1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Streit um Erweiterung der Biogasanlage in Altrich

Archiv 2018 : Streit um Erweiterung der Biogasanlage in Altrich

Sechs Ja- und vier Nein-Stimmen: Das Projekt stößt im  Bauausschuss der VG- Wittlich Land auf geteiltes Echo und sogar die Grünen sind dagegen.

Ist Biogas nun etwas Gutes, weil sich damit das Klima schützen lässt? Oder ist die Biogasanlage in Altrich etwas Schlechtes, weil sie Geruchsbelästigungen und Lärm verursacht, welche mit dem Getreideanbau auf den umliegenden Feldern einhergehen? Im Ausschuss für Bauen und Energie der Verbandsgemeinde Wittlich-Land ist man darüber derzeit geteilter Meinung.  Landwirt Christian Graf stellte während der jüngsten Sitzung des Gremiums in Osann-Monzel seine Pläne für eine Erweiterung seiner Anlage in Altrich vor.

Pläne Er würde gerne ein weiteres Fahr-Silo aus Betonplatten zur Einlagerung von Feldfrüchten, die er in seiner Biogasanlage vergärt, bauen. Außerdem hat er Pläne für ein drittes Lager für Gärreste, „die ich auf dem Acker als Ersatz für mineralischen Dünger ausbringe, um den Kreislauf zu schließen.“ Mit der Erweiterung will Graf die Biogasanlage aus dem landwirtschaftlichen Betrieb ausgliedern und als Gewerbebetrieb auf eigene Beine stellen. Mit dieser Investition von rund 700 000 Euro könnte er mehr Biogas als seine derzeit rund 2,2 Millionen Kubikmeter produzieren. Graf: „Derzeit fahre ich jährlich etwa 13 000 Tonnen Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrüben oder anderes Getreide zur Vergärung in die Anlage. Mit einem Gewerbebetrieb wären bis zu 30 000 Tonnen erlaubt, jedoch 24 000 Tonnen beabsichtigt.“ Die Feldfrüchte für seine Anlage baut er auf Feldern bei Altrich, Salmtal, Lüxem und anderen Gemeinden nahe Altrich an.

Damit aus dem landwirtschaftlichen Betriebszweig ein eigener Gewerbebetrieb werden kann, müsste die Ortsgemeinde Altrich den Bebauungsplan ändern und dort statt eines landwirtschaftlichen Areals ein Sondergebiet für erneuerbare Energien genehmigen. Der Altricher Ortsgemeinderat hat dafür schon grünes Licht gegeben. Doch auch der Verbandsgemeinderat hat ein Wörtchen mitzureden und müsste mit einer Änderung des Flächennutzungsplans die rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Eine Erweiterung der Anlage, die vor fünf Jahren im VG-Rat schon einmal abgelehnt wurde, sehen einige Mitglieder des Verbandsgemeinderates und des Bauausschusses auch heute noch kritisch. Dabei hat sich durch die Flurbereinigung einiges verändert.

Diskussion  Kaum zu glauben, aber wahr: Die Grünen sind gegen eine Erweiterung der Biogasanlage in Altrich: Claudia Laux, die für Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Bauen und Energie sitzt, erklärte: „Diesen Sommer sind viele Tiere wegen des Futtermangels notgeschlachtet worden. Da kann es nicht sein, dass man noch mehr Futter in Biogasanlagen schmeißt.“ Er habe vielen Kollegen mit Viehhaltung, die zu wenig Futter gehabt hätten, sogar in diesem Sommer aus der Klemme geholfen, hielt Biogas-Bauer Graf, der dem Ausschuss Rede und Antwort stand, dagegen.

Angelika Brost, die für die SPD im Ausschuss sitzt, torpedierte Graf mit zahlreichen  Bedenken gegen eine Erweiterung der Biogasanlage. Von möglichem Lärm und Gestank, der von einer Erweiterung ausgehen könne, bis hin zu brandschutztechnischen Fragestellungen, die allerdings erst in späteren Verfahrensschritten von Relevanz wären: Brosts’ Kritik war umfänglich – und ging manchem Ratsmitglied auch zu weit.  Die Bedenken, dass mit einer Erweiterung der Anlage im 800 Meter entfernten Wohngebiet in Altrich signifikant mehr Lärm oder Gestank wahrnehmbar wäre, konnte Graf jedenfalls durch Gutachten ausräumen. Graf: „Wir produzieren ja jetzt schon 24 000 Tonnen Futtermittel. Derzeit vergäre ich davon 13 000 Tonnen. Den Rest verkaufe ich.“

Mit der Erweiterung der Anlage gehe also gar keine Zunahme an Geruchsbelästigung und Lärm einher, erklärte Graf. „Das Getreide wird ja jetzt eh schon produziert. Ich würde nur gerne mehr davon in meine Biogasanlage fahren.“ Wenn er die Flächen nicht bewirtschafte, werde es ein anderer machen. Lärm und Geruch blieben sich dann aber gleich, sagte Graf. Gleichermaßen argumentierte auch Ausschussmitglied Stephan Müllers (FWG), der auch Ortsgemeinderatsmitglied in Altrich ist. „Ich könnte die Diskussion ja noch verstehen, wenn es um einen Neubau ginge, aber wir reden hier über die Erweiterung des Bestands. Wir Altricher könnten mit einer Erweiterung sehr gut leben.“ VG-Bürgermeister Dennis Junk sprach sich zwar für einen weiteren Verfahrensschritt, aber dennoch kritisch gegenüber einer Erweiterung aus: „Mit der Eröffnung der B 50-Neu könnten wir an dieser Stelle bei Altrich und Platten auch über Gewerbegebiete nachdenken. Wir müssen uns überlegen, was wir dort sehen wollen. Aber um Nein oder Ja zu sagen, wäre es mir jetzt noch zu früh.“

Beschluss Mit vier Nein- und sechs Ja-Stimmen empfahl der Ausschuss dem Verbandsgemeinderat, das Verfahren zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans zur Erweiterung der Biogasanlage auf den Weg zu bringen. Der Verbandsgemeinderat, der das Thema bereits schon mal vorliegen hatte, aber zur Beratung zurück in den Ausschuss geschickt hat  (der TV berichtete), wird also letztlich über die Erweiterungspläne des Altricher Landwirtes entscheiden.