludwin Trampert von der BI Pro Natur hat bei der Anhörung vor dem Gemeinderat, bei der sich alle Beteiligten betont sachlich verhielten, und 16 Besuchern die Argumente der BI vorgetragen. Bei einer Unterschriftenaktion in Heidenburg habe man 190 Bürger befragt. Davon haben 170 einen Einwohnerantrag mit den Forderungen der Initiative unterschrieben, sagt Trampert. Er geht davon aus, dass die Anlagen künftig noch höher gebaut würden als bisher üblich und spricht von Windrädern bis zu einer Gesamthöhe von 200 Metern. Da zwei Windanlagen auf einer oberhalb von Heidenburg gelegenen Fläche errichtet werden sollen, würden diese noch "erdrückender" wirken. "Wir lehnen Windräder nicht komplett ab, wollen nur genug Abstand", sagt Trampert. Im Sinne der Lebensqualität bittet er den Gemeinderat, lieber auf eine Windanlage zu verzichten. "Die Gesundheit hat bei den Bürgern eine hohe Priorität."
"Man muss aber auch die Kehrseite sehen, wenn man keine Windräder baut", sagt Erich Scheit von der SPD. Der finanzielle Aspekt sei nicht gering, das Geld würde der Gemeinde und den Bürgern gut tun. Anderenfalls drohten Steuererhöhungen. Andrea Jäger von der SPD fürchtet, dass Privatleute Windräder bauen könnten und die Gemeinde dann leer ausgehen würde. Zudem sei in der VG Thalfang kein Rad mehr zu bauen, wenn man den Abstand zu den Ortschaften auf 1200 Metern vergrößere. "800 Meter sind ein guter Kompromiss", sagt sie. VG-Bürgermeister Marc Hüllenkremer sagt, dass es darum gehe, Bundesrecht umzusetzen.
"Die Energiewende ist beschlossen, wir können uns nicht gegen Gesetze stellen." Zudem sei ein gewisser Lärm zumutbar. Der erste Beigeordnete Alexander Becker spricht sich gegen eine Verhinderungspolitik aus. "Wenn die VG im Flächennutzungsplan 800 Meter festlegt und die Gemeinde sagt, wir wollen 1000 Meter, dann ist das eine erste Verhinderungspolitik." Der Gemeinderat hat beschlossen, es in der Sitzung bei einer Anhörung der BI Pro Natur zu belassen und bei der nächsten Sitzung zu entscheiden. "Es kamen wenig Äußerungen aus dem Rat", resümiert Trampert anschließend. Er geht davon aus, dass die Fraktionen noch intern diskutieren wollen.