Streit um einen Gesprächstermin
100 Hela-Mitarbeiter in Wittlich fürchten um ihren Job. Hilfesuchend hat sich der Hela-Betriebsratsvorsitzende deshalb über einen Vermittler an Wittlichs Bürgermeister für einen Gesprächstermin gewandt. Streit gibt es um die Teilnehmer. Ralf Bußmer möchte den Vermittler nicht dabei haben. Verwirrung gab es um die Frage, wie Bußmer zur Teilnahme der Landrätin steht.
Wittlich. Die rund 100 Mitarbeiter des Wittlicher Hela-Baumarkts haben Angst um ihre Arbeitsplätze (der TV berichtete). 2010 soll der Globus-Baumarkt im Wittlicher Konversionsgebiet an der L 141 eröffnet werden. Globus gehört zum gleichen Konzern wie Hela. Eine parallele Existenz der beiden Baumärkte erscheint unwahrscheinlich.
Betriebsrat will mit Bürgermeister sprechen
Der Betriebsratsvorsitzende Hans vom Dorf hat bislang wenig Konkretes über die Zukunft der Hela-Mitarbeiter erfahren. Ihnen sei angeboten worden, sich bei Globus zu bewerben, sagt er. Doch er befürchtet, dass dabei die kranken, unbequemen sowie die vielen älteren Mitarbeiter auf der Strecke bleiben und die Übernommenen nicht mehr nach Tarif bezahlt werden.
Vor diesem Hintergrund hat sich vom Dorf auf die Suche nach Hilfe in der Politik gemacht. Sein Wunsch: Ein Gespräch in großer Runde mit Wittlichs Bürgermeister, Landrätin, Betriebsleitung und Betriebsrat sowie mit Hermann-Josef Hauth, dem stellvertretenden SPD-Kreisvorsitzenden. An letzteren hatte vom Dorf sich gewandt, um den Kontakt zu den anderen Politikern herzustellen. Er habe Hauth nicht wegen der Partei ausgewählt, sondern weil er ihm als hilfsbereiter Mensch mit guten Kontakten empfohlen worden sei, sagt vom Dorf.
Bei Landrätin Beate Läsch-Weber (CDU) ging diese Taktik auf. Vermittler Hauth erhielt ohne Umschweife eine positive Antwort. Bei Bürgermeister Ralf Bußmer (FDP) lief die Sache anders. Vom Dorf: "Auf die schriftliche Anfrage von Herrn Hauth hieß es, der Bürgermeister sei nur bereit für ein Gespräch in kleiner Runde, also allein mit Betriebsrat und Geschäftsführung, ohne die Landrätin und Herrn Hauth."
Über diese Antwort haben sich Hauth und vom Dorf aufgrund der verpassten Chancen geärgert. Vom Dorf: "Es geht um 100 Arbeitsplätze. Da will ich das Optimale. Ich will alle Menschen, die uns in irgendeiner Weise helfen könnten, an einem Tisch versammeln." Ein Gespräch in kleiner Runde kommt für den Betriebsratsvorsitzenden nicht in Frage.
Als der Trierische Volksfreund im Rathaus nachfragt, warum der Bürgermeister nicht zu einem Gespräch in großer Runde bereit sei, sieht die Antwort anders aus - zumindest was die Landrätin angeht.
Pressesprecher Ulrich Jacoby teilt mit: "Die Frage, ob die Landrätin an einem Gespräch mit Betriebsrat und Geschäftsleitung beim Bürgermeister teilnehmen soll, hat sich bisher nicht gestellt." Wenn dies gewünscht werde, könne die Landrätin auf eigenen Wunsch teilnehmen. Zur Absage an Hauth heißt es lediglich, die Teilnahme eines Parteienvertreters an dem Gespräch sei nicht erforderlich. Generell teilt Bußmer mit: "Die Verfassung garantiert den Tarifpartnern Autonomie, da bleibt kein Platz für staatliche oder kommunale Einflussnahme und Einmischung."
Auch wenn die Landrätin dabei ist, lehnt vom Dorf ein Gespräch ohne Hauth ab, denn er wolle ihn als neutrale Person dabei haben.
Meinung
Bürgernah geht anders
Man mag sich wundern über einen Betriebsratsvorsitzenden, der sich ausgerechnet an einen SPDler wendet (auch wenn die Partei nicht der Grund war, ihn auszuwählen), um Kontakt zu einer Landrätin (CDU) und einem Bürgermeister (FDP) herzustellen. Das zeugt nicht unbedingt von Fingerspitzengefühl in einer heiklen Situation, in der es um 100 Arbeitsplätze geht. Doch noch mehr mag man sich wundern über den Bürgermeister in dieser Situation. Klar muss er sich nicht vorschreiben lassen, wen er bei Verhandlungen dabei haben will. Doch eine so strikte Ablehnung des SPD-Vermittlers zeugt von mindestens genauso wenig Fingerspitzengefühl. Hinzu kommt der alleinige, wenn auch berechtigte Hinweis auf die Tarifautonomie beim Thema Verhandlungen. Kein Wort über die gefährdeten Arbeitsplätze oder an die Betroffenen. Doch um die geht es, und für sie trägt ein Bürgermeister soziale Verantwortung. Bürgernah erscheint er in dieser Geschichte nicht. m.maier@volksfreund.de