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Streit um die Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues

Bildung : Streit um Namen, Leitbild und Prüfungen

Alex Licht, einer der Gründerväter der Cusanus Hochschule, und deren Präsident Reinhard Loske liegen heftig miteinander im Clinch. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues trägt einen neuen Namen. Sie heißt nun Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Das hat Präsident Prof. Dr. Reinhard Loske dem Volksfreund bestätigt. Die Gründe und die dahinter steckende Vision werden, so Loske, am Samstag beim traditionellen Jahresempfang in Kloster Machern erläutert. Am 20. April 2015 hatte das Mainzer Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur der Hochschule die staatliche Anerkennung für erst einmal fünf Jahre ausgestellt. Und zwar für die Studiengänge Ökonomie und Philosophie.

Das Verhältnis zwischen Hochschulspitze und lokaler Politik war lange gut. Das änderte sich vor einem Jahr. Damals verkündete die Hochschule, keine neuen Philosophie-Studenten aufzunehmen, den Immatrikulierten aber einen Abschluss zu ermöglichen (der TV berichtete). Seitdem ist das Tischtuch zerschnitten. Nun kommt die Namensänderung dazu. Alex Licht (CDU) hat darauf reagiert. Er ist einer der Gründerväter der Hochschule und Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte. Die wiederum war der Vorläufer der Hochschule. Licht zitiert aus dem 2015er Leitbild: „Es bezieht sich auf Nikolaus von Kues (1401-1464), ihren Namensgeber. Dieser große humanistische Universalgelehrte versteht die freie Individualität des Menschen als Quelle von Wissenschaft und Kultur, von Gesellschaft und Gemeinschaft sowie des lebendigen Zusammenspiels von Theorie und Praxis.“ Auf den vier Seiten der neuen Begründung finde sich dagegen kein einziger Satz mehr zu Cusanus. Licht: „Eine solche Hochschule ist an keinen Standort gebunden, hat keinen Bezug, um Dritte für diesen Standort zu begeistern. Sie hat die Philosophie der Gründung und ihre mögliche Entwicklung komplett verlassen.“

Die Kueser Akademie habe den Philosophie-Studenten und Lehrkräften, die die Hochschule aus Protest verließen, das Angebt gemacht an der Akademie weiter zu studieren. Die Finanzierung sei durch Drittmittel gesichert. Licht sagt, dieses Angebot sei hochschulrechtlich abgesichert. Es sei vergleichbar mit der Gründungsphase, als der Hochschule noch die Anerkennung gefehlt habe. Ihm liege ein Schreiben der Hochschule vor. Darin heiße es, dass die bisherigen Studien- und Prüfungsleistungen anerkannt werden. Künftig sei dies nicht mehr der Fall. Den ausgestellten Bescheinigungen „mangele es am erforderlichen offiziellen Charakter“.

Nach Auskunft von Hochschul-Präsident Loske seien die Namensänderung und die neue Vision von Senat, Präsidium und Beirat einstimmig beschlossen und mit dem Wissenschaftsministerium besprochen worden. „Dass wir uns zu einer Hochschule für Gesellschaftsgestaltung weiterentwickeln wollen, hatte ich bereits mehrfach gegenüber dem Trierischen Volksfreund geäußert. Warum das eine Abkehr vom cusanischen Denken der feien Bildung sein soll, bleibt das Geheimnis von Herrn Licht“, sagt Loske.

Falsch sei Lichts Aussage, die Hochschule verweigere ihren Philosophie-Studenten einen Abschluss. „Richtig ist, dass wir seit den einseitigen Kündigungen der philosophischen Kollegen vom April letzten Jahres unser Lehrangebot durchgehend aufrechterhalten und in Abstimmung mit dem Ministerium korrekt abgehalten haben. Obwohl die Studierendenzahlen in der Philosophie rückgängig sind, haben wir dennoch im Januar dieses Jahres neue Lehrkapazitäten geschaffen. Wir waren und sind also vollumfänglich in der Lage, unser Studienangebot aus eigener Kraft abzubilden.“ Andernorts erbrachte Leistungen seien rechtlich nur anzuerkennen, „wenn wenn sie den Anforderungen unserer Studiengänge entsprechen und formal korrekt dokumentiert sind. Das gilt auch für die Kueser Akademie und die dort von ehemaligen Kollegen abgehaltenen Seminare“.

An der Akademie ließen sich diese Anforderungen momentan nicht erfüllen. Das habe eine juristische Prüfung gezeigt. Dies habe die Hochschule Alex Licht mitgeteilt und ihm gleichzeitig Gespräche angeboten. „Statt die offenkundigen Mängel zu beheben, sucht Herr Licht wieder die Öffentlichkeit und setzt falsche Behauptungen in die Welt“, sagt Loske.

Der Volksfreund hat auch bei Leo Wächter, dem neuen Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, nachgefragt. Sein Vorgänger, Ulf Hangert, gehörte dem Kuratorium der Hochschule an. Er hatte mehrfach den neuen Kurs der Hochschule kritisiert und moniert, dass es viel zu wenig Informationen gebe. Letzteres scheint sich nicht geändert zu haben. Er habe auch erst in dieser Woche vom neuen Namen und vom neuen Kurs gehört – allerdings nicht von der Hochschule, kritisiert Wächter. Das erstaune auch deshalb, weil er vor Monaten von Professor Loske gefragt worden sei, ob er für Hangert ins Kuratorium nachrücken wolle. Dazu sei er grundsätzlich bereit: „Seitdem habe ich nichts mehr gehört“, sagt der Bürgermeister.