Streit um den Archäologiepark Belginum geht weiter

Streit um den Archäologiepark Belginum geht weiter

Die Gemeinde Morbach hat gegen das Belginum-Urteil Berufung eingelegt. Das Arbeitsgericht hatte die von der Kommune ausgesprochene Verkürzung der Arbeitszeit von Museumsleiterin Rosemarie Cordie für unwirksam erklärt. Nun bleibt diese zunächst in Kraft. Die Hunsrück-Touristik kritisiert die Schließung des Archäologieparks für fünf Monate pro Jahr.

Morbach/Wederath. Still ruht das größte Morbacher Museum, doch hinter den Kulissen geht das juristische Tauziehen weiter.
Um zu sparen, hat die Gemeinde Morbach beschlossen, den Archäologiepark Belginum sowie das Telefonmuseum für fünf Monate im Jahr zu schließen.
Für Belginumleiterin Dr. Rosemarie Cordie hatte dies zur Folge, dass ihre ganze Stelle umgewandelt wurde in einen Fünf-Zwölftel-Teilzeitjob. Die 57-Jährige hat gegen diese Änderungskündigung geklagt. Das Arbeitsgericht hat ihr im Dezember recht gegeben und die Kündigung für unwirksam erklärt.
Das wollte die Gemeinde nicht akzeptieren und hat Berufung eingelegt. Bürgermeister Andreas Hackethal, der vor seiner Vereidigung zum Gemeindechef als Rechtsanwalt gearbeitet hat, sagt: "Ich halte das Urteil für falsch, deshalb gehen wir dagegen vor." Bis Ende Februar habe die Kommune Zeit, ihre Berufung zu begründen.
Das Urteil ist damit also nicht rechtskräftig. Dies bedeutet, die Änderungskündigung, die die Museumsleiterin unter Vorbehalt angenommen hat, bleibt vorerst in Kraft. Cordie wird ihren Dienst demnach erst am 15. April wieder aufnehmen.
Geringe Chancen für Berufung


Da ihr vom Bürgermeister untersagt wurde, sich zu äußern, spricht ihre Rechtsanwältin Karin Feth für sie. Feth räumt der Berufung wenig Chancen ein. "Das Gericht hat viele Gründe dafür genannt, dass die Kündigung unwirksam ist." So habe die Gemeinde nicht dargelegt, wie sich die Sparmaßnahmen auf Cordies Arbeitsplatz auswirkten. Zudem sei eine betriebsbedingte, fristlose Kündigung wie in diesem Fall nur bei einer Betriebsstilllegung möglich, sagt die Rechtsanwältin.
Was derzeit leide, sei das Museum. Sachen blieben liegen. Cordie habe Angst um die Einrichtung. Sie ist nicht die Einzige.
Auch Jörn Winkhaus, Geschäftsführer der Hunsrück-Touristik, sieht schwarz. Er sagt: "Fünf Monate zu schließen, bedeutet aus touristischer Sicht das Aus für ein Museum. Es büßt seine überregionale Bedeutung ein." Würden Gastgeber von Mosel und Hunsrück mehrfach niemanden im Haus erreichen, würden sie bald gar nicht mehr anrufen. Winkhaus kritisiert zudem, dass es ohne Museen im Winter kein Schlechtwetterangebot mehr für Touristen gibt.Extra

2002 wurde das Museum Belginum eröffnet. Es steht inmitten verschütteter Überreste eines antiken Straßendorfs und zeigt anhand zahlreicher Funde, wie das Leben an einer Fernstraße in keltischer und römischer Zeit ausgesehen hat. Die Besucherzahl des Museums lag in der Vergangenheit bei 10 000 pro Jahr, allerdings gab es da noch Sonderausstellungen und Grabungen. Letztere wurden eingestellt, weil es kein Geld mehr für die dort tätigen Ein-Euro-Jobber gibt. Auch die Zukunft der Sonderausstellungen ist unklar. Laut Verwaltung betrug das Defizit des Museums 130 000 Euro pro Jahr. 35 000 Euro sollen durch die Kürzung der Öffnungszeiten gespart werden. mai

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