Streit um den Engpass

ANDEL. Der Engpass am Ortseingang soll beseitigt werden. Ein Kritiker glaubt, dass dadurch die Verkehrsbelastung steigt. Ortsvorsteher Kröhner vertritt die gegenteilige Meinung.

Bernkastel-Kues war und ist seit einiger Zeit quasi umzingelt von Baustellen. Vieles ist offenbar möglich, seit die Mautgebühren für den Straßenbau zur Verfügung stehen. Die Stadt sei in absehbarer Zeit von den besten Straßen in der Region umgeben, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port schmunzelnd. Demnächst steht ein weiteres großes Projekt an. Im Stadtteil Andel werden in der B 53 (Goldbachstraße) neue Wasser- und Abwasserleitungen verlegt. Quasi in einem Aufwisch wird die Fahrbahn saniert und fast überall auf eine Breite von sechs Metern gebracht (der TV berichtete). Derzeit stellt sich die Situation auf der von täglich bis zu 7000 Fahrzeugen befahrenen Straße so dar: Teilweise ist die Straße nur 4,60 Meter breit, am Engpass aus Richtung Mülheim sind es gar nur 4,22 Meter. Dort passt immer nur ein Auto auf die Straße, die auch von vielen Lastwagen befahren wird. Stop-and-go-Verkehr ist die Folge. Das Haus soll nach dem Wunsch der Stadt abgerissen werden, damit auch hier eine vernünftige Fahrbahnbreite möglich ist. Die Verkaufsverhandlungen laufen aber noch. Es gibt aber zumindest einen Kritiker: Dr. Joachim Wiesel, ein gebürtiger Andeler, dessen Mutter in der Goldbachstraße wohnt. Er hat auch an einer Einwohnerversammlung teilgenommen. Die Ortsdurchfahrt sei trotz der existierenden Verengungen massiv belastet. Wiesel befürchtet, dass die Verkehrsbelastung durch die "Optimierung" der Durchfahrt weiter zunehmen wird. Die Lebensqualität werde dann weiter gemindert, die Immobilienpreise würden sinken. Die Attraktivität für Touristen tendiere dann gegen Null. Außerdem würden betroffene Grundstücksbesitzer unter Zeitdruck gesetzt. In anderen Städten werde die Fahrbahn verengt, um sie für den Durchgangsverkehr unattraktiver zu machen. In Andel solle dagegen eine Verengung beseitigt werden, damit sie für den Lastwagenverkehr noch attraktiver werde, sagt Wiesel und kritisiert die Vorgehensweise der Kommunalpolitiker. Ortsvorsteher Rolf Kröhner sieht die gegenteilige Wirkung. Mit der Beseitigung des Engpasses entfalle das Abbremsen und Anfahren von Fahrzeugen. Emissionen und Lautstärke würden sich dadurch verringern. Außerdem werde die Fahrbahn am Ortseingang aus Richtung Mülheim verschwenkt. Und zwar so stark, dass Verkehrsteilnehmer unweigerlich abbremsen müssten. "Weil sie sonst nicht wissen, wo sie hinfahren", drückt es Kröhner überspitzt aus. Mit Bäumen am Straßenrand soll eine Art Tunneleffekt erreicht werden. Das trage ebenfalls dazu bei, dass die Geschwindigkeit automatisch verlangsamt werde. Dritter Aspekt: Mit dem Bau eines Fußgängerweges, der bisher komplett fehle, werde auch dem Sicherheitsgedanken der Passanten Rechnung getragen. Zeitdruck sei insofern vorhanden, weil die Mittel für die Verlegung der Wasser- und Abwasserleitungen noch in diesem Jahr investiert werden müssten. "Und wir wollen eine Gemeinschaftsausschreibung für Kanalisation und Straßenausbau", erläutert Kröhner. So wie es derzeit aussieht, werden die Arbeiten im Herbst in Höhe der Veldenzer Straße beginnen. Sie ziehen sich dann erst einmal zum Ortsausgang in Richtung Mülheim. Wenn das Wetter mitspielt, sollen diese Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die B 53 wird in dieser Zeit vollständig gesperrt. Nach der Winterpause werden die Arbeiten dann in die andere Richtung fortgesetzt. Zwischen den beiden Bauphasen kann die Straße nach Kröhners Auskunft befahren werden.